Ein Stück Heimat in Island

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In freudiger Erwartung kamen wir nun also endlich im Fährhafen von Seydisfjördur an und freuten uns auf den Zollstempel von Island in unserem Pass. So fuhren wir gegen halb 9 Uhr von der Fähre über die Rampe an Land und hatten nun also tatsächlich isländischen Boden unter unseren Reifen. Wir waren das zweite Fahrzeug, dass das Schiff verliess und wurden von den Zollbeamten in gelben Westen einfach höflich begrüsst und durchgelassen. Keine Einfuhrkontrolle, kein Stempel, nichts. Es gab nicht mal irgendwo eine Stelle für die Personenkontrolle, wo wir unseren Stempel nachträglich hätten holen können. Etwas verwundert über die laschen Bedingungen und enttäuscht, ob des fehlendem Stempels, fuhren wir dann zur nahe gelegenen Raststätte und beobachteten, wie die weiteren Fahrzeuge das Schiff verliessen. Wir wollte sehen, ob wir noch Frank und Silvia in ihrem Landrover antreffen. Wir wussten, dass sie das gleiche Ziel wie wir haben werden. Wir wollten nämlich zuerst bei Daniela und Peter vorbei schauen, die seit knapp einem Jahr hier in Island leben. Wir liefen also über den Parkplatz und da waren sie schon mit ihrem Landrover und dem Zahnpasta-grünen Wohnaufbau. Sie erzählten uns, dass sie zuerst noch ein wenig in den Norden fahren wollten und erst morgen dann nach Osten zu Daniela und Peter. Als sie sich verabschiedet hatten, kamen wir mit einem älteren Herrn aus Bern ins Gespräch. Er war mit einem Toyota unterwegs, in dem er neben einer Matratze, einem kleinen Campingkocher und seiner Kleidung auch seine Kameraausrüstung mitführte. Er erzählte uns, dass er schon gut 20 Mal hier in Island war, seit er vorzeitig pensioniert wurde. Er hat früher bei der Skyguide gearbeitet und wurde mit 55 Jahren „in die Freiheit“ entlassen. Nun geniesst er es, mit seiner Kamera Island und andere schöne Orte zu erkunden. Er erzählte uns, dass er immer nach der Ankunft zuerst noch etwas in Seydisfjördur blieb, da sowieso alle Camper jetzt direkt nach Eglistadir fuhren und dort die halbe Stadt füllten. Wir schlossen uns ihm kurzerhand an und fuhren etwas ausserhalb von Seydisfjördur  zu einigen wunderschönen Wasserfällen. Natürlich holten wir uns noch einige Tipps bei ihm, bevor wir uns zu zweit zu den Wasserfällen aufmachten, welche wunderbar eingebettet waren in sanften Hügelzügen, die mich im ersten Moment an die Färöer erinnerten. Natürlich gab es auch hier wieder Schafe. Verfolgen die uns wie vor kurzem die Hasen in der Bretagne?

 

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Später fuhren wir dann wie alle anderen auch nach Eglistadir. Der Weg dorthin führte uns bereits über einen grossen Pass, wo uns das isländische Wetter mit Regen begrüsste und kurz darauf wieder die Sonne lächelte. Dort angekommen brachten wir erst mal unsere Vorräte wieder auf Reise-Level und besorgten uns noch ein paar Infos im Touristenbüro. Dann traffen wir nochmals kurz Peter, den älteren Herrn aus Bern, der uns noch den Tipp gab, den Fjorden entlang nach Osten zu fahren. Der Weg bis nach Djúpivogur dauerte mit unserem Tempo und den vielen Windungen der Fjorde gute 4 Stunden, aber wir genossen die schöne Küstenlandschaft. Auf einer Seite die hohen Berge, auf der anderen das weite Meer. Unterwegs sahen wir viele Schafe, einige Island Pferde und ein einsames Rentier, dass auf einem der wenigen Grasfelder stand und uns nur unbeeindruckt anschaute.

