Felsen, Wasserfall und Robben

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Nach dem gemütlichen Abend gestern steht nun der neue Tag vor der Türe. Den Morgen gingen wir wie gewohnt langsam an. Nach einem ausgiebigen Frühstück genossen wir noch eine Weile die wunderbare Aussicht auf die umliegende Landschaft und das Meer in der Ferne. Ich kümmerte mich noch kurz um die Reinigung des Abflussrohrs, wobei ich feststellen musste, dass sich Risse bilden und ich vorsorglich etwas verkleben muss. Ein Ersatzteil für die nächste Etappe im 2018 werde ich dann in der Schweiz beschaffen.

Kurz vor 12 Uhr ging dann unsere Reise weiter über die holprige und steinige Strasse, die man eigentlich kaum als Strasse bezeichnen kann. Um uns herum nur rotes Geröll, soweit das Auge reichte. Zwischen den grossen und kleinen Felsbrocken entdeckten wir hie und da einen Flecken Schnee und überall gab es kleinere und grössere tiefblaue Teiche und Seen. Die Zu- und Abflüsse dieser Gewässer waren stets von saftig grünem Moos umgeben, die uns immer wieder in Staunen versetzten. Auch die Leisen auf unserem Weg waren oft Rinnsale, saftig grün umrandet, so dass wir uns  immer öfters fragten, ob in diesem Jahr schon jemand hier durchgefahren ist. Denn in Island ist das Moos sehr empfindlich. Und wäre hier viel Verkehr, wäre die Natur nicht so wunderschön an diesem Fleck der Erde.

 

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Bald kamen wir an eine sehr breite Furt, die zwar nicht tief war, aber viele grosse Steine hatte. Unser Pinzgauer schwankte gefährlich hin und her, so dass ich plötzlich auf die Bremse treten musste, um die ganze Sache etwas zu beruhigen. Astrid schaute ziemlich blass aus dem Fenster und auch mir war für einen Moment lang etwas mulmig zumute. Als sich die ganze Masse wieder beruhigt hatte, konnten wir unserem Weg im Schneckentempo weiter folgen. Kurz darauf führte der Weg über eine Erhöhung und auf der anderen Seite recht steil nach unten. Auf halbem Weg versperrte uns ein grosser Felsbrocken den Weg. Dieser lag in der Mitte der Steinstrasse und war zu gross, als dass wir hätte darüber hinweg fahren können. Also hiess es „Aussteigen“. Doch für uns war der Stein zu schwer. Also mussten wir zum ersten Mal die Gurte auspacken. Während Astrid den Gurt um den Felsen befestigte, machte ich ihn am YellowOne fest. Danach legte ich den Rückwärtsgang ein und zog ihn so Stück für Stück nach oben. Währenddessen schob Astrid ihn kräftig in die richtige Richtung. So schafften wir es, den Felsen nach mehreren Anläufen aus der Fahrbahn zu bugsieren. Nach diesem schweisstreibenden Akt für Astrid machten wir eine kurze Verschnaufpause, bevor es dann weiter ging.

 

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Weiter folgten wir gemütlich der Strasse mit ihren tausend Kurven und Steinen, bis wir am frühen Nachmittag eine Schneedecke auf dem Weg antrafen. Diese bestätigte uns nun endgültig, dass wir die Ersten waren, die diese Strecke in diesem Jahr fuhren. Weiss und unberührt lag der Schnee vor uns und da wir nicht wussten, wie tief und rutschig er war, musste Astrid ausstiegen und zu Fuss voraus laufen. Ich fuhr ihren Fussspuren entlang nach und lud sie dann wieder ein. Kurz darauf trafen wir nochmals auf ein grosses Schneefeld, diesmal jedoch neben der Piste. Hier machten wir eine Pause. Astrid liess es sich nicht nehmen, einige Schneebälle nach mir zu werfen und wir tollten wie kleine Kinder darin herum 🙂

 

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Als wir dann kurze Zeit darauf endlich zurück auf die Hauptstrasse fuhren, trafen wir auf einem Parkplatz zwei Schweizer, mit denen wir sogleich ins Gespräch kamen und im Lauf der Unterhaltung noch Tipps zur Zubereitung von Walfisch erhielten.

