“Your Car is to high” – Oelwechsel in Reykjavik

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Meine Islandzeit neigt sich langsam dem Ende zu und so ist unser heutiges Ziel auch die Hauptstadt Reykjavik. Nach unserem Morgenritual, bei dem wir inzwischen schon ein super eingespieltes Team sind was vorbereiten, aufräumen und abwaschen anbelangt, machen wir uns langsam auf den Weg weiter in den Süden.

Da sich unser Benzinvorrat bald dem Ende zu neigt, haben wir die Strecke kurz durchgerechnet. Es sollte gerade so reichen bis in die Hauptstadt. Ich bin da immer etwas kritisch, doch Michel kennt sein Fahrzeug und ist nach meiner Berechnung relativ entspannt.

Ich habe in einem unserer Reiseführer gelesen, dass es beim Gletscher Langjökull Eishöhlen zu besichtigen gibt. Auch wenn wir nicht gerade viel Zeit zur Verfügung haben, möchte ich doch gerne einen Blick in diese Höhlen werfen. Mit einem kleinen Abstecher auf unserer Route sollten wir sie problemlos erreichen. Also fuhren wir zum Gletscher. Die Schotterstrasse dorthin war stark befahren und auf dem Parkplatz am Ende standen viele Fahrzeuge und grosse Busse mit noch grösseren Reifen. Perfekt ausgerüstet für die Fahrt auf dem ewigen Eis. Leider waren die besagten Eishöhlen hier am Rande des Gletschers nirgends zu finden. Vermutlich war das „am Rande“, wie es im Reiseführer stand, doch etwas grosszügig gefasst. Wir vermuteten, dass sie sich weiter oben befanden. Und um dorthin zu gelangen, wäre eine Fahrt mit einem dieser überteuerten Touristenbusse nötig. Wir entschieden uns dagegen und machten einfach einen kleinen Spaziergang am Gletscherrand und genossen auch so die Zeit auf dem „Eis“.

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Unser weiterer Weg führte uns dann ein Stück dem Þingvallavatn entlang durch einen kleinen und sehr seltenen Wald auf Island. An dessen Ausfluss befindet sich seit 1959 das Kraftwerk Nesjavellir. Bernd hatte uns am Vorabend davon erzählt. Es ist das größte Geothermalkraftwerk in Island mit einer aktuellen Leistung von ca. 120 MW elektrischer Leistung. Gewonnen aus heissem Wasser aus Bohrlöchern die ca. 1000 – 2000m in die Tiefe reichen.

Während uns Bernd vom Kraftwerk erzählte, erwähnte er noch, dass man unter der einen Brücke gut baden könne. Als wir dort ankamen waren leider jedoch bereits einige Bauarbeiter daran eine Schranke an der Zufahrt zu erstellen, so dass wir nicht zur besagten Brücke fahren konnten. Also  wendeten wir und fuhren den knapp 32 km langen Pipelines entlang über die Hellisheiði nach Reykjavík. In diesen Pipelines wird das rund 86 °C heisse Wasser aus dem Kraftwerk transportiert für das Fernheizungssystem in der Hauptstadt.

 

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Nach einer schönen Fahrt sahen wir in der Ferne am Horizont die Stadt auftauchen. Mit den letzten Resten an Benzin im Tank machten wir halt bei einer von nur fünf Orkan X Tankstellen in Island, welche den günstigsten Treibstoff auf der Insel verkaufen. „Glugg Glugg Glugg“ und schwubs waren wieder etwas über 200 Liter in unserem grossen Gelben verschwunden. Nachdem unsere Tanks wieder gefüllt waren, nutzte Michel noch kurz das freies Wifi um eine Mail an Oliver zu schicken –  sein nächster Reisebegleiter.

Uns zog es danach erstmal Richtung Tourist Office mitten in der Stadt. Wir deckten uns mit diversen Reisebroschüren und Karten ein und bewunderten das grosse Relief, welches die ganze Insel sehr detailliert darstellt. Wir sahen aus der Vogelperspektive, wo wir schon waren und welche Berge wir in der Ferne sahen.

