Die Schafe rufen uns

Eingetragen bei: Reiseblog | 1

Kaum zurück in der Schweiz ging es gleich ans Packen und Vorbereiten des nächsten Kapitels unserer Reise. Nach langem Wandern haben wir es verdient und es geht fortan bequem mit dem Pinzgauer weiter. Wir freuen uns richtig auf den kleinen Luxus in der Kabine mit ihren Betten und dem Kühlschrank. Viele der Vorbereitungen für diesen Abschnitt hatten wir schon vor dem Wandern erledigt, dennoch mussten wir noch einige Kleinigkeiten zu Ende bringen. Die kurz davor eingetroffenen neuen Innenraumbatterien warteten noch auf ihren Einbau, zum anderen galt es, all die notwendigen Haushaltsmaterialien in die kleinen Schränke zu verstauen. Auch die Bremstrommeln der vorderen Räder mussten wir nochmals wechseln, damit diese in Top Zustand sind, wenn wir in Island auf den Hochlandpisten herum kurven.

 

P1020536
P1020519
P1020518
P1020572

Nach all diesen Arbeiten konnte es dann endlich los gehen. Unser erstes Ziel war Hirthals im Norden Dänemarks. Von dort aus fährt die Fähre nach Island. Für die kommenden 1300 km nahmen wir uns gemächliche 4 Tage Zeit. Doch wie es halt eben so ist, kommt einem bei jedem Zeitplan etwas in die Quere. Es passierte etwa 80 km nach Frankfurt, wir fuhren gemütlich auf der Autobahn dahin und liessen uns von diversen Autos und Lastwägen überholen, als es plötzlich unter der Motorabdeckung einen lauten Knall gab und die Ladekontrollleuchte ihren Betrieb aufnahm. Während Michel auf den Pannenstreifen fuhr, meinte er noch, dass wird wohl der Keilriemen gewesen sein, der gerissen ist. Kein Stress, den haben wir in einer halben Stunde ersetzt. Denkste, von wegen Keilriemen. Als Michel meinen Sitz heraus genommen hat, entdecke ich ein halb rundes Metallstück in der Motordeckung stecken. Auf meine Bemerkung „Das gehört nicht hier hin“,  kam nur ein kurzes „definitiv nicht“ zurück. Uns hat es doch tatsächlich die Keilriemenscheibe  mit 80km/h auf der Autobahn in zwei Teile zerlegt, wovon nun eben eines in der Motorabdeckung wie eine Trennscheibe zum Stillstand kam. Wäre die Abdeckung nicht so massiv, würde das Teil in meinem Oberschenkel stecken und hätte nicht nur knapp den Sitz gestreift. Nun gut, jetzt hiess es, die Versicherung kontaktieren und den Abschleppdienst kommen zu lassen. Für etwas haben wir ja schliesslich kurz vor der Abfahrt die Assistance abgeschlossen. Selbsthilfe war hier nämlich ausgeschlossen, denn so ein Teil führt man nicht gerade mal eben mit. Nach gut 2 Stunden kam dann der Abschleppdienst und fuhren mit uns zu ihrer Basis und stellten unseren Pinzgauer vorerst auf ihren Hof. Dort konnte Michel dann sich daran machen innert Kürze das passende Ersatzteil zu organisieren für unseren 35 Jahre alten Pinzgauer. Die Anspannung war doch sehr gross, denn die Fähre wartet garantiert nicht auf einen liegengebliebenen Pinzgauer. Nach mehreren Telefonaten und einem Eintrag im Internetforum für Pinzgauer kam zum Glück bald danach die rettende Antwort, dass ein andere User des Forums etwa 50km von unserem Standort entfernt wohnt und uns das Teil bei seinem Fahrzeug ausbauen kann und es am nächsten Morgen vorbeibringen würde. So mussten wir bis zum nächsten Morgen warten und haben unsere Nacht auf dem Hof der Abschleppfirma verbracht. So ging uns zwar einen ganzen Tag verloren, jedoch war es auch sehr spannend auf dem Hof des Abschleppdienstes. Die Jungs waren echt freundlich und es war für uns interessant zu sehen, was da alles so abgeht. Und so liessen wir dann den aufregenden Tag mit einem kühlen Bier ausklingen.