 

 

Auf unserem weiteren Weg lag danach der Dynjandi Wasserfall. Wir stellten unseren grossen Gelben also auf den Parkplatz und liefen den schön angelegten Weg zu Fuss hinauf bis vor den Wasserfall. „Dynjandi“ bedeutet auf Deutsch „der Dröhnende, Tobende“. Der Wasserfall ist 100 Meter hoch und sehr breit aufgefächert. Hier stürzen im Sommer 2 bis 8 m³ Wasser pro Sekunde in die Tiefe, im Winter nur etwa die Hälfte. Der Wasserfall hat oben eine Breite von 30 m, unten hingegen bis zu 60 m. Wir waren überwältigt von diesem Naturschauspiel. Gerade als wir uns auf den Rückweg zu unserem Pinzgauer machen wollten, grüsste uns ein entgegenkommender Tourist. Kaum zu glauben, wir trafen erneut auf Uwe und Anke, die wir bereits auf der Insel Grimsey im Hotpot kennen gelernt hatten. Sie erzählten uns, dass ihr Segelschiff in Isafjördur vor Anker lag und sie nun ein paar Tage mit einem Mietauto auf Hotpot Tour sind, bevor sie dann weiter in den Süden segeln wollen. Nach einem kurzen Schwatz wünschten wir uns gegenseitig eine gute Reise und liefen zurück zu unserem Fahrzeug. Auf dem Parkplatz gönnten wir uns noch einen Zvieri und kamen prompt ins Gespräch mit einem Schweizer Familienvater, der früher auch mal einen Pinzgauer hatte. Da sein kleiner Sohn jedoch recht ungeduldig an ihm herum zerrte, verabschiedete er sich bald und so konnten auch wir unseren Weg fortsetzen.

 

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Wir fuhren weiter nach Isafjördur, wo wir es uns auf dem örtlichen Campingplatz gemütlich machten. Dort nutzten wir wie so oft noch das Internet für Mails und genossen dann den Abend mit einem feinen Znacht. Heute gab es leckeres Geschnetzeltes an Bratensauce, Broccoli und Kartoffelstock. Doch der Luxus nahm kein Ende. Auf uns wartete vor dem Schlafen noch ein feines Panna Cotta zum Dessert.

 

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Am Morgen darauf liessen wir uns wieder Zeit und nutzten nochmals das Internet für einige Updates unserer Website. Danach führte uns unser Weg kurz nach 12 Uhr zum nahen Netto Supermarkt, um einzukaufen und unsere Vorräte aufzustocken. Als unsere Leerräume in der Küche wieder reichlich gefüllt waren, fuhren wir noch kurz zum Hafen und fanden dort recht schnell das Segelschiff von Uwe und Anke. Leider waren sie schon wieder mit dem Auto unterwegs, also blieb ein kurzer Schwatz aus. Uns hätte es schon sehr interessiert, wie ihr Segelschiff von Innen aussieht. So schossen wir aber noch kurz ein Foto unsere Fortbewegungsmittel und übermittelten es dann beiden als Gruss per WhatsApp. Dann fuhren wir weiter, immer schön der Küste entlang. Astrid schaute wieder verträumt aufs Wasser, in der Hoffnung etwas Spannendes im Meer zu entdecken. Bald fuhren wir an einem Schild vorbei auf dem Stand „Seals 200 m“. Robben wurden also angekündigt. Ob wir wohl welche sehen?

