10 Tage Oliver – Teil 1

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Nun war es also soweit. Der Montag an dem Astrid abreisen musste ist leider trotz aller Gedanklichen Gegenwehr doch gekommen. So sehr wir die Zeit hier in Island genossen haben, heisst es nun Abschied nehmen für die nächsten zwei Monate. Ich werde noch hier auf Island weiter meine Kilometer ziehen, während Astrid wie geplant die Arbeit vorübergehend in der Schweiz wieder aufnimmt. Doch freuen wir uns schon auf den nächsten Frühling, wo es dann erneut gemeinsam auf Tour geht.

Doch der letzte gemeinsame Morgen beginnt noch gemütlich wie immer. Wir befinden uns auf einem Campingplatz keine 8 km vom Flughafen entfernt. So können wir den wunderschönen sonnigen Tag in Island noch richtig geniessen. Mit einen ausgiebigen Frühstück soll dieser nun beginnen. Danach wird die Bettwäsche abgezogen und alles bereit gemacht für die Waschmaschine. Es soll alles sauber sein, wenn mein erster Gast eintrifft. 10 Tage Oliver heisst es als Nächstes. Schon bald ist es 15.00 Uhr und ich bringe Astrid an den Flughafen Keflavik, von wo bald ihr Flug nach Basel startet. Nach einem kurzen aber herzlichen Abschied verschwindet Astrid in der Sicherheitskontrolle. Ich eile derweilen ziemlich schnell zurück zum Pinzgauer. Ich habe meinen Pinzgauer nur in der Haltezone abgestellt. Doch kaum trete ich vor die Flughafentür sehe ich schon zwei Security Leute vor dem YellowOne stehen. „Is this your car?”, fragt mich die blonde ältere Dame. Mit einem Nicken beantworte ich diese Frage und warte nun auf die sträflichen Worte, die sogleich kommen. Mit einem „Sorry“ schreite ich zügig zum Fahrzeug und mache mich auf den Weg zum nahe gelegenen Parkplatz, von wo aus ich alle Flugzeuge die starten oder landen sehen kann. Kurz darauf landet auch schon der Easyjet aus der Schweiz, welcher mir Oliver bringt und Astrid mitnimmt. Gemütlich warte ich bei ruhiger Radiomusik bis mein Handy vibriert und Oliver sich meldet, dass er draussen ist. Wie sieht Oliver wohl aus? Ist er gutmütig oder starrsinnig? Ich bin gespannt. Denn wir kennen uns gar nicht. Oliver hat mir auf mein damaliges Angebot für ein Island Abenteuer in einem Pinzgauer Internetforum geantwortet.

Nun kommt mein Einsatz mit dem Abholen an der Ankunft. Ich starte das Fahrzeug und fahre die nächsten Minuten zum Flughafen. In der Nähe der Busse steht ein einzelner Mann mit Rucksack. Dass muss wohl Oliver sein. Mit einem netten Zuwinken war die Sache klar. Ich halte an und lasse ihn einsteigen. „Cool von einem Pinzgauer abgeholt zu werden“, waren seine ersten Worte. Das Eis war natürlich sofort gebrochen.

Nun ging es erst mal zurück auf den Camping, wo meine letzte Ladung Wäsche noch im Trockner lag. Während ich diese aus dem Wäscheraum holte und danach begann diese zusammenzufalten, richtete sich Oliver im Fahrzeug ein. Schuhe hier, Kleider dort und Rucksack unters Bett. Bald war auch schon Zeit für das Nachtessen, welches ich bereits „On Board“ hatte. Geschnetzeltes mit Kartoffelstock war an diesem Abend angesagt. Nach dem Essen beugten wir unsere Köpfe über die Karte und schmiedeten einen Schlachtplan für die nächsten Tage. Ein wenig Touristenattraktion hier und etwas mehr Westfjorde da, das war schliesslich unsere gemeinsame Entscheidung.

Am nächsten Morgen nach einer gemütlichen und ruhigen Nacht, hallte der Wecker schon um 7.30. Ungewöhnlich früh, wurde es doch mit Astrid meist später. Nach den üblichen Dingen von Frühstück bis Abwasch ging es alsbald auch los Richtung Gullfoss und Geysir. Wie bald schon üblich bei mir regnete es auch an diesem Touristentag. So blieben wir dann bei den diversen Orten jeweils auch nicht extrem lange. Gegen späteren Nachmittag fuhren wir dann wie abgemacht auf die F338 oder auch Strommasten-Piste genannt, weil diese die längste Zeit einer Hochspannungsleitung folgt.

 

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Tags darauf folgten wir der Strommasten-Piste weiter Richtung Westen. An der nächst grösseren Kreuzung bogen wir auf die F508 ab. Eine kurze und nicht schwierige F-Piste. Doch Sie war wunderschön zu fahren. Sanft und gemütlich schlängelte sie sich durch ein Tal mit vielen Sträuchern und Büschen und endete in einer grösseren Schotterstrasse am See. Weiter führte sie dem See entlang, jetzt jedoch ohne F. Links und rechts von uns gingen viele Treppen den Hang hinauf und hinunter. Zu unserem erstaunen verschwanden diese in Kürze zwischen den Bäumen. Jawohl Bäume. Wir haben den ersten grösseren waldartigen Ort entdeckt ins Island. Auf der weiteren Strecke begegneten wir sogar noch Holzschlag am Strassenrand. Ein Novum fürs Auge hier. Ist doch normalerweise diese Insel ziemlich baumlos und kahl.

