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Heute begann unser Tag schon um 6 Uhr mit unserem gewohnten Morgenritual. Nach selbigem machten wir uns auf den Weg in das Büro der Fährgesellschaft im Hafen von Dalvik, um unsere Tickets noch abzuholen. Denn wir wollten mit unserem YellowOne nach Grimsey. Einer kleinen Insel im Norden von Island am Polarkreis. Nachdem wir unsere Tickets abgeholt hatten, hiess es auch schon, rauf auf die Fähre mit dem Pinzgauer. Wir waren beide sehr aufgeregt, ob alles glatt geht und passt. Die Fähre ist doch wirklich klein und fasst gerade mal zwei Fahrzeuge. Der erste Satz des Einweisers auf der Fähre war dann auch „Your sure?“. Man könnte es jetzt natürlich auch als etwas sinnfrei beschreiben, mit dem Pinzgauer auf die kleine Insel am Polarkreis zu fahren, ist doch die einzige Strasse der Insel gerade mal 3 km lang. Doch wir wollen unseren Liebling hauptsächlich als Unterkunft für die nächsten Tage auf dem dortigen „Camping“ nutzen.

 

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Pünktlich um 9 Uhr legte die kleine Fähre ab und fuhr durch den Fjord auf das offene Meer hinaus. Neben unserem YellowOne stand nur noch der PKW von einem der Mitarbeiter auf der Fähre. Dieser wohnt wohl in Grimsey und will sein Fahrzeug für die freien Tage mitnehmen. Natürlich wurde unser mobiles Heim auch hier von anderen Touristen auf der Fähre mehrfach bestaunt und fotografiert. Es ist ja nicht alltäglich, dass so was nach Grimsey fährt. Wir beobachteten die anderen aus dem Windschatten hinter dem Ruderhaus und amüsierten uns an deren Blicken. In der Ferne sahen wir auch noch ein Speedboot auf der Suche nach Walen. Als es uns dann auf dem offenen Meer zu kühl wurde, verzogen wir uns in den kleinen Passagier-Raum unter Deck und machten es uns dort für den Rest der Fahrt im Warmen gemütlich.

Gegen 12 Uhr legte die Fähre im Hafen von Grimsey an und wir fuhren unseren Pinzgauer an Land. Verwundert über die vielen anderen Autos und sogar einen Bus, begaben wir uns zuerst einmal in den örtlichen Lebensmittelladen. Wir traten in einen grossen Raum, an dessen Wände entlang Regale aufgebaut waren. Daneben standen zwei Tiefkühler. Alles war doch recht spärlich mit Lebensmitteln bestückt. Aber alles Wichtige war hier zu haben. Selbst eine einzelne Kiwi im Regal und wenige Tomaten waren noch zu finden. Was uns jedoch am Meisten wunderte, waren die vier Einkaufswagen in der Mitte des Raumes. Wer die wohl braucht bei dem kleinen Laden?

An der Kasse fragten wir nach dem Campingplatz und die junge Dame wies uns den Weg zum Touristenshop am Hafen. Also wechselten wir rasch das Gebäude und tatsächlich konnten wir dann im Shop und Galerie, welche hauptsächlich lokale Souvenirs verkaufte, den Campingplatz bezahlen. Nach unserer Frage, wo wir denn diesen Platz genau finden, wurde uns die Wiese neben dem Schulgebäude gezeigt. Campingplatz ist hier doch etwas übertrieben, schienen die Kinder hier auf der Wiese ebenso zu Spiele wie anderswo auch. Hinter dem Schulgebäude war noch ein kleines Toilettenhäuschen für die Besucher des „Campings“. Dort angekommen mussten wir uns erst einen Platz erkämpfen unter den vielen anderen Campern 😉 Nun gut, in Wirklichkeit waren wir wohl die einzigen Verrückten, die hier zwei Tage verbringen wollten.