Wir hielten also bei den anderen Fahrzeugen auf der nächsten Ausstellbucht an. Das Schild hatte wirklich nicht gelogen. Auf grossen algenbesetzten Steinen unweit der Küste lagen über ein Dutzend Robben, als hätte sie eine grosse Welle angespült und würden Sie nun auf die Nächste warten, die sie wieder herunter holt.

 

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Ich war hin und weg und suchte sofort mit der Kamera in der Hand einen Weg über die rutschigen Steine, um möglichst nahe an sie heran zu kommen. Astrid kam mir mit dem Fernglas hinterher. Lange bestaunten und bewunderten wir diese knuffigen Tiere und versuchten möglichst gute Fotos zu machen, was auf diese Entfernung gar nicht so einfach war. Astrid hatte einen Kampf, mich vom Anblick der Robben los zu bekommen. Doch als ihr das nach über einer Stunde gelang, fuhren wir weiter und fanden einen schönen Nachtplatz oberhalb der Strasse. Von hier aus hatten wir eine super Aussicht auf den Fjord und die umliegenden Hügel. Da es ausnahmsweise mal keinen Wind hatte, genossen wir draussen noch ein Bier und beobachteten den Sonnenuntergang. Wunderschön war der Abend. Reisen von seiner schönsten Seite!

 

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Die Sonne weckte uns am Morgen und wir liessen uns viel Zeit, bis wir dann gegen Mittag unser kleines Paradies auf Erden verliessen. Wir befanden uns bereits auf dem Rückweg von den Westfjorden Richtung Reykjavik. In wenigen Tagen schon würde Astrid zurück in die Schweiz fliegen. Deshalb nahmen wir die Route 608, die uns vom Norden quer durchs Hochland Richtung Reykhólar bringt, dem Hauptort der Gemeinde Reykhólahreppur im Süden der Region Vestfirðir. Die Strasse hier war steinig und die Landschaft um uns herum moosig mit vielen kleinen Seen. Es dauerte nicht allzu lange und wir erreichten im Süden den Campingplatz von Reykhólar. Auf Deutsch bedeutet Reykhólar „rauchende Hügel“, überall um uns herum entdeckten wir aufsteigende Dampfschwaden. Hier in diesem kleinen Ort leben nur 137 Einwohner. Auf dem Campingplatz füllten wir unsere Wasserreserven auf, konnten unsere Wäsche waschen und gönnten uns dann im öffentlichen Schwimmbad und Hotpot eine lange Pause. Wir konnten unsere Wäsche sogar an gespannten Schnüren quer über den Platz in der Sonne trocknen lassen. Zum krönenden Abschluss des Tages stand heute ein fantastisches Pferdesteak mit Teigwaren und Spinat auf unserem Speiseplan. That’s Life 🙂

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2 Responses

  1. Beatrice David

    Hallo Ihr Beiden
    Es ist unglaublich, meine Tochter und mein Bruder waren auch gerade in Island!
    Diese Zwei hatten sehr schöne Ferien und ja sie hatten auch das Glück die Polarlichter zu sehen!
    Das war ja auch der Grund weshalb sie dort hin gingen, Fredi hatte Jessica immer versprochen, wir 2 werden mal die Nordlichter sehen! und so war es, aber wenn ich nun euren Bericht sehe, fällt mir auf, das meine 2 immer fest eingepackt waren und sie sehr, sehr kalt hatten. Was bei Euch nicht wirklich so aussieht!
    Auch hatten Sie mit eisigen Strassen zu kämpfen! ich wünsche Euch weiterhin viel Spass und weiter so herrliche Geschichten! Liebe Grüsse von Bea

    • Michel

      Hallo Bea
      Wunderschön wenn deine Tochter und dein Bruder die Nordlichter gesehen haben. Wir haben ebenfalls im September welche beobachten können. Doch dieser Beitrag folgt noch in nächster Zeit. Die Bilder des letzen Beitrags stammen jedoch noch aus dem August. Daher sind wir auch nicht so eingepackt 🙂

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