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Viel „Nichts“

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Der Tag unserer ersten Hochlandpiste ist nun endlich gekommen 😀 Wir sind früh aufgestanden und machten uns dann nach unserem morgendlichen Ritual mit Frühstück und Aufräumen auf den Weg. Unser erstes Ziel war die Nýidalur Hütte auf der F26. Der Weg führte stetig in leichtem Anstieg nach Norden, zuerst durch weite Ebenen mit Moos, später dann über eine endlos erscheinende Kieswüste. Wohin man schaute, überall war nur Stein. Doch als wir dann auf einer Hochebene am See Pórisvatn ausstiegen um einige Fotos zu knipsen, stellten wir fest, dass der Boden unter diesen Steine ganz weich war, wie Sand. So musste sich wohl der erste Mensch auf dem Mond gefühlt haben. Unsere Fussabdrücke waren klar und scharfkantig im weichen Steinsand. Wir waren schier überwältigt von dieser endlosen Weite und dem vielen „Nichts“, dem wir hier oben begegneten. Später dann kamen wir an unsere erste Furt. Das Wasser sah nicht sehr tief aus, dennoch schauten wir beide gespannt aus dem Seitenfenster, als Michel hindurch fuhr. Doch das Wasser kam nicht mal über die Flanken der Reifen. Fast etwas enttäuscht ging es weiter auf der Strecke. Auch die nächsten Furten, die wir passierten, waren für uns eher „Schwachstrom“ und nach allem was wir über diese Route und deren Furten gelesen hatten, waren wir fast schon ein wenig enttäuscht. Es hat wohl wirklich wenig Wasser im Hochland in Moment. Für uns waren die kleinen Furten kein Problem, können wir mit dem Pinzgauer doch durch Wasser watten mit etwas über 70cm Tiefe. Für die beiden Motorradfahrer, denen wir unterwegs begegneten, stellten die Furten schon ein grösseres Risiko dar. Doch nachdem wir mutig voraus gefahren sind, wagten auch sie sich problemlos durch die Furt mit einen breiten Wasserlauf.

 

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Am Nachmittag kamen wir dann an der Nýidalur Hütte an und machten zuerst einmal eine Pause. Während ich die nächste Furt beobachtete, die unweit von der Hütte entfernt war, plauderte Michel mit einem Angestellten der Iceland SAR bzw. dem Rettungsfahrdienst. Hier oben befindet sich eine von drei fixen Stationen durch den Sommer, welche 24h besetzt ist. Ausgelassen spassten die Retter vor ihren Containern oder spielten mit Drohnen in der grossen weiten Natur. Dabei hatten Sie jedoch immer ein wachsames Auge auf die Furt direkt nach der Hütte, welche doch etwas launisch und heimtückisch ist. Immer wieder fuhren Autos durch die Furt, die zwar nicht allzu tief, aber tückisch war mit ihren Senkungen und Steigungen im Wasser. Die Leute vom Rettungsfahrdienst mussten ab und an mit ihren Super Jeeps oder dem Lastwagen kurz runter fahren, um die Leute auf die tückische Stelle aufmerksam zu machen oder behilflich zu sein. Nach einigen Überlegungen entschieden wir uns, hier zu übernachten und am nächsten Morgen dann weiter zu fahren. Der Abend verging dann auch schnell, Michel nutzte die Zeit und machte vor dem Abendessen noch einige kleinere Wartungsarbeiten am Pinzgauer. Nach dem Essen ging es auch schon bald ins Bett um wach und fit zu sein für den nächsten Tag.

 

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Dieser begann für uns recht früh. Nach unserer Morgenroutine ging es dann zur ersten Furt kurz nach der Hütte. Da wir schon einige Autos am Vortag beobachtet hatten, stellte diese für uns keine grosse Schwierigkeiten dar. Mit knapp 30cm Wasser war sie am Morgen auch nicht tief und somit überstand unser YellowOne auch die tückische Stelle problemlos.

Kurz darauf bogen wir dann von der F26 auf die F910 ab, die Richtung Askja führt. Die F910 hatte erst seit zwei Tagen offen und es hiess, es hätte an gewissen Stellen noch Schnee. Wir waren also gespannt, was uns da erwartete. Hier waren wir dann ganz alleine unterwegs.