Als dann Andreas das Ersatzteil am nächsten Morgen wie versprochen vorbeibrachte, war es in Kürze eingebaut und wir waren wieder flott. Jetzt hiess die Devise für den Tag: „Kilometer machen und Zeit aufholen“.

 

P1020553
P1020541
P1020539
P1020542
P1020556

So ging es erst mal über die Landstrasse weiter, da wir so einem 10 km langen Stau entgehen konnten. Auf den weiteren 600 km über Hamburg bis nach Dänemark verlief dann zum Glück soweit alles nach Plan ruhig und reibungslos. Unterwegs übernachteten wir einmal in einem Wald, wo wir Rehe sahen, und das andere Mal auf einem Parkplatz neben einer Kirche. Zwischendurch kontrollierten wir nochmals die Bremsen und zogen den neuen Keilriemen an, der hält nun ohne zu murren. So haben wir es dann doch pünktlich gegen 11.30 nach Hirthals zur Fähre geschafft, wo wir das Auto im Laufe des Nachmittags im Bauch der Fähre „Norröna“ stehen liessen und es uns oben gut gehen liessen.

 

P1020614
P1020619
P1020624

Die Fahrt mit der Fähre dauerte 1 ½ Tage bis wir in Tòrshavn auf den Färöer Inseln ankamen. Da wir erst um 11 Uhr Abends ankamen, fuhren wir nicht mehr weit und suchten uns ein nahes Nachtlager. Obwohl von Nacht fast nicht zu sprechen war, da es so gut wie nicht eindunkelte.

Am nächsten Tag ging es los die Inseln zu erkunden und unseren Aufenthalt von fast 3 Tagen gut zu nutzen. Am ersten Tag fuhren wir die Hauptinsel Streymoy ab, besuchten in Hvalvik die älteste aus Holz gebaute Kirche der Färöer Inseln und danach die Wasserfälle in Saksun, wo andere Touristen interessiert um unseren YellowOne schlichen und Fotos von ihm machten. Später machten wir Pause in Tjørnuvik, wo uns ein Mann mit oranger Wahrnweste sagte, wir dürfen nicht auf dem Parkplatz parkieren, weil gleich ein Helikopter landen würde. Natürlich wollten wir uns dieses Spektakel ansehen und haben dann beobachtet, wie der Helikopter mehrmals angeflogen kam, grosse Säcke an einem langen Seil befestigte und mit ihnen wieder davon flog. Hier auf den Inseln ist ein Helikopter durchaus ein normales Verkehrsmittel. Es gibt sogar fahrplanmässigen Flugverkehr wie ein Bus. Vom nahen kleinen Strand aus, der besonders bei Surfern beliebt ist, hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf den Riesen und seine Frau. Das sind zwei einzelne Felsen vor den Küsten der zweiten Hauptinsel. Die Geschichte besagt, dass der Riese und seine Frau eines Nachts die Inseln durchs Meer nach Island ziehen wollten. Doch sie waren so in Gedanken versunken, dass sie völlig die Zeit vergassen. Und als dann die Sonne aufging, wurden sie zu Stein. Nun stehen sie für Ewig vor den Inseln und geben ein schönes Fotomotiv ab. Die Nacht verbrachten wir dann auf der zweiten Hauptinsel Eysturoy beim Stausee Eidesvatn mit Blick aufs Meer.

 

P1020587
P1020593
P1020686
P1020591
P1020595
P1020695
P1020637
P1020635
P1020656
P1020654

Der zweite Tag war unser Wandertag. Vom Stausee aus fuhren wir etwa eine halbe Stunde zum Parkplatz vor dem höchsten Berg der Färöer. Der Slatteratindur ist gerade mal 882 m.ü.M. doch wir brauchten für den Aufstieg, der zuerst sehr steil ist und später einen gemütlichen kleinen Weg entlang führt, gut 1 ½ Stunden. Die Aussicht war traumhaft, man konnte alle umliegenden Inseln mit ihren grünen und grauen Hügeln und Berge betrachten. Der Pinzgauer auf dem Parkplatz wirkte von hier oben wie eine kleine gelbe Stecknadel auf einen grünen Tuch.

