Windige Angelegenheit

Eingetragen bei: Reiseblog | 0

Da wir uns in den letzten Tagen Luxus gegönnt haben und wenige Tage mit meinem Eltern mitgefahren sind, konnten wir uns nun vor Brest noch einen extra Ruhetag auf einem Campingplatz leisten. Doch als wir da ankamen, wurde uns kurz und bündig mitgeteilt, dass der Camping voll sei. Wir schauten uns danach nur noch an und mussten auch ein wenig lachen. Klar musste uns das natürlich noch beim letzten Campingplatz passieren. Aber unterkriegen liessen wir uns nicht und so richteten wir uns auf der Sonnenterasse ein und nahmen das Tablet in Betrieb. Mit dem frei angebotenem WIFI befragten wir nun also Onkel Google wo es für uns wohl noch für zwei Nächte einen Campingplatz gibt und einen Einkaufsladen. Denn auch unsere Vorräte waren am Ende und wir wollten diese nun hier gemütlich im letzten Ort im Intermarché nochmals aufstocken. Doch wenn wir nun weiter müssen, wird wohl der Tag noch etwas länger, da der Umweg über den Laden noch Vorrang hat.

Gerade als wir uns nun entschieden haben wie es weiter gehen soll, kam die Dame vom Empfang und fuchtelte mit ihren Händen herum und gab uns zu verstehen, dass wir mitkommen sollten. Ok, dachten wir uns und folgten ihr erwartungsvoll. Der Weg führte uns durch eine ganze Siedlung Mobilehomes und endete hinter einem davon. Sie zeigte uns ein ganz kleines Stück Wiese, wo wir nun doch unser Zelt aufstellen dürften. Nochmals spielte uns das Glück in die Hände.

So konnten wir zwei schöne freie Tage kurz vor Brest auf dem Camping geniessen. Am letzten Wandertag wurde durch die Wetterfrösche kein schönes Wetter prophezeit. So packten wir unsere Sachen schon früh, so dass wir am späteren Morgen schon auf dem Fussweg nach Brest waren. Vor uns lag noch eine Nacht im freien und dann wäre unser Ziel erreicht. Pünktlich wie von den Fröschen behauptet kam gegen 14 Uhr starker Wind auf vom Meer. Der Weg führte uns den felsigen Klippen entlang und bot einen schönen Ausblick aufs Meer. Doch der aufgekommene Wind nahm stetig zu. Er blies immer heftiger vom Meer aufs Land hinein, so dass wir uns richtig dagegen stemmen mussten. Zu Beginn hatten wir am stürmischen Wetter durchaus noch unseren Spass. Doch als dann langsam Regen sich dazugesellte, veränderte sich auch unsere Laune ins Negative.

Durch den starken Wind fiel der Regen nicht senkrecht, sondern er peitschte mit wildem Getöse von der Seite an uns. Mit der Zeit gab natürlich auch unsere Regenkleidung nach und die Nässe drückte durch bis auf die Haut. Wir suchten uns einen geschützten Ort zuerst hinter einer Hecke, wo wir trocken stehen konnten. Und da war es nicht trocken, weil die Hecke uns von Oben schützte, nein, vielmehr war sie hoch genug, um uns als Prall-Wand vom seitlich heranpeitschenden Regen zu schützen. Denn durch den Wind kam ja von oben keiner.

Uns wurde allmählich klar, dass das Wetter wohl noch länger anhalten würde. Ans Aufstellen unseres Zeltes war bei dieser Wetterlage natürlich nicht im Geringsten zu denken. Als es wirklich scheusslich wurde, wechselten wir dann unseren Platz und gingen vom Busch in die nächste Scheune eines Bauernhofes.