In Djúpivogur fanden wir dann das Haus von Daniela und Peter recht schnell. Die Beschreibung war super einfach, das gelbe Haus konnte man gar nicht verfehlen und den schwarzen Landrover davor mit Basel-Stadt Aufkleber genau so wenig. Kaum waren wir auf den Parkplatz gefahren, wurden wir auch schon freudig von beiden begrüsst, wie alte Freunde. Wir waren etwas überrascht und doch sehr erfreut darüber, wenn man bedenkt, dass wir uns noch nie zuvor gesehnen haben. Wir haben lediglich wenige Mails mit ihnen ausgetauscht und nun waren wir hier und fühlten uns schnell wie Zuhause. Peter hat mir in einem Island-Forum vor ein paar Monaten kurzerhand geschrieben, wir sollen doch auf einen Kaffee vorbei kommen. Gesagt, getan. Nun waren wir hier und die Freude war auf beiden Seiten sehr gross. Sofort machte Peter den Grill heiss und bereitetet feine Lamm-Steaks vor. Wir wärmten uns derzeit in ihrem Wohnzimmer etwas auf. An Gesprächsstoff während dem Essen mangelte es danach absolut nicht. Wir waren alle sehr neugierig auf die Geschichte des Gegenübers. So verging der Abend mit feinem Lammfleisch und leckeren Salaten im Nu. Als dann langsam die Geisterstunde geschlagen hatte, schaltete Peter symbolisch das Licht im Wohnzimmer an. Draussen wurde es langsam etwas „düsterer“, aber es war noch immer hell. Für uns ein völlig neues Gefühl, zeigte die Uhr doch schon nach Mitternacht an. So nahmen viele tolle Gespräche ihren Lauf und kurz vor 3 Uhr losch Peter dann das Licht wieder. Der volle Sonnenaufgang war im Gange. Doch wir sanken erst mal müde in unsere Kissen.

 

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Der nächste Tag begann dann etwas später gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück. Daniela zeigte Astrid, wo sie unsere Wäsche waschen kann und ich machte mich noch daran, die Wasserleitung zu kontrollieren, da es schon seit Tagen irgendwo unregelmässig tropft. Auch die neuen Batterien im Innenraum mussten noch etwas mit kleinen Holzstücken in Position gebracht werden. Der Einbau was so knapp, dass die eine Batterie etwas auf den Hauptschalter gedrückt hat. Bei den noch zu erwartenden Wellblech-Pisten hier in Island waren das also keine gute Voraussetzung. So wurde das also kurzerhand auch noch behoben. Zwischendurch ergaben sich immer wieder anregende Gespräche mit Peter und Daniela, in denen wir sie und sie uns besser kennen lernten. Die beiden haben vor Island in Frenkendorf und Basel gelebt, also quasi einen Katzensprung von uns in der Schweiz. Doch nach einige Ferienreisen in Island beschlossen sie kurzerhand, auszuwandern. Seit einem Jahr leben sie nun hier und lernen fleissig Isländisch, was gar nicht so einfach ist. Für uns klingt es wie kauderwelsch, zusammen gewürfelte Silben, die keinen Sinn ergeben. Daniela ist schon ganz gut darin. Wenn sie mal ein Wort nicht weiss, dann braucht sie einfach das englische, Englisch versteht hier fast jeder. Das letzte Jahr haben sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, Peter in der Fischfabrik und Daniela im Einkaufsladen. Nebenbei verkaufen sie im Touristenbüro im Dorf noch Postkarten, die Daniela selbst aufgenommen hat. Bald haben sie eine Festanstellung in der Schule, wo sie zwei autistische Kinder begleiten. Das war natürlich ein sehr spannendes Thema für Astrid, da sie ja mit Menschen mit einer Beeinträchtigung arbeitet. Und schon war wieder ein Gesprächsthema gefunden, bei dem die Zeit wie im Flug verging.

Wir machten später am Nachmittag einen gemütlichen Spaziergang durchs Dorf und an den Strand, der aus schwarzem Vulkansand bestand. Es war traumhaft dort, leider aber etwas kalt für Astrid.