 

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Nach Erledigung aller wichtigen Dinge, fuhren wir zuerst die Strasse nach Osten zum Leuchtturm. Auf dem Weg dort hin sahen wir nun erstmals die viel beschriebenen Vogelschwärme. So viele Vögel hatten wir noch nie auf einem Fleck gesehen. Astrid meinte, es wäre wie im Film „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock. Beim Leuchtturm zogen wir uns warm an, denn es ging ein kühler Wind. Wir kletterten etwas auf den Felsen am Meer und beobachteten unsere ersten Papageientaucher, von denen es hier massenhaft in den Felsnischen gibt. Wir näherten uns ihnen bis auf wenige Meter, wobei wir stets aufmerksam von ihnen beobachtet wurden, bis sie dann einen Satz machten und davon flogen. Auf den vielen Fotos, die wir zuvor von diesen Vögeln gesehen hatten, erschienen sie viel grösser als sie in Wirklichkeit sind. Mit zirka 20 cm ein relativ kleiner Vogel, mit einem Kopf der wie ein Papagei aussieht. Doch Astrid findet immer noch, dass sie eher einem Pinguin ähnlich sehen als einem Papagei.

 

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Nachdem wir uns an diesen Vögeln satt gesehen hatten, fuhren wir nach Westen auf die andere Seite der Insel. Sprich etwa 2 km auf der örtlichen Strasse. Vorbei an der Tankstelle, am Lebensmittelladen und dem Schwimmbad zum kleinen Flughafen. Nachdem wir das winzige Flugzeug begutachtet hatten, welches dort stand, spazierten wir noch etwas der Küste entlang an den wunderschönen Klippen. Auch hier sahen wir nebst den Papageientauchern auch sehr viele Kryas. Diese können doch sehr angrifflustig sein, wenn man ihren Nestern in der Graswiese zu nahe kommt. Zuvor passierten wir jedoch noch den Polarkreis, der mit einer Treppe und Wegweisern zu bekannten Städte wie Moskau, New York, etc. gekennzeichnet ist.

 

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Nach diesem kleinen Spaziergang fuhren wir zurück auf den Campingplatz und machten es uns dort gemütlich. Astrid zauberte uns wieder einen leckeren Kuchen zum Dessert, während wir der Fähre beim Auslaufen zuschauten.

 

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Der nächste Morgen begann für uns gemütlich mit ausschlafen und ausgiebig Frühstücken. Nachdem wir alles aufgeräumt hatten, zogen wir unsere Regenkleidung an, denn wir wollten einmal um die Insel wandern. Der Weg führte uns zuerst zu Fuss zum Leuchtturm, wobei Astrid schon fast Panik bekam von den Kryas, die wie wild über unseren Köpfen kreisten und uns anschrieen. Ihre Nester liegen wirklich direkt neben der Strasse im Gras. Beim Leuchtturm beobachteten wir gerade einen Einheimischen beim Jagen. „Peng“ und der Papageientaucher auf den Felsen fällt um. Doch leider nicht so wie gewünscht und so musste der gefallene Vogel aufwendig zwischen den Felsen gesucht werden. Zwei weitere Einheimische oben am Weg erklärte uns, dass sie die Brust des Papageientauchers als Apéro geniessen wollen heute Abend. Die wäre zwar nur etwa fünf Zentimeter gross, doch ihr dunkelrotes bis fast schwarzes Fleisch sei eine richtige Delikatesse. Als sein Kollege dann den Vogel gefunden hatte, durften wir ihn auch mal ganz aus der Nähe ansehen und  anfassen. Denn jetzt flog er mal nicht weg J Sein Federkleid war samtig weich. Von Nahem sah der Vogel wirklich sehr klein aus im Vergleich zu all den Fotos in den Prospekten. Wir verabschiedeten uns und gingen weiter. Der Weg führte ins Grüne, den nördlichen Klippen entlang, wo sich tausender Papageientaucher tummelten. Bald gab es keinen richtigen Weg mehr, sondern vielmehr einen Trampelpfad, der wahrscheinlich mehr von den Schafen stammte als von Wanderern. Das Gras stand uns kniehoch und es begann zu regnen. Doch trotz des Regens, den mittlerweile nassen Kleidern und Schuhen war es schön den Klippen entlang zu gehen.

