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Die Geister Islands

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In Akureyri angekommen, mussten wir zuerst wieder einmal unseren Tank füllen. Die letzen Kilometer durch das Hochland haben ihren Tribut gefordert. Selten haben wir so wenig Kilometer mit so viel benötigtem Benzin zurück gelegt. Jetzt erreichten wir Akureyri gerade noch so mit der Reserve, welche wir immer im Kanister mitführen. Ich war schon ein wenig zittrig, ob es noch reichen wird bis dort. Wir wollten jedoch unbedingt an der Orkan X Tankstelle unserer Vorräte nachfüllen, da diese doch bei weitem die günstigste hier in Island ist. Für etwas haben wir ja schliesslich so grosse Tanks und Reserve. 🙂

So fuhren wir also nun in die zweitgrösste Stadt Islands hinein. Wobei gross hier relativ ist. Bei uns in der Schweiz wäre es nicht wirklich gross. Ein grosses Dorf vielleicht, aber bestimmt keine Stadt. Doch in Island hat eben alles andere Dimensionen. Es war kurz nach 23 Uhr als wir mit dem Tanken fertig waren und unsere Freunde suchen gingen. Diese sind auf einer Island Rundreise und nun ebenfalls in dieser „Stadt“. Wir fuhren also durch die Strassen und plötzlich liefen sie uns winkend entgegen. Unsere Freunde das sind Melanie und Sybille, welche zusammen für 10 Tage mit Claudia und Yannick, einer Arbeitskollegin und dessen Sohn, hier in Island in den Ferien weilen. Sie haben sich ein Mietauto genommen und fahren nun der Ringstrasse entlang mit gelegentlichen Abstechern zu diversen Sehenswürdigkeiten. Hier in Akureyri verbleiben sie zwei Tage, so können sie zwischendurch mal etwas Durchatmen und gemütlich die Stadt ansehen. Nun aber geht es erst einmal mit uns in eine Bar, wo wir uns ausnahmsweise mal ausserhalb der HappyHour ein teures Bier gönnen.

 

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Wir haben viel zu erzählen von den letzen Tagen. Sofort wollen wir die neusten Neuigkeiten aus der Schweiz wissen, hat sich da etwas verändert, seit wir weg sind? Natürlich nicht, auch in der Schweiz drehte sich die Welt wie gewohnt weiter und schlechte News wollen wir sowieso nicht hören. Wir genossen den Abend in der Bar, bis diese gegen 2 Uhr morgens schloss und nun das Treffen in Ihrer Unterkunft fortgesetzt wird. So luden wir die beiden in unseren Pinzgauer und fuhren zu ihrer Wohnung und machten es uns im Wohnzimmer gemütlich. Sie hatten eine kleine 3-Zimmerwohnung über Airbnb gemietet. Claudia und Yannick schliefen schon. Leise plauderten wir noch eine ganze Weile weiter, bis wir dann langsam Zeit wurde für ins Bett. Da Sybille etwas über die harte Matratze des ausziehbaren Sofa klagte und ich sowieso mich mal wieder richtig ausstrecken wollte, haben wir kurzerhand unsere Betten getauscht. Doch zuerst gingen Michel und Sybille noch etwas spazieren. Sie wollten den Sonnenaufgang beobachten. Michel erzählte mir später, dass es ein ganz komisches Gefühl war. Kein einziges Auto war noch unterwegs. Klar, es war ja auch mitten in der Nacht. Doch hatten sie völlige Helligkeit und bald auch Sonne. Irgendwie fühlte sich die ganze Situation an als wären sie die einzigen Überlebende nach einer Epidemie ohne weiterer Humanoides dasein auf dem Planeten.

Während die beiden also noch unterwegs waren und die einsame Nacht genossen, machten Melanie und ich es uns auf dem harten Sofa bequem und quatschten noch eine ganze Weile über unsere Freunde, den Verein und viele andere Dinge, bis uns die Augen zu fielen und wir einschliefen.

Am nächsten Morgen genoss ich wieder einmal eine heisse Dusche und später assen wir dann zusammen Frühstück und schmiedeten den Schlachtplan für den Tag. Melanie wollte am späteren Nachmittag mit Claudia Pferdereiten gehen und Yannick mit Sybille ins Flugzeugmuseum am kleinen Flughafen. Wir hatten für den heutigen Tag Auto waschen und Innenraum putzen geplant, zudem wollten wir die Bremsschläuche wechseln lassen. Denn unsere Bremsen ziehen seit Beginn unserer Reise nach Links, obwohl wir sie mehrfach neu eingestellt haben und in der Schweiz sogar noch neue Trommeln und Beläge montiert hatten. So vermutete Michel also nun, dass es eventuell die Schläuche sein könnten, die Ärger machten.

