Vom Fondue zur Lavahöhle

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Der 1. August ist da, Nationalfeiertag der Schweiz. Hier in Island in den Westfjorden zeigte sich das Wetter von der schönsten Seite. Doch der Island-typische Wind zwang uns leider zum Frühstück im Fahrzeug. Nach dem Essen überprüften wir noch den Reifendruck und befestigten meinen Gurt neu. Dieser hatte mich schon seit längerem gestört, da er irgendwie verdreht befestigt war. Aber jetzt richtete Michel es in aller Ruhe während ich den Abwasch erledigte. Danach gab‘s noch ein paar Fotos der Risse an der Karosse, welche wir seit längerem entdeckt hatten. Das sieht nach einer aufwendigeren Reparatur aus, die gut geplant sein will. Unser Grosser ist halt auch schon über 35 Jahre alt und Island fordert alles von ihm! Deshalb erst einmal Fotos machen, um Tipps bei Freunden im Pinzgauer Forum einzuholen.

 

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Kurz nach Mittag fuhren wir dann los. Es ging auf der Ringstrasse etwas zurück in den Norden bis wir auf die F578 abbogen, die übers Hochland weiter in den Süden bis nach Húsafell führt. Wie schon so oft, war es um uns herum menschenleer. Die Landschaft moosbewachsen und die Strasse voller Schlaglöcher. Überall entdeckten wir Schafe, die sich an den wenigen Gräsern genüsslich taten. Wir folgten langsam der stark trockenen und sandigen Piste. Doch trotzdem wirbelten wir massenhaft Staub in die Luft, so dass wir die Wolke noch weit hinter uns sehen konnten.

Am frühen Abend dann fanden wir ein schönes Plätzchen für die Nacht. Hier machten wir es uns gemütlich. Unser Pinzi-Wifi reichte knapp aus, um einige wichtige Emails zu schreiben. Während Michel sich diesen widmete, machte ich wieder einmal einen Kuchen, schliesslich ist heute ein besonderer Tag für alle Schweizer, der auch im isländischen Hochland gefeiert werden möchte. Später gab es dann ein feines Fondue zum Znacht, einige Selfies durften natürlich auch nicht fehlen. Und auch mein Kuchen schmeckte köstlich, auch wenn er nicht ganz so ansehnlich geworden war. So liessen wir den 1. August genüsslich ausklingen.

 

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Am nächsten Morgen ging es dann kurz vor Mittag weiter auf dieser holprigen Piste. Die Landschaft um uns herum veränderte sich langsam, die moosigen Steine wurden zunehmen grau, grün und rötlich-braun, während wir an mehreren tiefblauen Seen vorbei fuhren, die bestimmt eisig kalt waren. Plötzlich bemerkte ich auf unserer Landkarte einen komischen grauen dicken Strich. Tatsächlich, mitten im Nirgendwo eine unbefestigte Landepiste für Flugzeuge. Wir waren doch ein wenig erstaunt. Die etwas sandige Piste veränderte sich im Laufe der Weiterfahrt zur reinen Staub-Piste. Nun zogen wir eine weit sichtbare Staubwolke hinter uns her. Jetzt nur bloss nicht anhalten, sonst überholt sie uns noch. Unser Pinzgauer änderte bald seine Farbe. Aus gelb wurde braun. Am Mittag begegneten wir einer etwas breiteren Furt. Der Fluss schien sogar mehr Wasser zu führen wie normal. War doch der Zufahrtsweg zur eigentlichen Furt schon überspült. Dennoch schätzten wir die Tiefe auf maximal 60 cm und so wagten wir uns in die Fluten. Da wir jetzt ja schon einige Erfahrungen sammeln konnten mit Furten, gingen wir diese ganz langsam an, so dass unser Fahrzeug nicht ins Schwanken geraten konnte. Wie jede Furt war auch diese wieder ein kleines Highlight für uns und unsere Freude gross, als wir sie unbeschadet durchquert hatten. Nach dieser Furt führte die Strasse in ein schwarzes Lavafeld. Hier war sie besser ausgebaut als auf der Route F910 nach Askja. So kamen wir schon kurz nach 14 Uhr bei den Surtshellir bzw. den Lavahöhlen an. Hier trafen wir auf dem Parkplatz neben einigen Touristen zufälligerweise auch Bernd, der mit seinem roten VW Bus auf Entdeckungsreise war in Island. Ihn hatten wir schon in Tórshavn auf den Färöern kurz kennen gelernt, als er sich mit Michel über unseren Laptop unterhielt. Mit ihm kamen wir dann erneut ins Gespräch.

