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Eis und Regen

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Nach dem gemütlichen Start bei Daniela und Peter führte uns der Weg zuerst Richtung Süden entlang der Ringstrasse. Als erstes fuhren wir nach Höfn mit dem Ziel dem dortigen Bankomaten Bargeld zu entlocken. Doch leider wurde der von uns nicht aufgefunden. Und da wir nicht dringend Bargeld benötigten, da die Isländer sowieso praktisch alles mit Karte bezahlen, ging es unverrichteter Dinge zum ein paar Kilometer entfernten Gletschersee. Der Weg führte uns von der Ringstrasse Richtung Westen, direkt auf den Gletscher zu. Über eine Schotterpiste, vorbei an dampfenden Hotpots, die zum Baden einluden, gelangten wir an das Ende der Strasse beim See. Der Parkplatz wurde durch einen Hügel vom kleinen Gletschersee getrennt, den wir gleich nach unserer Ankunft bestiegen. Daniela hatte uns diesen Platz empfohlen, da dieser noch nicht so Touristen überlaufen ist wie der nicht weit entfernte Jökulsalón. Das Eis schillert nicht nur in weiss und hellblau, sondern ist von schwarzem Sand und Dreck durchzogen, welches mit dem Gletscher mitgewandert ist. Nachdem wir uns eine Weile an diesem Anblick berauscht haben, machten wir es uns mit dem Pinzgauer auf dem Parkplatz gemütlich. Ich kochte uns ein leckeres Fischmenü und dann war es auch schon Zeit, um ins Bett zu gehen.

 

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Am nächsten Morgen standen wir schon früh auf, da wir noch vor dem Frühstück und vor den anderen Touristen die Hotpots geniessen wollten, an denen wir am Tag zuvor vorbei gefahren waren. Also ging es nach dem Anziehen gleich die Strasse zurück mit dem Fahrzeug und dann möglichst schnell in die gut 40°C heissen Pots rein. Kurz darauf fing es etwas an zu regnen, doch das störte uns nicht. Wir genossen das warme Wasser, während die kühlen Tropfen auf unsere Gesichter fielen und ins Wasser platschten. Später kamen dann weitere Touristen dazu, die wir neugierig beobachteten. Besonders das japanische Paar brachte uns zum schmunzeln, da er seine Freundin klischeemässig tausendfach fotografierte mit diversen Kameras. Als dann immer mehr kamen, verliessen wir das warme Wasser und zogen uns in unseren YellowOne zum gemütlichen Frühstück zurück. Nach dem Frühstück fand wie üblich sogleich der Abwasch statt. Plötzlich sah Michel es hinter dem Waschbecken glänzen und sah eine Wasserspur, die nicht zum Abwasch gehörte. Und da stellten wir überrascht fest, dass eines unserer Fenster nicht dicht war und es unablässig in einem Rinnsal hinein läuft. Denn draussen regnete es mittlerweile in Strömen. Michel ergriff natürlich sofort die Initiative und nahm das Fenster ab, um der undichten Stelle auf den Grund zu gehen solange es noch rann. Wasser doch so heimtückisch, dass wenn man es nicht in „flagranti“ erwischt, eine undichte Stelle fast nicht zu lokalisieren ist. Nach längerem inspizieren war der Übeltäter augenscheinlich gefunden. Bei der Montage des Aussenfensters im vergangenen Sommer wurde wohl etwas nachlässig gearbeitet und eine Dichtung lag nicht sauber auf. Reparieren konnten wir die vermutlich defekte Stelle hier im Nirgendwo auch nicht, deshalb klebten wir es einfach von Aussen mit  entsprechenden Klebeband ab, in der Hoffnung die gefundene Stelle sei wirklich auch für das ganze Desaster verantwortlich. Auch der Regen hatte mittlerweile aufgehört. War nun dies der Grund, dass es trocken blieb oder doch das Klebeband? Wir wissen es nicht.

Später fuhren wir dann weiter zum Jökulsarlón. Durch die ganze Fensteraufregung waren wir jetzt natürlich genau gleichzeitig wie all die anderen Touristen unterwegs. Doch das Glück hat uns nicht ganz verlassen, wir fanden schnell einen Parkplatz zwischen den vielen Mietautos und machten dann einen Spaziergang dem Gletschersee entlang, bis wir die vielen Leute hinter uns gelassen haben. Beim Schlendern bestaunten wir die riesigen Eisbrocken, die langsam durch die Strömung ins Meer trieben und entdeckten dazwischen sogar noch einen Seehund, der immer wieder ins eisige Wasser abtauchte. Neben dem Seehund sahen wir auch viele Enten mit ihren kleinen Küken und andere Vögel, die sich hier eingenistet hatten. Eine der Ente hatte ihr Nest genau neben dem Weg und als sie kurz ins Wasser ging, konnten wir sogar einen Blick auf ihre Eier werfen. Neben der Tierwelt hier beobachteten wir auch die andere Touristen und schüttelten ab einigen peinlich berührt den Kopf. Auch die kurzen Ausfahrten, die hier mit einem Boot gemacht werden können, um etwas in den Eisbergen herum zu kurven, brachten uns zum Kopfschütteln. Sind die Boote doch alle wie ein Viehtransporter völlig überfüllt und der Preis für die gebotenen 15 min ist auch fast barbarisch und grenzt an Raubrittertum. Da genossen wir doch lieber das Naturschauspiel von Weitem in aller Ruhe.