Zur selben Zeit stand eine deutsche Reisegruppe um das Relief und der Touristenführer plauderte munter drauf los, wo sie überall waren und was sie wo gesehen hatten. Wir hörten ihnen eine Weile zu und konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es waren typische Ring-Road-Touristen.

Gegen 20 Uhr schloss dann das Tourist Center und wir fuhren Richtung Industriegebiet, welches wir bereits davor auf der Karte auserkoren hatten, in der Hoffnung einen ruhigen Nachtplatz zu finden. So fuhren wir etwas aus der Stadt hinaus und fanden dann auch bald auf einem kleinen Kiesplatz in der Nähe eines grossen Einkaufszentrums eine Übernachtungsmöglichkeit. Hier standen schon mehrere herunter gekommene Lieferwagen, neben einem Lastwagen und sogenannten Food-Truck. Mit der Rückseite zur Hauptstrasse stellten wir uns in die Reihe, mit dem Gedanken so würden wir auch nur wie ein abgestellter Lieferwagen aussehen.

So machten wir es uns gemütlich und am Abend gab es frisches Sushi und Brot. Während dem Essen schweiften die Gedanken rund um die Hauptstadt und unsere Dinge, welche wir hier noch zu erledigen hatten.

 

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Ein Ölwechsel stand ganz oben auf unserer Tagesordnung heute. Nach knapp etwas über 5‘ 000 km seit der Abfahrt Zuhause war dies langsam dringend nötig. Nach dem Frühstück verliessen wir unseren Nachtplatz und fuhren zuerst in den Húsasmiðjan. Ein örtlicher Baumarkt wie bei uns OBI oder Bauhaus. Hier wollten wir einen Splint kaufen, um den Innengriff der Hintertür zu fixieren, der sich im Laufe der Reise immer wieder etwas gelockert hatte und sich bei holprigen Strassen leicht öffnete. Um dies in Zukunft zu verhindern musste dort eine simple aber geniale Lösung her. Leider fanden wir im Húsasmiðjan aber keinen geeigneten Splint und so ging die Suche weiter. Gleichzeitig waren wir auf der Suche nach einer geeigneten Autogarage für unseren Ölwechsel. Dafür fuhren wir von einem Industriegebiet ins Nächste und fragten bei diversen Garagen. Viele winkten schon beim Anblick unseres Pinzgauers ab. Immer dasselbe. Unser Gelber sei zu gross und zu hoch. Dabei kann man bei unserem Fahrzeug den Oelwechsel im Stand vornehmen. Mein Gott, wir benötigen doch nur Motoröl und eine Auffangwanne. Nix Lift, nix Filter, nur Oel und Wanne! Aber unsere Interventionen waren vergebens. „To hight“ oder „to big“ waren oft die Antworten. Keiner konnte oder wollte uns helfen und die Zeit begann langsam zu drängen. Es war Freitag und ein Teil der Betriebe sperrten schon kurz nach dem Mittag zu. Wir zweifelten langsam daran, ob wir hier noch einen sauberen Wechsel machen konnten und fragten uns im gleichen Zug, was zum Teufel so schwierig an einem Ölwechsel sein kann, dass wir in der Hauptstadt nun schon fast einen halben Tag einen Betrieb suchen, der uns dabei hilft. Gibt es hier keine Oelwannen? Vermutlich gehört das wohl nicht zur Ausrüstung einer Garage hier auf Island. Wo wechseln dann die Isländer mit ihren Super-Jeeps ihr Oel? Wir sind doch hier in der Hauptstadt von Island und nicht in einer Bananen-Republik mitten auf dem Ozean? Unsere Gedanken drehten sich schon um einen feldmässigen Oelwechsel mit eigenem Material. Sind wir doch grundsätzlich dafür ausgerüstet inklusive genügend Oel für einen Wechsel. Aber wir wollten gerade hier in Island sicher das Alt-Öl auch sauber entsorgen und das wäre ausserhalb einer Garage sicher nicht so einfach. Also verwarfen wir den Gedanken wieder und suchten weiter. Doch dann endlich, als wir schon fast am Verzweifeln waren, kamen wir mit einem älteren Herrn mit Zigarre im Mund aus einer winzigen Werkstätte ins Gespräch. Er selbst konnte uns nicht helfen, das war uns beim Anblick seiner kleinen vollgestopften Werkstatt sofort klar. Aber er schien jemanden zu kennen, der uns helfen konnten. Entschlossen stieg er in sein winziges Auto, wir sollten ihm folgen. Quer durch die halbe Stadt fuhr er vor uns und machte erst Halt bei einer grossen Garage, die wir nie und nimmer selbst gefunden hätten. Sie lag etwas versteckt zwischen grossen Industrieblöcken. „Tip“ auf den Bildschirm und schon war dieser Ort in unserem GPS gespeichert. Den finden wir nun also immer wieder. Der ältere Herr stieg aus und sprach kurz mit dem vermutlichen Chef des Betriebs. Kurz darauf kam er uns neugierig entgegen und unserer älterer Herr verabschiedete sich dann sogleich winkend von uns. Michel konnte dann – es gibt doch noch Wunder – für später am Tag einen Termin ausmachen. Wir sollten also um 16 Uhr erneut kommen. Wir sind ja gespannt. Jetzt hatten wir also noch gut zwei Stunden Zeit, um in einem Fotogeschäft einen neuen Objektiv-Deckel für unsere Kamera zu besorgen. Mir ist dieser ja leider bei einem Fluss entglitten als mir die Kamera fast aus den Händen rutschte. Nach dem Oelwechsel-Marathon war dieser Einkauf schon ein spielender Klacks. Der Deckel war zwar teuer, aber leicht erhältlich im Foto-Geschäft.