Dort verharrten wir über eine Stunde und berieten uns über das weitere Vorgehen. Am Schluss haben wir uns entschieden abzubrechen und Brest mit dem Fahrzeug ein Tag früher als geplant zu erreichen. Klar, irgendwie tat es uns weh, das Ziel nicht auf dem Wanderweg erreicht zu haben und die Worte „Brest in Sicht“ freudig über unsere Lippen zu bringen. Doch angesichts des Wetters blieb uns keine andere Wahl, welche im vernünftigen Rahmen gewesen wären. So sattelten wir erneut in der Scheune unser Gepäck und machten uns auf den Weg zu den nahegelegenen Häusern, um uns nach einem Bus, Taxi oder sonstiger Mitfahrgelegenheit umzusehen. Nach kurzer Zeit war uns das Glück nochmals hold. Nach kurzem Marsch durch den Regen las uns eine ältere Dame mit Auto mitten auf der Quartierstrasse auf und fuhr mit uns nach Brest zu unserem gebuchten Hotel, wo wir auf ein Zimmer für eine zusätzliche Nacht hofften. Wir stiegen aus und liefen tropfend in unserer Regenkleidung durch die Eingangstüre gerade auf die Reception zu.

Am Tag zuvor haben wir das Hotel für die letzten zwei Nächte vor unserer Abreise gebucht. Obwohl wir jetzt nun einen Tag früher dran waren, hofften wir, dass sie noch ein Zimmer für uns frei haben. Leider verliess uns augenscheinlich nun das Glück und wir mussten erfahren, dass für den spontanen Abend alles besetzt sei. Zusätzlich wurde uns noch by the way mitgeteilt, dass unsere Buchung für die nächsten zwei Tage zwar getätigt wurde, sie jedoch für eine der zwei Nächte gar kein Zimmer mehr haben und dies uns per Mail mitgeteilt worden wäre. Ach, wie ich den Spam-Filter von unserem Mailaccount liebe. Völlig überrascht und natürlich etwas verärgert fragte ich nach WLAN und zückte das Tablet. Wir wollten uns im Internet etwas umsehen und nach einer Alternative  suchen. Nach kurzer Zeit kam die Frau der Rezeption zurück aus dem Esssaal und teilte uns freudig mit, dass wir nun im Hotel nebenan im gleichen Gebäude für knapp gute EUR 15.00 Aufpreis für eine Nacht bleiben könnten, wenn wir das wollen. Doch wir lehnten freundlich ab, gab es schliesslich neben unserem Hotel noch viele weitere und 4-Sterne erschien uns in unserem Outfit doch etwas zu viel. Erstaunt verschwand die Dame erneut und kreuzte nach wenigen Minuten nochmals auf. Plötzlich bot sie uns nun das Zimmer für die eine Nacht im 4-Stern Hotel nebenan zum gleichen Preis an, wie unsere frühere Buchung. Jetzt nahmen wir natürlich dankend an. Und so begaben wir uns auf das Zimmer und genossen kurz darauf die lang ersehnte warme Dusche.

Draussen wütete immer noch der Sturm. Uns zog es nicht ein Zentimeter nach aussen und so kochten wir später am Abend dann noch auf dem Zimmer eine warme Suppe, welche sowieso für den Abend geplant gewesen wäre. Wir assen nun auf dem Sofa in unserem 4-Stern Zimmer die Suppe, amüsierten uns an dieser Vorstellung und schauten dabei dem draussen wütenden Sturm zu.

Am nächsten Morgen packten wir erneut unsere Sachen und machten uns bei unschuldig schönem Wetter auf den ca. 30 Minuten dauernden Weg in das von uns nun neu reservierte Hotel. Danach ging es für eine erste Tour mit dem Bus und Tram nach Brest.

