Schönheiten des Westens

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Während wir am Abend beim Sonnenuntergang noch viel Platz um unser YellowOne hatten auf dem Campingplatz, mussten wir am nächsten Morgen feststellen, dass sich einige riesen Camping-Anhänger keine zwei Meter neben uns hingestellt hatten. Kuschelcampen ist so gar nicht unser Ding, doch wir hatten Glück, die Herren fanden bald einen besseren Platz auf dem Areal und so zogen sie am Morgen bald von Dannen, während wir uns einen gemütlichen Morgen machten. Da wir hier wieder einmal eine gute Internetverbindung hatten, nutzen wir diese gleich noch für einen weiteren Blogeintrag, die Buchhaltung und Emails mit der Welt auf der anderen Seite des Meers.

Die Zeit zog wie im Eilzug an uns vorbei. Erst nachdem wir um 15.00 Uhr noch kurz einen Zvieri gegessen hatten, fuhren wir los Richtung Petriksfjördur, wo wir dann unsere Vorräte auffrischten. Unser heutiges Ziel war der westlichste Punkt von Island, der auch der westlichste Punkt von Europa sein soll. Doch was ist nun der westlichste Punkt in Europa? Besuchten wir doch in Frankreich während unserer ersten Etappe in der Bretagne mit dem Rucksack schon den westlichsten Punkt. Ah, der feine Unterschied liegt darin, dass es dort Kontinental-Europa ist und Island eben nicht zum Kontinent gehört im Sinne von Festland, sondern nur zu Europa als Gebiet. Wie auch immer, der Weg dorthin führte der Küste entlang, wo ich gedankenversunken immer wieder aufs Meer hinaus schaute, in der Hoffnung irgendetwas Lebendiges zu entdecken. Bald kamen wir an einem kleinen Flughafen vorbei, der umgeben war von spärlich bewachsenen Sanddünen. Kurz darauf fuhren wir auf den Parkplatz eines winzigen Museums rund um die Fliegerei. Eigentlich handelte es sich hier einfach um eine grosse Halle, in der ein altes Flugzeug stand umgeben von lauter alten Relikten der Fliegerei im Aussenbereich. Da ein altes Tankfahrzeug, hier eine Flugzeugschnauze und dort eine Pistenbeleuchtung.

 

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Kurz vor 20.00 Uhr erreichten wir dann den westlichsten Punkt. Hier steht ein kleiner Leuchtturm und ein Schild mit den Koordinaten. Der Parkplatz war gefüllt mit Happy-Campern und anderen Autos, die als fahrende Schlafkojen dienten. Auf den Klippen standen viele Touristen, die in der Tiefe die Papageientaucher und Möwen bewunderten und fotografierten. Auch wir schauten uns diese kleinen Vögel an und erinnerten uns an die Erlebnisse auf Grimsey vor kurzem. Mit unserem kleinen Feldstecher suchten wir die Klippen nach kleinen Kücken der Pappageientaucher ab, doch wir fanden nur flauschige kleine Möwenjungen. Diese zogen unsere Blicke dennoch sofort auf sich. Sie drückten sich in vielen kleinen Nischen an den Felsen aneinander und schrien nach ihren Eltern. Das Gekreische der vielen Vögel war unglaublich laut. Neben vielen Touristen sahen wir auch junge Männer mit riesigen Objektiven und Kameras. Aus ihren Gesprächen schlossen wir, dass sie einen Dokumentarfilm über eine bestimmte Möwen-Art drehten. War spannend den Herren zuzuschauen wie sie mit ihrem riesigen Equipment arbeiteten.

 

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Nachdem wir uns an den Tieren satt gesehen hatten, waren wir den langsam hungrig. So fuhren wir ein kleinen Stück auf der Strasse zurück bis zum inoffiziellen Campingplatz, der eigentlich nur eine Wiese war, die der Bauer für die Touristen abgesteckt hatte. Sogar ausgerüstet mit einer kleinen Toilette. Hier genossen wir dann den Abend draussen und beobachteten den Sonnenuntergang auf dem Meer, während wir einen leckeren Znacht genossen.

