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Leckereien am Dorffest

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Wir folgten nun also der F756 um die F35 zu erreichen. Auf dieser angelangt folgten wir Ihr bis zur Abzweigung der Stórisandur-Route, die von der Kjölur-Route auf die F578 quer hindurch führt. Kurz nach der Abfahrt mussten wir jedoch schon einen kleinen Stopp einlegen, da das Ersatzrad auf dem Führerhaus verdächtig gewackelt hat. Aber ich machte das mit wenigen Handgriffen wieder fest und schon konnte es weiter gehen.

Die Landschaft um uns herum war moosig und saftig grün, der Weg eher erdig und steinig, zum Glück hat es nicht geregnet, sonst hätten wir hier die reinste Schlammschlacht gehabt. Auch so war es schon ziemlich schmutzig, hinter uns breitete sich eine dicke Staubwolke über die grüne Landschaft aus. Jedes Mal, wenn wir einen kurzen Stopp machten, mussten wir noch kurz im Führerhaus sitzen bleiben, bis die Staubwolke an uns vorbei gezogen war. Gelegentlich erhaschten wir Blicke auf einsame Schafe, die es sich hier gemütlich gemacht hatten. Auch kleine Bäche und Rinnsale zogen sich hier kreuz und quer durch die Landschaft, jeweils von einer giftgrünen Moosschicht umgeben.

Gegen Mittag änderte sich die erdige Piste dann zur Wellblechpiste, die mir viel Geduld abverlangte. Und als dann auch noch ein ungeduldiger Autofahrer mit seinem Super-Jeep hinter uns auftauchte, war der Frieden in unserem Führerhaus für kurze Zeit vollends vergangen. Der Mann in seinem Jeep hinter uns wollte überholen und setze dazu den Blinker. An sich noch kein Problem. Ich habe es bemerkt und wollte daher bei nächster Gelegenheit in einer Ausbuchtung halten. Doch diese Gelegenheit kam wohl unserem Verfolger nicht schnell genug. Auf den Blinker folgten noch wildes Scheinwerfer-Licht wie auch die Hupe. Bis es mir schliesslich zu viel wurde und ich auf die Bremse trat, ausstieg und nach hinten Schritt, um meinem Ärger Luft zu verschaffen. Denn hier im Hochland fahre ich nicht einfach neben die Strasse in die schöne Landschaft, nur weil einer überholen will. Etwas uneinsichtig ging das Geblinke danach jedoch weiter. Als ich dann eine Ausbuchtung erreichte und Platz machte, zog der Jeep mit einer unangebrachten Beschleunigung und einer grossen Staubwolke an uns vorbei. Nach einigen beruhigenden Worten von Astrid an mich kamen wir dann bald beim Stausee Blödundulón an. Die Sonne zeigte sich kurz hinter den Wolken und vertrieb den leichten Nebel, bis es dann doch noch anfing zu Nieseln. Kurz darauf fuhren wir auf die Kjölur-Route und dort am Aussichtspunkt vorbei, wo schon einige Touristen verweilten. Kurz darauf erreichten wir die Abfahrt zur Stórisandur-Route. Dort thronte jedoch direkt in der Mitte der Strasse ein Fahrverbot. Nach langem hin und her beschlossen wir dann doch nicht hier durch zu fahren, obwohl es rund ums Schild schon einige Autospuren hatte. So fuhren wir auf der F35 wieder zurück und gönnten uns doch noch eine Pause auf dem Aussichtspunkt und besprachen unsere Weiterfahrt.

Kurz nach dem Stausee bogen wir dann links auf eine kleine Nebenroute ab, wo wir uns dann irgendwo im Nirgendwo für die Nacht bereit machten. Den Abend verbrachten wir mit Brot backen, lesen und später dann noch mit Film schauen. Um uns herum war es saftig grün mit einigen Schafen, die uns neugierig beobachteten. In der Ferne konnten wir einen kleinen See entdecken und Nebel, der bedächtig hinter den Hügeln hervor schlich.