In Brest angekommen besuchten wir zuerst das Office de Toursime, um eine Stadt- und Buskarte zu erhalten und Tickets für das Musée de la maritime und das Océanopolis zu erhalten. Wer diese nämlich direkt im Office kauft, kommt etwas günstiger als erst vor Ort an der Kasse. Danach schlenderten wir durch die Strassen, die für eine so grosse Stadt unserer Meinung nach doch recht wenig belebt waren. Wir besuchten einige Aussichtspunkte und gingen zur ältesten Strasse der Stadt, Rue St. Malo. Diese besteht aus wenigen Steinhäuser, die vom Krieg gezeichnet sind, ohne Dächer und zum Teil mit zertrümmerten Wänden. Die verbliebenen Mauern wurden renoviert und mit einem Dach aus Holz und Plastikscheiben versehen, so dass in den Räume kleine Bars errichtet werden konnten, die leider wie viel anderes nur im Juli und August offen haben. In einem der Häuser befand sich sogar ein kleines „Museum“ mit Fotos von früher und einigen Informationen zur Umnutzung, Renovierung, dem Krieg und dem letzten Bewohner dieser Strasse. Unweit dieser Strasse befinden sich die Ateliers de Capucine, wo früher riesige Schiffsteile hergestellt wurden. Die grossen Hallen werden jetzt nach und nach renoviert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. In einem Teil befindet sich schon die Gemeindebibliothek, wo wir viele Studenten in den kleinen Sitznischen arbeiten sahen. Ein Stock höher steht ein Klavier, dass frei benutzt werden kann. Ein junger Mann sass dort und spielte stundenlang klassische Melodien, dessen Klänge die riesigen Hallen verzauberten. Dieser originelle Ort ist mit einer ebenso speziellen Art an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die Seilbahn – Linie C – schwebt über den grossen Militärhafen und bindet als Teil des öffentlichen Verkehrs die Ateliers de Capucine an die Strassenbahn an.

 

20170610161418
20170610161543
20170610161449
20170610161426

Nach der Zeit im Zelt haben wir in einem italienischen Restaurant richtig zugeschlagen und kehrten danach wieder in unser Hotel zurück, um zu verdauen.

Am zweiten Tag in Brest besuchten wir das Musée de la maritime. Mit dem Audioguide, wie verweilten dort über 4 Stunden. Während die wenigen anderen Besucher mehrheitlich einfach durchliefen, nahmen wir uns die Zeit, alles genau anzusehen und die Informationstafeln aufmerksam durchzulesen. Neben vielen Informationen über die Herstellung von grossen Kriegsschiffen aus Holz erfuhren wir viel über die Entwicklungen der Seefahrt in Brest. In Brest ist die Seefahrt doch seit einer Ewigkeit Tradition, sowohl Zivil als auch militärisch. Und so verging die Zeit im Museum wie im Flug.

 

20170610161706
20170610161615
20170610161640
20170610161701

Am letzten Tag in Brest, bevor wir dann am Abend den Bus Richtung Heimat nahmen, waren wir noch im Océanopolis. Auch dort hatte es für uns erfreulich wenig Besucher. Ausser einer Schulklasse, die uns aber bald überholt hatte, störte uns niemand gross bei unserer Tour. Das Aquarium wurde in drei Bereiche geteilt, Arktis Tropisch und Bretagne. Wir begannen im arktischen Teil und auch dort verweilten wir sehr lange. Obwohl die Übersetzung der Beschriftungen in Englisch von viel bis gar nichts reichte, haben wir viel über die beiden Polarkappen und die Fauna und Flora dort erfahren. Neben den vielen Informationen gibt es dort auch viele Multimedia Inhalte zu begutachten. Natürlich auch viele Aquarien mit winzigen Mikroben bis hin zu grossen Robben und Haien. Auch im tropischen Teil verweilten wir lange und genossen die Ruhe, da es fast keine Besucher hatte. Den Bretonischen Teil haben wir dann schliesslich nur noch grob durchschritten, weil wir noch vor der Abfahrt unseres Fernbusses nach Strassburg etwas essen wollten.