 

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Am nächsten Morgen entdeckte ich kurz nach unserem Frühstück eine Robbe im Wasser, die immer wieder auf- und abtauchte. Michel war sofort ganz angetan. Robben sind seine Lieblingstiere. Leider mussten wir dann doch irgendwann los lassen und weiterfahren. Auf der Rückfahrt sind wir bei einem grossen Schiffswrack stehen geblieben. Dies lag einfach so am Strand und daneben ein Parkplatz. Das Wrack hatte schon viele Rostlöcher, durch die wir ins Innere blicken konnten. Einige Touristen waren so dreist und kletterten hinein um dort ihr Geschäft zu verrichten oder andere Dinge zu zerstören. Über solche Leute konnten wir nur den Kopf schütteln. Respektlosigkeit in höchstem Mass. Kunststück braucht es immer mehr Wächter und Zäune.

 

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Am frühen Nachmittag fuhren wir bei Krossholt vorbei, dort gibt es ein Bad mit schönen Hotpots. Wir überlegten eine Weile hin und her, ob wir hinein gehen sollten, liessen es dann aber bleiben. Der Wind war uns einfach zu stark und es war irgendwie unangenehm. So ging die Reise auf der Strasse weiter der Küste entlang.

 

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In Brjánslækur gibt es einen kleinen Fährhafen. Von hier kann man den Fjord Breidafjördur durchqueren. Die Fähre fährt zuerst nach Flatey, die grösste Insel im Fjord und danach weiter nach Süden bis Stykkishólmur auf der Halbinsel Snæfellsnes. Wir überlegten uns, unseren YellowOne zu verschiffen, damit wir nicht alles wieder zurück fahren müssen. Doch die Kosten waren so horrend, dass selbst bei den teuren Benzinkosten in Island die Fahrt um einiges günstiger war. So liessen wir es bleiben und fuhren stattdessen weiter in den Norden wo wir später ins Gebirge abbogen, um die Westfjorde auch noch im Gelände zu erkunden. Wir bogen nun also links ab und schon bald kam das uns bekannte und typische 4×4 Schild. Gleich danach ging es richtig heftig zur Sache. Untersetzung und 6×6 Antrieb musste hinzugezogen werden, um die Steigung zu bewältigen. Nach dem geschafften Anstieg folgten wir der Piste weiter und liessen uns teilweise ganz ordentlich durchschütteln. Der vor uns liegende Weg war sehr steinig und doch wundervoll zugleich, wie er sich mit vielen Kurven den Berg hoch schlängelte und an unzähligen Stellen gekreuzt wird von vielen kleinen Bächen die an den Seiten gesäumt waren von saftigem Moos. Wunderbar der Anblick. Hier oben war weit und breit keine Seele zu sehen, geschweige denn zu hören. Wir genossen die Einsamkeit und den Sonnenschein. Da wir schon relativ spät unterwegs waren, bezogen wir auch schon bald ein Plätzchen, dass sich uns als Nachtplatz anbot. Wunderbar gelegen mit Blick auf einen grossen tiefblauen See auf der Hochebene und in der Ferne das Meer.

 

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In unserer Gourmet-Küche gab es an diesem Abend ein leckeres Pouletgeschnetzeltes à la Vigneronne. Doch bevor wir das leckere Mahl genossen, flickte Michel noch den Ventilator der Dachlucke. Durch die ständigen Virbrationen hat sich da eine Schraube gelöst und die Mechanik streifte nun am Flügelrad. Doch mit ein paar Handgriffen und dem richtigen Schraubenzieher war das auch bald gerichtet. So gönnten wir uns das leckere Mahl und danach noch einen Film vor dem Einschlafen. Wir freuen uns auf den nächsten Tag !

 

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3 Responses

  1. Martin

    Hallo Ihr Beiden,

    ist immer wieder nett zu lesen und Erinnerungen werden wach. Ich bin zwar schon lange wieder zuhause, aber die Bilder habe ich mir bisher nur oberflächlich angesehen. Einige ausgesucht und an Verlagen geschickt, die auf meinen Bericht gestossen waren.

    Bis ich richtig damit anfange wird es wohl schon 2018 sein. Mußte hier viel nacharbeiten. So ist das halt. Ich wünsche Euch eine ruhige Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr mit neuen Abenteuern.

    Liebe Grüße

    von Martin, dem Radler

    • Michel

      Hallo Martin
      Schön wieder mal von dir zu hören ! Hoffe du hattest noch ganz viele tolle 2-Rad Erlebnisse auf der Insel =)

  2. G.K.

    immer wieder spannende Geschichten…… macht Lust auf Nachahmung… Georg, dr Physio

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