Zur abgemachten Zeit fuhren wir wieder zurück zur Werkstätte und liessen uns dort das Öl wechseln. Altes Oel unten raus und neues Oel oben rein. Voilà! Es war ein wenig frustrierend für uns, den halben Tag eine passende Garage zu suchen für einen Ölwechsel, der keine 15 Minuten dauerte. Nun denn, wir hatten es ja endlich geschafft und konnten weiter fahren und zum Einkauf und Waschen des Fahrzeuges schreiten. Nach diesem Tag, zog es uns dann schon bald wieder auf unseren Nachtplatz zurück zwischen den Bussen und Trucks.

 

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Der zweitletzte Tag hat begonnen. Bald muss ich mich von Island verabschieden. Doch davor wollten wir heute nun endlich noch die Stadt ansehen. Die letzten beiden Tage hatten wir ja nicht wirklich Zeit dafür. Also suchten wir uns einen Parkplatz im Zentrum und zogen zu Fuss los durch die Gassen. Uns fiel sofort auf, dass die Touristenmeile sehr amerikanisch geprägt war. Überall waren Steakhouse und Burger Restaurants zu sehen und dazwischen unzählige Bars und Souvenirläden mit diversem Schnickschnack. Am Abend gönnten wir uns in einem kleinen asiatischen Restaurant ein Nachtessen, bevor wir uns auf den Weg machten Richtung Sandgerði. Dieser kleine Ort liegt nahe von Keflavik dem Internationalen Flughafen von Island. Wir planen nun die letzte Nacht auf dem dortigen Campingplatz zu verbringen und den letzten Tag in Ruhe zu geniessen bis ich auf den Flughafen muss für meinen Rückflug nach Basel. Michel war aber auch schon sehr gespannt auf seine neue Begleitung. Oliver sollte Morgen von Graz kommen. Bye Astrid – Hello Oliver!

 

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2 Responses

  1. Martin

    Hallöchen,

    immer wieder schön zu lesen. War schon eine schöne Zeit dort vor allen in den einsamen menschenleeren Gebieten. Deshalb bin ich ja auch dort gewesen. Leider auch auf die Touristenhorden gestoßen, die sich weltweit oft nicht benehmen können.
    Liebe Grüße
    Martin

    • Astrid

      Hallo Martin

      Schön von dir zu hören! Wie geht es dir so?
      Ja, wir haben die einsamen Gebiete und schönen Landschaften auch sehr genossen. Was die Touristen angeht, wussten wir ja, worauf wir uns an gewissen Orten einlassen.

      Wir werden auch dieses Jahr wieder abgelegene Orte erkunden, hoffentlich mit möglichst wenig Touristen. Es gibt also auch weiterhin viel zu lesen bei uns 🙂

      Liebe Grüsse
      Astrid

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