 

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Wir entschieden uns, die Lavahöhlen von innen zu besichtigen. Also machten wir uns zuerst zu Zweit und später dann zusammen mit Bernd auf, die Höhlen mit Taschenlampen zu erkunden. Die Lavahöhlen bzw. Surtshellir befinden sich im Lavafeld Hallmundarhraun westlich des Gletschers Langjökull. Entstanden sind die Lavahöhlen im 9. Jahrhundert, als fliessende Lava aus den Kratern an der Nordwestseite des Langjökull entströmten. Die tiefschwarzen Höhlen entstanden, als die Oberflächen schneller erstarrten, als der innere Teil des Lavastroms. So floss dieser weiter unter der Oberfläche und es bildeten sich förmlich Kanäle, welche später komplett erstarrten. Daher erklärt sich auch der Name „Surtshellir“ als Ableitung vom germanischen Feuerriesen Surt. Das gesamte Höhlensystem erstreckt sich über eine Länge von 3490 Metern. Die Temperatur im Innern beträgt zwischen 2 bis 5 °C. Also warm anziehen, wenn man sie besichtigen möchte. Das Dach weisst immer wieder kleinere und grössere Löcher auf, die z.T. als Ein- und Ausstieg genutzt werden können. Es wird vermutet, dass durch diese Öffnungen die Lava in Fontänen heraus schoss, oder sie zu einem späteren Zeitpunkt einstürzten.

Wir also machten uns auf, diese Höhlen zu erkunden. Mit Kappe, Handschuhen und Taschenlampe. Denn die Höhlen sind komplett dunkeln. Die Einstiege sind jeweils steil und steinig, wie auch die Stellen, an denen ein Teil der Decke eingestürzt ist. An anderen Stellen ist der Boden und die Wände glatt und die verschiedenen Lava Pegelstände sind ganz gut zu erkennen. Wir konnten uns beim Betrachten der Höhlen bildlich vorstellen, wie hier einst ein rotglühender Lavastrom floss. Doch sobald wir die Lampe ausschalteten, standen wir wie im Nichts. Kein Licht, kein Ton. Nur selten wurde die Stille von leisen Tropfen unterbrochen. Stille und Ruhe pur. Für mich war es schon etwas beängstigend die Stille,  aber die gemeinsame Entdeckungsreise durch die Höhlen war wunderbar.

Als wir dann nach drei Stunden schon etwas durchgefroren zurück zum Parkplatz kamen, wurde gleich gekocht. Nach dem Abwasch plauderten wir noch lange mit Bernd und tauschten uns über schöne Plätze im Süden Islands aus. Als Bernd sich dann am späteren Abend von uns verabschiedete und weiter fuhr, liessen wir den Tag mit dem Würfelspiel „Yatzy“ zu Ende gehen.

 

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4 Responses

  1. Udo

    Sehr gut geschrieben, ihr macht uns echt neugierig auf das Land. Nal sehen vielleicht klappt ws bei uns auchmal dorthin zu schippern.

  2. Georg

    Hallo zusammen
    ja Eure Erlebnisse sind zu beneiden! Supercool……
    mich würde es interessieren wie der Bernd mit dem VW Bus über all die Strassen gekommen ist…. hat er ausschliesslich geteerte benutzt oder auch Schotter…. ?

    Gruss Georg

    • Michel

      Hallo Georg
      Der Bernd war auch auf unbefestigten Strassen mit seinem VW-Bus unterwegs. Hat jedoch sämtliche mit Pisten, welche mit F-Road gekennzeichnet waren gemieden. Dies sind nämlich alleinige 4×4 Pisten in Island.

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