 

P1020731
P1020702
P1020700
P1020710

Später fuhren wir dann nach Rituvik im Süden der Insel, wo wir drei Stunden lang das Torfmoor erkundeten. Dort genossen wir die Stille, die nur von einigen Schafen gestört wurde. Während wir auf dem Berg immer wieder anderen Touristen begegneten, waren wir hier die ganze Zeit über ganz alleine. Neben vielen Schafen sahen wir auch einen Hasen und einige Fische, die in kleinen Bächen schwammen, welche einfach so aus dem Boden entstanden. Wir spekulierten schon, wie die Fische hier her kommen, bis wir dann später einen kleinen See entdeckten. Wir genossen die Zweisamkeit und fühlten uns wie kleine Kinder auf Entdeckungstour. Von Weiten sah alles recht kahl aus, doch wir entdeckten verschiedene Moosarten, stapften mal über harten, mal über ganz weichen Grund und folgten mehreren Bächen und staunten über die Kraft des Wassers, wie es die Erde unter dem Gras wegzuspülen vermag.

 

P1020744
P1020750

Unsere zweite Nacht verbrachten wir dann ganz im Süden der Inseln. Dort stand unser YellowOne direkt unter einem Windrad und wir genossen den Blick übers Meer auf Tòrshavn.

 

P1020764
P1020773

Am letzten Tag wollten wir genug früh in Tòrshavn sein, damit wir die Stadt noch ansehen können. Als wir dann dort ankamen, nutzten wir zuerst noch das freie Internet, um unsere Mails zu checken und noch einige Rechnungen zu zahlen. Auch ein kurzer Anruf Zuhause durfte da nicht fehlen. Leider verging die Zeit so schnell, dass es dann knapp noch reichte, um einige Karten zu kaufen, doch die Stadt konnten wir nicht mehr ansehen. Denn wir wollten genug früh am Hafen sein. Dort angekommen reihten wir uns mit dem Pinzgauer in die lange Kolonne vor der Fähre ein und warteten. Hinter uns trafen wir einen Deutschen, mit dem wir dann ins Gespräch kamen. Während die Zeit nur langsam verging, nahm die Zahl der Gesprächspartner stetig zu. Gelb zieht eben nicht nur Fliegen an 🙂

P1020775
P1020776

Auf dem Schiff liessen wir den Abend nach dem Essen gemütlich ausklingen. Yvonne und Beat gesellten sich dann zu uns und wir tranken gemeinsam ein Bier.  Schon auf der vorherigen Fahrt auf die Färöer sind wir kurz vor Ankunft in Tòrshavn mit ihnen ins Gespräch gekommen. Sie erzählten uns von früheren Reisen und ihren Erlebnissen mit einem alten VW LT, den sie damals besassen. Nun sind die beiden mit ihrem Camper für einige Wochen auf Island in den Ferien. Der Abend endete dann recht früh um halb 12 Uhr, da wir am nächsten Morgen schon früh in Seydisfjördur ankommen sollten, worauf wir uns schon total freuten.

Island steht also vor der Tür.

 

P1020792
P1020825

 

Please follow and like us:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter

One Response

  1. Ursula Allemann-Pfister

    Liebe Astrid und Michel
    Habe wieder begeistert gelesen…
    Astrid, dein Kuchen à la camping beindruckt mich!!! Weiss nicht ob ich das ohne meine Kenwood schaffen würde…
    Aus dem Lesen eures Berichts und einem Gespräch mit einem Arbeitskollegen, der seine Sommerferien in Island verbringt, ist in mir der Entschluss gewachsen, 2019, wenn ich Dienstjubiläum habe, für min. 6 Wochen über die Färöer nach Island zu fahren. Auch die Färöer stehen schon länger auf meiner to do Liste… Werde das ernsthaft ins Visier nehmen.
    Wir reisen in 2W Richtung Finnland und NordNorwegen ab. Unser Sohn ist am So mit der Fjordline von Hirtshals nach Bergen und bereist wieder einmal Norwegen.
    Ich freue mich so für euch! Geniesst alles soviel ihr könnt!
    Lg, ursula

Hinterlasse einen Kommentar