Nach 1 ½ Stunden machten wir uns dann auf direktem Weg auf zum Schwimmbad. Diese wollten wir hier besuchen, da es heute gerade einmal offen hatte. Ist doch das Bad nur zweimal in der Woche offen. Dort angekommen waren wir durchgefroren und erstaunt wie Gross so eine kleine Insel doch zu Fuss im hohen Gras sein kann. Denn wir hatten bis zum Besuch im Schwimmbad erst knapp die Hälfte der Insel umwandert. Im Schwimmbad setzten wir uns nach einigen Zügen im grossen Becken in den Hotpot. Kurze Zeit später gesellten sich dann Uwe und Anke dazu. Ein deutsches Paar, das mit dem Segelboot von Deutschland her unterwegs ist, und jetzt ein paar Tage in Grimsey ankern. Wir plauderten lange miteinander und erzählten uns gegenseitig von unseren Reisen. Als es dann Zeit wurde, das Schwimmbad zu verlassen, verabschiedeten wir uns mit vielen Glückwünschen von ihnen und schlenderten frisch geduscht und bis in den Kern durchgewärmt zurück zu unserem Pinzgauer. Dort bereiteten wir alles für unser geplantes Raclette mit Tischgrill vor und liessen es uns richtig gut gehen, bis es uns dann spät abends ins Bett zog.

 

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Der letzte Tag auf Grimsey war angebrochen, um 16 Uhr geht die Fähre zurück nach Dalvik. Es regnete und so genossen wir den Morgen im warmen Pinzgauer und liessen uns Zeit bei unserer Morgenroutine. Am frühen Nachmittag spazierten wir dann in Regenkleidung noch zur kleinen Kirche, die mit einer holzigen Doppeltüre vor Stürmen gesichert ist. Der kleine Raum war mit schönen rot gepolsterten Holzbänken bestückt, die einen tollen Kontrast zur hellblauen Decke boten. Wir stiegen noch die enge Treppe hinauf in den Turm, wo zwei kleine Glocken hingen, die noch immer per Hand in Gang gesetzt werden müssen.

 

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Nach diesem kleinen Ausflug hiess es für uns schon bald Abschied nehmen von der kleinen Insel am nördlichen Polarkreis. Mit dem YellowOne ging es wieder auf die Fähre, die im Hafen bereits auf uns wartete. Die Flut war da und die wellen nicht wenig. So war die Auffahrt auf die Fähre doch noch recht knifflig. War die Rampe doch zu wenig weit unten für den Kai bei Flut und die Wellen machten es auch nicht einfacher. So mussten wir abwarten bis die Welle vorbei war und das Schiff kurzftistig bis zur nächsten Welle senkte und dann „ Hopp „ drauf fahren. Steil aber für den Pinzgauer kein Problem =) Auf der Fähre machten wir es uns im Schiffsbauch gemütlich und fragten uns schon, weshalb gewisse andere Passagiere für die nur 3-stündige Überfahrt ein Kajüttenbett gemietet haben. Später ging dann noch die junge Frau von der Schiffcrew umher und verteilte kleine weisse Säcke. Es war sehr stürmisch an diesem Tag und auf dem offenen Meer hatte es grosse Wellen. Diese machten sich schon kurz nach dem Hinausfahren deutlich bemerkbar. Der starke Wellengang und das Rollen des Schiffes hielt die ganze Fahrt über an und die junge Frau musste mehrmals einige Säcke einsammeln, die nun nicht mehr leer waren. Auch uns war es recht mulmig mit der Zeit und wir verbrachten die Fahrt halb schlafend auf zwei Stühlen. Nun wussten wir also, warum die Betten beliebt waren. Als wir dann in den Fjord kurz vor Dalvik hinein fuhren, legte sich der Wellengang langsam und uns ging es auch gleich wieder besser. Im Hafen angekommen fuhren wir gleich auf den Campingplatz, auf dem wir schon vor der Abfahrt gewesen waren. Es war mittlerweile Abend geworden. Nach dem Abendessen besprachen wir noch unsere Weiterfahrt und schauten dann noch gemütlich einen Film, bevor es dann zu später Stunde ins Bett ging. Grimsey war toll !

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