 

20170610161526
20170610161902
20170610162046
20170610161723
20170610161927
20170610162333
20170610161744
20170610162004
20170610162430

Genau, Fernbus. Die Hinreise haben wir mit dem Zug gemacht. Nun zog eine andere Reiseart unser Interesse auf sich. Nach langem hin und her haben wir uns während den letzten Wochen dafür entschieden, mit dem QUIBUS über Paris nach Strassburg zu fahren. Dies ist ein Unternehmen der SNCF und steht in Frankreich in direkter Konkurrenz mit Flixbus. Für den letzen Teil von Strassburg nach Basel planten wir nach der anfänglich tollen Erfahrung erneut das App Blablacar zu nutzen und uns eine Mitfahrgelegenheit nach Basel zu organisieren. Wir packte also unsere sieben Sachen und haben uns genügend zu Trinken und Knabbereien für die kommenden rund 20 Stunden Carfahr vorbereitet. Unser Bus fuhr am Abend um halb 10 Uhr ab, so dass wir während der Fahrt etwas schlafen konnten. Zwischendurch machte der Bus in einigen Städten halt, damit neue Passagiere zusteigen und andere aussteigen konnten. Während der ganzen Fahrt haben wir es uns so gut es ging gemütlich gemacht, konnten im Internet surfen, miteinander plaudern oder etwas lesen. Geschlafen haben wir auch zwischendurch, so verging die Zeit wie im Flug. Bei einer längeren Pause auf einer Raststätte hatten wir die Möglichkeit, noch etwas einzukaufen und einfach mal die Füsse zu vertreten. In Paris mussten wir dann den Bus wechseln. Auch der zweite Bus machte mehrere Zwischenstopps. Doch beim letzen Zwischenstopp vor Strassburg war der Fahrer etwas zu wenig aufmerksam. Als dieser losfuhr unterschätze er die Länge des Busses und rasierte kurzum eine Strassenlaterne mit dem Heck komplett nieder. Dies machte sich im Bus durch ein starkes Rumpeln bemerkbar. Wir haben zuerst gar nicht gesehen, was geschehen ist. Wir dachten schon, jetzt hat er jemanden überfahren. Als er dann auf dem Parkplatz nebenan anhielt, sahen wir die Laterne umgeknickt auf der Strasse liegen. Murmelnd stieg der Fahrer aus, wohl um zu sehen, wie gross der Schaden am Bus ist. Als wir dann wieder los fuhren, versuchten gerade vier Männer die Laterne von der Strasse auf den Bürgersteig zu tragen.

 

20170610162452
20170610162521

Nach langer Fahrt in Strassburg angekommen, wartete kurz darauf schon Antoine auf uns. Er war unser BlablaCar Fahrer, welchen wir über das App organisiert hatten. Er ist ein junger Musik Student, welcher ursprünglich aus Paris kommt, jedoch in Basel klassische Musik studiert. Ich unterhielt mich angeregt mit ihm auf Englisch, während Astrid hinter uns müde aus dem Fenster schaute und die zwei Regenbögen beobachtete, die vor uns durch die Wolken schimmerten. In Basel angekommen gingen wir zur nächsten Station der Strassenbahn, die uns die letzte Etappe nach Haus bringen sollte. Während dem Warten hatten wir schon ein bisschen ein komisches Gefühl. Denn plötzlich konnten wir den Gesprächen der Leute um uns herum lauschen und verstanden alles ohne Konzentration. Zuhause angekommen sanken wir nach herzlicher Begrüssung und einer Dusche schon bald in tiefen Schlaf und verbrachten eine herrliche Nacht im lang ersehnten eigenen Bett.

Denn von nun an ging es nur noch mit dem eigenen Bett auf Reisen. Unser YellowOne wartet schon sehnlichst darauf in Betrieb genommen zu werden und die grosse Reise nach Island anzutreten. Bald sind wir also auch Achse.

Please follow and like us:

Hinterlasse einen Kommentar