Unsere Wege trennten sich nun also vorübergehend und wir fuhren mit dem Pinzgauer zur Autogarage, die uns Peter per Whatsapp empfohlen hatte. Unterwegs jedoch stellten wir mit erstaunen plötzlich fest, dass unser YellowOne gerade bremst. Es zogen keine fremden Mächte mehr das Fahrzeug nach links, sondern es bremste perfekt. Kaum zu glauben. Auch mehrmaliges Wiederholen brachte das gleiche Ergebnis. Beim weiteren Temperaturtest mit der Hand spürten wir auch physisch dasselbe Ergebnis. Weiterhin ungläubig wollte Michel auf einen Bremsenprüfstand. So fuhren wir zur nächst grösseren Garage – einer Toyota-Vertretung. Diese hatten jedoch gerade keine Zeit und schickten uns dann weiter, zu einer vermeindlich anderen Werkstätte. Dort angekommen ging Michel hinein und kam mit einem Grinsen heraus. Er wurde nach dem Kennzeichen gefragt. Doch als seine Auskunft war, dass wir nicht über ein isländisches Kennzeichen verfügten flog erst auf, wo wir gelandet waren. Wilkommen bei der isländischen Motorfahrzeug-Kontrolle. Doch einen Bremsenprüfstand besassen sie wirklich und uns wurde trotz allem sehr freundlich kurz geholfen. Spur 2 sollten wir benutzen und so konnten wir dort unsere Bremsen testen lassen. „You have very good Brakes“ war die lachende Auskunft des Prüfers nach dem Test. Bis fast zur vollen Bremsung keine Abweichung und danach nur gering andere Werte. Erstaunt scherzten wir über den Geist, welcher das wohl bewirkt hatte. Der Mann von der Prüfstelle lächelte nur bescheiden und meinte, dass wäre ein guter isländischer Geist.

So fuhren wir erleichtert, aber auch etwas verwirrt über den unerwarteten guten Zustand unserer Bremsen zur nächsten Tankstelle, wo wir unser Fahrzeug gründlich reinigten. Zuerst aussen alles abspritzen und dann geht es an den Innenraum. Dort fanden wir an diversen Stellen noch schwarzen Lavasand von der Hochlandpiste bei Askja. Also alles einmal abstauben, saugen, Kühlschrank putzen und den Boden feucht aufnehmen. Schliesslich ist das ja unser rollendes Zuhause und auch hier mögen wir es sauber, so gut es halt geht. Michel widmete sich dem Fahrerhaus, Sitze raus, Öl nachfüllen, Staubsaugen und diverse Kontrollen. Dann ging es rauf aufs Dach, dort hatte sich ein Astschutz der Solaranlage gelöst. Diesen konnten wir gleich mit dem vor kurzem erworbenen Kit wieder anbringen. Wenn man länger unterwegs ist, muss man eben auch mal etwas Zeit in die Haushaltung investieren. Insgesamt waren wir über 3 Stunden beschäftigt, bis alles wieder sauber war und wir somit ready für die nächsten Wochen.

 

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Danach gönnten wir uns einen gemütlichen Bummel im Einkaufszentrum und fuhren später zurück zur Unterkunft unserer Freunde. Diese waren von ihren Ausflügen schon zurück und machten sich langsam bereit für das Abendessen. Sie wollten auswärts gehen und wir schlossen uns kurzerhand an. So schlenderten wir mit ihnen zum nächsten Burger Restaurant, wo wir uns dann riesige Burger bestellten, die vorzüglich schmeckten. Nach dem Essen spazierten wir dann gemütlich mit Melanie noch durch die Gassen von Akureyri und besuchten einige Touristenshops. Die anderen waren schon voraus zur Unterkunft gegangen. Auf dem Rückweg plauderten wir noch lange. Während Melanie und Claudia dann in der Unterkunft schon ins Bett gingen, spielten wir noch lange mit Yannick und Sybille das Kartenspiel „UNO“. Irgendwann wurde es aber auch für Yannick Zeit und so blieben nur noch Sybille und wir unter den wachen Menschen dieser Erde. Es folgte noch ein längeres, angeregtes Gespräch, bis es irgendwann auch für uns hiess „ ab ins Bett.“

Am Morgen nahte dann der Abschied. Michel nutzte gleich noch das Internet um letzte Details mit den Mitarbeitern von Samskip zu klären. Diese betreiben die Fähre auf die Insel Grimsey, welche unser nächstes Ziel war. Ja, wir wollen mit unserem Fahrzeug auf die kleine Insel am Polarkreis. Natürlich nicht, weil dort viele Strassen wären. Sondern wir wollen das Naturparadies dort sehen, uns unser YellowOne soll einmal mehr die Aufgabe als rollendes Heim übernehmen.

Nach dem letzen Mail an die Fährgesellschaft verabschiedeten wir uns mit Glückwünschen und Umarmungen von den anderen. Sie hatten an diesem Tag noch gute 200 km Fahrt vor sich, bis sie bei ihrer nächsten Unterkunft ankommen. Uns jedoch führte der Weg zuerst in den nächsten Supermarkt, wo wir unsere Vorräte für die kommenden Tage wieder auffüllen wollten. Danach fuhren wir wieder auf den Parkplatz vor der Unterkunft, denn wir wollten nochmals etwas in Akureyri unsere Kreise ziehen und die Stadt in Ruhe besichtigen.

Zwei Stunden später fuhren wir dann mit dem Pinzgauer nach Dalvik, wo wir kurz den Hafen aufsuchten, um die Situation für den nächsten Morgen zu rekognoszieren, bevor wir auf den örtlichen Campingplatz gingen. Nach dem Essen machte Michel noch kurz die Buchhaltung und dann ging es schon bald ins Bett. Morgen um 8 Uhr heisst es bereit sein für Grimsey. Denn dann müssen wir im Büro die Tickets holen und auf die „Fähre“. Hoffentlich passen wir darauf.

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