Der Weg führte dann bald von der Kieswüste in ein riesiges Lavafeld, wo wir umgeben waren von skurillen Steinformationen. Von kleinen bis gigantische Gebilde begegneten wir allen erdenklichen Formen, während sich der Weg in gefühlten tausend Kurven durch das Lavafeld hindurch schlängelte. Oft lagen grosse Steinbrocken auf dem Weg, die kurvenreich umgangen werden mussten. Michel kurbelte hektisch am Lenkrad, wobei ein leichtes Lächelns seinen Mund umspielte. Immer wieder fasste er zum Radio hinauf, um dort mit einem Klicken die lose Abdeckung wieder anzudrücken, was mich jeweils zum Schmunzeln brachte. Man könnte das doch so einfach mit etwas Klebstoff beheben 🙂

 

Kilometerweit nur bizarre Formen aus Lavagestein. Zum Teil flache Platten, die sich im Lavastrom übereinander geschoben haben. Damals heiss und gefährlich geschmolzener Stein und heute vom Wind und Regen geglättet. Einfach Nichts. Endloses Nichts. Kein bisschen Grün, nichts direkt sichtbares Lebendiges gab es hier. Wir fühlten uns wortwörtlich wie auf dem Mond und doch war diese Umgebung extrem faszinierend für uns. Wir waren erschlagen von diesem vielen Nichts, welches uns umgab. Mit knapp einer Geschwindigkeit von etwa 8 km/h wurden wir Teil dieser atemberaubender Landschaft. Wir fühlten uns wie die einzigen Menschen in dieser Einöde von Gestein. Den ganzen Tag über begegneten wir dann abgesehen vom Rettungsfahrzeug, welches zur Überwachung der Strecke und wohl auch ein bisschen zur Unterhaltung der Retter, die Strecke abfuhr, keinem anderen rollenden Untersatz. Drei Wanderer waren die einzigen Zeugen von Zivilisation auf diesem Planeten in unseren ersten 6 ½ Stunden auf dieser Piste.

Später führte uns der Weg kurzzeitig aus dem Lavafeld heraus und wir passierten eine kleine und traumhaft schöne Furt, umgeben von saftigem grünem Moos. Für unsere Augen, die Stundenlang nur Grau und Schwarz gesehen hatten, war dies der reinste Orgasmus. Die Furt war nicht sehr tief, doch sie hatte einen steilen Abgang mit mehreren Löchern, wodurch beim Fahren jeweils ein Rad in der Luft hing. Doch unser YellowOne machte dies mit links und diese Augenweide an Farbe war bald wieder weit hinter uns.

 

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Zeitweise führte der Weg uns wieder über Kies und Sandflächen wie in einer mini Sahara. An einer Stelle ging es recht steil herauf und da es zwischendurch wohl etwas gewindet hatte, türmte sich hier der Sand mit einer Verwehung auf der Strasse schräg auf. Endlich dufte Michel mal alle Zauberhebel im Fahrzeug betätigen. Untersetzung und Sperren rein und der Pinzgauer bewegte sich unaufhörlich auf die Verwehung zu. Doch diese war doch schon recht gross. Und so brauchten wir trotz allen Wunderwerken der Technik mehrere Anläufe um hinauf zu kommen. Bei jedem neuen Versuch wurde mir etwas mulmiger dabei. Schliesslich schafften wir es dann doch und es machte sich Erleichterung breit.

Der Weg hielt dann auch irgendwann doch noch etwas Schnee für uns bereit, gute 10 Meter. Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen, da wir von der Umgebung nach wie vor völlig berauscht waren. Auch durchfuhren wir noch weitere kleinere Furten, wobei die Tiefste etwa 40cm Wasser führte und für uns auch kein Problem darstellte.

 

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Die Nacht verbrachten wir dann auf dem ersten und einzigen offiziellen Parkplatz direkt neben einem Lavafeld. Dort begegneten wir nochmals dem Rettungsfahrzeug, dass uns offiziell den Segen für die Nacht hier gab und sich über unsere Fahrt erkundigte. Nach einem kurzen Gespräch zogen sie weiter. Wir schauten ihnen nur staunend hinterher, mit welcher Leichtigkeit ihr Super Jeep die Piste meisterte. Mit diesen riesigen Rädern und Federungen kämen wir auch um einiges schneller voran. Doch wir mögen es, langsam unterwegs zu sein. So haben wir Zeit, die Landschaft in vollen Zügen zu geniessen und zu bestaunen. Sind wir doch auf Reisen und nicht auf der Flucht.

Später bewies ich, dass auch auf dem Mond Brot gebacken werden kann und nach dem Essen ging es auch bald ins Bett. Der Tag war lang gewesen, waren wir doch fast 7 Stunden durch diese Einöde aus Stein gefahren. Und auch wenn es hier praktisch nichts gibt was lebt, war dieses „Nichts“ doch unglaublich beeindruckend. Wir sind gespannt, wohin uns der Weg am nächsten Tag führen wird.

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