 

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Als wir zurück waren, gab es feine Spaghetti Bolognese, nach Peters Geheimrezept. Gerade als wir fertig waren mit dem Essen, fuhren Silvia und Frank auf den Parkplatz. Auch sie wurden freudig begrüsst und bekamen dann noch eine Portion Spaghetti. Nach dem Essen verweilten wir bei der Routenplanung für unsere Islanderkundungen, Peter hatte da schon einige Erfahrung und viele Tipps für uns. Die Frauen uns gegenüber tratschten irgend etwas anderes, am Rande bekam ich mit, dass es um verschiedene Todesfälle ging. Frank hatte überhaupt keine Freude an dem Thema, er meinte, jetzt geniessen wir die Ferien und sollten nicht über ein so trauriges Thema sprechen. Die beiden gingen dann auch „früh“ ins Bett, so gegen Mitternacht, während wir zwei mit Daniela und Peter wieder bis nach 3 Uhr plauderten. Wir fühlten uns richtig wohl bei ihnen, als würden wir sie schon seit Jahren kennen und nicht gerade mal zwei Tage. Wie es schien, ging es den Beiden genau wie uns. Ohne genaue Pläne, wann es am nächsten Tag für uns wieder los gehen sollten, gingen wir in Bett.

Der letzte Tag bei Daniela und Peter begann bei uns erst nach 10 Uhr, als Frank und Silvia bereits mit ihnen gefrühstückt hatten und schon auf dem Sprung waren. Wir genossen danach gemütlich das Frühstück, Daniela gesellte sich zu uns und Peter machte es sich auf dem Sofa mit einem Heft bequem. Nach dem Essen gab uns Daniela noch einen Fotoschnellkurs. Sie hat in der Schweiz als Fotografin im Universitätsspital gearbeitet und hat dort medizinische Aufnahmen gemacht. Nun verstanden auch wir unsere Kamera besser. Daniela hat uns viele Dinge sehr anschaulich erklärt.

Später kam dann noch Nadine zu Besuch. Sie 22-Jährige Thurgauerin macht hier Ferien und arbeitet gelegentlich bei verschiedenen Leuten, bis sie dann im Herbst in der Schweiz die Berufsschule beginnt. Zur Zeit arbeitet sie bei zwei älteren Damen im Garten. Und kann im Gegenzug das wunderschöne Island geniessen. Astrid macht mit ihr und Daniela am Nachmittag einen Spaziergang ins Dorf, wo sie die berühmten Eier von Djúpivogur besichtigten. Die übergrossen aus Stein gehauenen Eier stehen symbolisch für jeden einheimischen Vogel hier in der Gegend. Am kleinen Hafen entdeckten sie dann weiter draussen auf dem Meer noch zwei kleine Schweinswale, was Astrid mir später brühwarm unter die Nase rieb. Sie besuchten auch noch Freevilli, ein älterer Mann, der verschiedene Tierknochen sammelt und Souveniers verkauft. Er scheint ein sehr interessanter Mensch zu sein, wie Astrid mir berichtete. Er hatte ihnen verschiedene Skelette von Delfinen, Robben und Rentieren gezeigt und vieles dazu erklärt und erzählt. Ich für meinen Teil blieb mit Peter Zuhause während er an seinem Landrover werkelte. Dieser hat zwar keinen Aufbau wie unser YellowOne, aber trotzdem eine Matratze und Heizung drin. Das Auto haben sie aus der Schweiz und ist hier natürlich super zu gebrauchen. Als die Frauen dann von ihrem Spaziergang zurück waren, machten wir uns bereit für die Abfahrt. Wir wollten heute noch ein Stück in den Süden fahren, Richtung Höfn. Schön, spielt bei dem ewigen Tageslicht „Zeit“ keine Rolle. Als wir auf die Uhr schauten, war es bereits nach 17.00 Uhr. Wir verabschiedeten uns dankend von Daniela und Peter und starteten unseren Motor. Die Zeit bei ihnen haben wir sehr genossen, es war ein toller und gemütlicher Start hier in Island gewesen, und wer weiss, vielleicht sehen wir uns hier oder in der Schweiz bald mal wieder. Wir würden uns sehr darüber freuen.

 

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Dann gaben wir Gas und der Weg führte uns direkt auf die Ringstrasse. Es geht los in unser eigenes Abenteuer auf Island, der Insel aus Feuer uns Eis.

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One Response

  1. Peter&Daniela

    Hæ Hæ, euer Bericht ist so schön…wir haben uns auch so gefreut diese Zeit mit euch zu verbringen. Nun seid ihr ja wieder in Aesch und bereitet eure weitere Reise vor. Wir hoffen euch bald mal wieder in die Arme schliessen zu können!
    Schön gibt es euch! Kisses aus Djúpi, Peter und Daniela

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