 

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Am nächsten Tag erreichten wir dann gegen Mittag wieder die Ringstrasse. Wir fuhren in die Gegend rund um Hvammstangi. Dort soll es Robben geben. So suchten wir uns einen Platz am Meer, wo wir uns ein Zvieri gönnten. Danach wollten wir hier am Strand und im Meer Robben beobachten, aber wir fanden keine einzige. Nur einen alten Baumstamm zeigte sich aus der richtigen Perspektive als Robbe =). Wir waren auf dem Gelände von einem alten Bauernhof. Rund herum im hohen Gras entdeckten wir mehrere verrostete Landwirtschaftsgeräte, die einfach stehen gelassen wurden. Wahrlich ein Freilichtmuseum. Hier verweilten wir eine ganze Weile, genossen die Aussicht und die Zweisamkeit an der Sonne. Nebenbei machten wir eine neue Menüliste und schrieben den Einkaufszettel. Schliesslich soll unser Gourmet on Tour nicht

Später fuhren wir dann weiter Richtung Westfjorde. Bei der grossen N1 Tankstelle vor der Abzweigung Richtung Westen nach Holmavik machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp und nutzen das dortige Free-Wifi. Die Zeit verging wie im Flug und als wir auf die Uhr schauten stellten wir fest, dass wir heute Holmavik wohl nicht mehr erreichen werden. So mussten wir uns schon bald einen Nachtplatz suchen, den wir etwas abgelegen hinter einem Bauernhof fanden. Mit unserem Pinzi – eigenen Internet recherchierten wir am Abend noch etwas über die Westfjorde wie es da weiter gehen sollte. Astrid schaute daneben die bislang geschossenen Fotos an und fragte mich wie wir die schönsten wohl in Szene setzen könnten als spätere Erinnerung an diese wunderbaren Erlebnisse hier in Island. Wir haben so viele tolle Fotos gemacht bisher, und es werden bestimmt noch viele mehr dazu kommen. Sie schlug vor, dass wir das doch das eine oder andere als Poster drucken lassen könnten oder auf Leinwand. Doch wie das geht habe ich in Moment gerade keine Ahnung. Nach kurzer Recherche im Internet zu einen geeigneten Anbieter, stiessen wir auf die Webseite von colorfotoservice.ch . Diese Website gehört der gleichnamigen Schweizer Firma mit Sitz in Dübendorf. Die klar strukturierte Website hat uns sofort einen guten Eindruck hinterlassen und zwei, drei Klicks später fanden wir auch schon das gewünschte Produkt in Form einer Fotoleinwand. Was mir gefällt, dass die Fotoleinwand von Colorfotoservice sogar mit echtem dahinterliegendem Holzrahmen geliefert wird. Wir stellen uns schon vor wie wohl so ein schönes Bild mit einem kürzlich gesichteten Wal an unserer Wand aussehen würde. Doch momentan bleibt es beim Gedanken daran, stehen wir doch noch immer in der Nähe von Holmavik hinter einem Bauernhof und mit einer grossen Fotoleinwand können wir hier gerade in Moment wenig anfangen. Doch Astrid träumt gerne und so beschäftigt sie sich noch etwas mit der vielfältigen Möglichkeit der Onlinegestaltung fast sämtlicher Produkte während ich hier diese Zeilen schreibe. Sie gestaltet der weilen nebenbei zum Spass auch mal einen Kalender. Wer weiss vielleicht finden unsere Fotos ja irgendwann mal reissenden Absatz =) Oder wie passen unsere Bilder in ein Fotobuch? Fragen über Fragen und mir fallen langsam die Augen zu. Und so zog es mich und mit mir auch Astrid langsam unter die kuschlig warme Bettdecke

Tags darauf fanden wir dann endlich den Weg nach Holmavik. Kurz davor stoppten wir noch bei einer kleinen Kirche. Neben der Kirche stand ein grosser Torbogen ohne Mauern, während sich weiter hinten der kleine Friedhof erstreckte mit einigen wenigen Gräbern. Hier kann man sich wohl den Platz für die ewige Ruhe wirklich noch aussuchen.

 

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In Holmavik angekommen spritzten wir zuerst einmal all den Dreck und Staub der letzten Tage vom Pinzgauer ab. Aus BraunOne wurde wieder unser YellowOne. Dann ging es für die nächsten Tage einkaufen. Mitten im Laden wurden wir dann unerwartet von Reto angesprochen. Ich kenne ihn über ein Internetforum und habe ihm vor ein paar Tagen geschrieben, dass wir hier in der Gegend sind. Doch abgemacht wurde nichts Genaues und so ist das Treffen hier in Holmavik reiner Zufall. Er ist mit seiner Freundin Patrizia mit dem ausgebauten Iveco Masif unterwegs. Nach dem Einkaufen plauderten wir noch eine ganze Weile auf dem Parkplatz weiter und beobachteten, wie ein älteres Schweizerpaar ihren Lastwagen wusch und Wasser nachfüllte. Später gesellten auch sie sich auf ein paar Worte zu uns. Flurin und Barbara kommen aus dem Appenzell Ausserrhoden, direkt aus einem Nachbarsdorf von dort wo Astrid aufgewachsen ist. Wir tauschten uns lange über diverse Hochlandpisten und tolle Dinge in Island aus, bis wir dann entschieden, nach Drangnes auf den Campingplatz zu fahren. Also verabschiedeten wir uns von Barbara und Flurin und fuhren Reto und Patrizia voraus Richtung Norden.