 

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Von hier aus fuhren wir dann noch gut eine Stunde weiter der Ringstrasse entlang, um dann irgendwann in einer kleine Nebenstrasse in den Hügeln uns für die Nacht einzurichten. Von hier aus konnten wir wieder einen Gletscherausläufer erkennen, denn ich später nach dem Abendessen in einem Spaziergang noch von Nahem ansah. Der Weg dorthin war wirklich schön, breit und umgeben von grünem Moos und gelegentlich von diesen kleinen violetten Blumen bewachsen. Auch hier am kleinen Gletschersee, der im Vergleich zum Jökulsarlón winzig war, sind die Eisbrocken von grauer und schwarzer Asche und Sand durchzogen. Als es dann etwas kühler wurde weil die Sonne hinter dem Berg verschwand, machten wir es uns im Auto gemütlich und verbrachten die Zeit vor dem Schlafen gehen mit lesen und schreiben.

 

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Am nächsten Morgen führte uns der Weg nach dem Frühstück nach Vik, wo wir eine Autowerkstatt besuchten. Wir wollten das undichte Fenster mit Kit von aussen abdichten. Leider hatte diese Werkstatt gerade keinen Kit mehr und die Werkstatt nebenan führte zwar ein ähnliches Produkt, aber das war leider nicht ganz das Richtige und Michel lehnte freundlich ab. So fuhren wir weiter und machten später auf einem riesigen Parkplatz halt. Viele Touristen gingen dort zu Fuss Richtung Meer und wir wollten wissen, was es dort zu sehen gibt. Wir vermuteten zwar schon, dass es das berühmte Flugzeug von Vik war, aber sicher waren wir nicht. Nachdem wir gut 45 Minuten gelaufen waren, sahen wir es dann wirklich. Das Flugzeug lag da von Touristen umgeben im Sand, heruntergekommen und mit vielen nicht mehr vorhandenen Teilen fristete es hier sein elendiges Dasein. Als dann gerade eine kurze Zeit lang fast keine Touristen mehr da waren, konnte Michel dann doch noch ein Foto mache. Wir waren erstaunt, dass es überhaupt nicht abgesperrt war, jeder konnte einfach hinein gehen oder darauf steigen, was natürlich viele Touristen auch machten. Bei uns wäre so etwas nicht möglich. Als dann der nächste Touristenstrom sich näherte, liefen wir zurück zum Auto. Danach fuhren wir nach Hella, wo wir die Nacht auf dem dortigen Campingplatz verbrachten.

 

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Hier auf dem Campingplatz hatten wir frisches Wasser und auch Zugriff auf die digitale Welt, welche wir am nächsten Morgen nutzten, um unsere Rechnungen zu zahlen. Nach dem Frühstück ging es dann auf die Suche nach dem Baumarkt, welcher uns empfohlen wurden. Dafür mussten wir leider nochmals ein Stück zurück ins vorherige Dorf fahren. Dort konnten wir dann im Húsamidjan den vermutlich passenden Kit und eine Kit-Pistole kaufen. Auch wollten wir noch auf der Bank Geld abholen, was sich als sehr mühsam heraus stellte, da Michels Visa-Karte aus einer dummen Fehlfunktion heraus gesperrt wurde. Nach einigen Telefonaten hoben wir dann halt mit meiner Visa Karte Geld von unserem Reisekonto ab.

Dann fuhren wir wieder nach Hella und gingen dort erst einmal für den Abend einkaufen. Wir schauten auch noch kurz den Wetterbericht für die kommenden Tage an, da wir doch bald ins Hochland wollten. Doch die nächsten Tage soll das Wetter nicht ganz so toll werden. Unser Plan ins Hochland zu fahren, musste also noch voraussichtlich um einen Tag verschoben werden. Deshalb, und auch wegen dem Fenster, fuhren wir nochmals auf den Campingplatz in Hella, wo wir gleich als erstes das undichte Fenster mit dem neu erworbenen Kit abdichteten. Da wir keine Leiter hatten, missbrauchten wir einfach einen der Picknicktische auf dem Campingplatz, um von aussen an das Fenster heran zu kommen. Die Abdichtung war dann auch relativ schnell erledigt und wir konnten uns der Recherche über die Hochlandpiste widmen, da wir nicht unvorbereitet dort hinauf fahren wollten. Kann es doch und genau trotz dem vielen Nichts schnell sehr gefährlich werden bei schlechtem Wetter.  So kam der Abend dann bald und nach dem späten Abendessen ging es auch schon mit einem beruhigenden Gefühl, gut vorbereitet zu sein und nun hoffentlich auch mit einem dichten Fenster in Bett. Der nächste Tag kann also kommen.

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