 

 

Als wir das Dorf erreichten, sagte Astrid schon zu mir, dass die bestimmt irgendein Fest haben. Es begrüsste uns ein riesen grosses Banner, das mitten über der Strasse hing. Überall an der Strasse hatte es kleine Fähnchen. Zelte, Wohnwägen und Anhänger standen auf praktisch allen Wiesen zwischen den wenigen Häusern, die es hier gibt. Unser Ziel war der örtliche Campingplatz. Dieser war schon fast voll und wir hatten Glück, doch noch einen Platz zu finden, an dem beide Autos nebeneinander stehen konnten. Zuerst gingen wir mit Reto und Patrizia zum Meer runter, dort hatte es  drei kleine Hotpots, in denen wir es uns eine ganze Weile gemütlich machten und über alles Mögliche plauderten. Zurück auf dem Campingplatz hiess es für uns zuerst einmal Wäsche waschen. Doch der Tumbler war wieder mal einer der Bretagne-Sorte. Er lief viel zu wenig lang. Die Wäsche war zwar warm, aber noch weit weg von trocken. So mussten wir unsere gesamte Wäsche zwischen den beiden Autos aufhängen und im Wind trocknen lassen. Und hoffen, dass kein Regen kommt. Dann ging es ans Kochen und Astrid machte noch einen Kuchen, den wir später mit Reto und Patrizia bei einem Bier draussen genossen. Kurz nach halb 12 Uhr, als es um uns herum schon ganz still geworden war, kam dann noch jemand, um die Gebühren für den Camping einzufordern. Sie seien wegen des Festes heute leider etwas spät unterwegs, war die freundliche Mitteilung.

 

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Am nächsten Morgen spazierten wir dann zusammen mit Patrizia und Reto durch das Dorf und begutachteten das riesen Buffet, welches extra für das Dorffest vorbereitet wurden. Da die Schlange der hungrigen Mäuler aber schon so lang war, beschlossen Reto und Patrizia, weiter zu fahren. Astrid jedoch gelüstete das Buffet mehr als die lange Menschenschlange sie abschreckte. So verabschiedeten wir uns von ihnen und stellten uns dann doch noch in die lange Schlage, schliesslich kommt man nicht jeden Tag in den Genuss eines solchen Buffets. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir dann auch die Auslagen. Es bot uns ein wahnsinniger Blick auf Fisch in allen möglichen Formen und Farben. Sie waren zwar alle angeschrieben, doch leider ist unser Isländisch immer noch sehr beschränkt. Also haben wir einfach von allem was uns optisch angesprochen hat ein wenig auf unsere Teller geschöpft und dann probiert. Und endlich kamen wir auch in den Genuss der Papageientaucher, die wir auf der Insel Grimsey bewundert haben. Und die Einwohner dort haben nicht gelogen, das Fleisch war vorzüglich! Im Gegensatz zum Stockfisch, der uns beide würgen liess. Wir wissen jetzt noch nicht, was wir da alles gegessen haben, aber das ist auch egal. Das Meiste war wirklich sehr fein. Die Stimmung am Fest war ausgelassen und wir genossen es, einfach dabei zu sein.

 

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Gegen Abend hin hatten wir dann auch unsere Sachen gepackt und fuhren weiter in den Norden. An einem grossen Wasserfall machten wir noch eine Pause, Astrid wollte noch einige Fotos machen. Leider rutschte sie auf einem Stein aus und fiel halbwegs ins Wasser, dabei verlor sie den Deckel der Kamera. Die Schürfwunde am Ellbogen tat ihr im ersten Moment gar nicht weh, da sie völlig mit dem blöden Deckel beschäftigt war, der sich den Weg über den Wasserfall ins Meer bahnte. Ich konnte sie dann nach einiger Zeit beruhigen und nachdem sie wieder trockene Kleider anhatte, sah die Welt schon wieder besser. Wir fuhren weiter nach Gjögur. Ein weit verzetteltes Dorf mit nur noch knapp 50 Einwohnern und einem Flughafen. Auf dessen Parkplatz richteten wir uns dann für die Nacht ein. Ich nutze die Zeit noch für einige kleine Reparaturen und die obligate Buchhaltung über unsere Ausgaben. Immer noch erstaunt über den Flugplatz mit fester Piste und Linien-Flügen in den nächst grösseren Ort hier am Ende der Welt, begaben wir uns dann ins Bett.

 

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