 

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Unser nächstes Ziel war ein Hotpot in der Lavalandschaft. Der „Tümpel“, wie er von uns genannt wurde, befand sich mitten in einer grün überwachsenen Lavalandschaft. Umgeben von kalten Bächen und Sumpf befand sich tatsächlich der besagte Tümpel. Mit Dampf ähnlichen Schwaden zeigte er uns seine Wärmekraft und versprach uns ein wohltuendes, warmes Bad.

 

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Wir konnten uns kaum lösen, fühlten wir uns doch so herrlich im trüben heissen Wasser. Doch Oliver trieb den Hunger hinaus. Und da ich eher die Kochrolle innehabe, zog ich eben nach. Auf uns wartete ein feines Thymian-Poulet und ein gemütlicher Abend mit ein paar Gesellschaftsspielen.

Nach einem weiteren „Tümpel-Bad“ am Morgen machten wir uns auf den Weg nach Norden. Unser Tagesziel war Drangnes in der Nähe von Holmavik. Da blieben mir noch die Hotpots des letzen Besuches mit Astrid in Erinnerung. Oliver liess sich von meiner Beschreibungen sofort überzeugen. Auf dem Weg dorthin hörte ich im Pinzi plötzlich ein mir unbekanntes Geräusch. Aber zuordnen konnte ich es nicht und funktioniert hatte auch weiterhin alles. Auf dem Camping in Drangenes bereiteten wir gerade unser Nachtessen zu, als uns ein deutscher Herr ansprach. Er teilte uns freundlich mit, dass der Luftdruck im hinteren linken Reifen wohl etwas wenig sei. Mit ungläubigen Äusserungen begaben wir uns hinter das Fahrzeug und sahen tatsächlich einen Reifen ohne Luft. Nun wusste ich auch, wo das neue Geräusch herkam. Ein ausgewachsener Plattfuss. Sogleich pumpte ich den Reifen mit meinem Kompressor wieder auf, damit ich auf den Kiesplatz fahren konnte. Dort wechselten wir den Plattfuss mit dem Ersatzrad vom Dach aus. Dies alles geschah unter den interessierten Blicken der unweit entfernten italienischen Motorradfahrer. Innert Kürze standen wir wieder fahrbereit auf der Wiese und wir konnten uns den Hotpots am naheliegenden Ufer zuwenden.

 

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Der nächste Tag stand im Zeichen der Mission „Reifen-Reparatur“. In Holmavik fanden wir zwar den Dorfmechaniker, aber er konnte uns auch nicht weiterhelfen. Seine Reifenmaschine sei defekt, teilte er uns mit und verwies uns auf das naheliegende Hotel in Reykjanes. Wie bereits schon vermutet, gab es natürlich auch da keine Werkstätte. Doch brachte uns die Aussage des Rezeptionisten über den „Stupid Mechanic“ in Holmavik zum Lachen, welcher immer alle potenziellen Kunden in dieses Hotel hier schickte. Unser Weg führte also weiter nach Isafjördur, der grössten Stadt in den Westfjorden. Auf dem Weg dorthin machten wir noch Halt auf der mir bekannten „Robben-Sonnenbank“. Doch dieses Mal waren um einiges weniger Robben anwesend als beim letzten Mal mit Astrid. Doch langsam drängte die Zeit, denn es war Freitag und schon gegen 16.15 Uhr. Eine Stunde später erreichten wir endlich Isafjördur und Oliver bemühte sich sogleich bei anwesenden Passanten, die Lage der nächsten Garage ausfindig zu machen. Beim Hafen hinter dem gelben Haus, neben der Tankstelle sollten wir gemäss Aussagen fündig werden. Und ja, tatsächlich war hier eine Werkstätte. Doch schloss diese bereits um 17.00 Uhr. Doch Oliver ging trotzdem noch freundlich fragen und uns wurde sogleich zugesichert, das Problem noch jetzt zu beheben. Kurze Zeit später war der alte Schlauch im Reifen gegen einen neuen aus meiner Ersatzteilkiste getauscht und wir waren wieder Flott mit dem richtigen Reifen auf der Achse. So gingen wir frohen Mutes noch im Netto und Bonus einkaufen und die Benzin Tanks bei der naheliegenden Tankstelle füllen. Den Tag beendeten wir dann auf dem Camping mit feinen gebackenen „Apfelspalten“ von Oliver und guten Musikklängen aus dem Laptop.

 

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Der frische Brötchenduft des nächsten Morgens hob unsere Stimmung auf unbekannte Höhen. Wunderschönes Wetter mit blauem Postkarten-Himmel trug das Übrige bei. Heute wollten wir eine auf der Strassenkarte gestrichelte Fjordumrundung in Angriff nehmen. Wir sind gespannt, was uns da wohl erwartet. Wir bogen also nun von der Hauptstrasse rechts ab und folgten dem Weg in Richtung Fjordspitze. Dieser führte durch Geröllhänge mit dazwischen liegendem Gras. Plötzlich gab die nächste Kurve eine wunderbare Sicht auf einen Hang links von uns frei. Dieser war saftig grün wie in einem tropischen Regenwald und die Strasse schlängelte sich nach ihm langsam die Klippen empor.

 

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Am nächsten Eck des Fjords stand der Leuchtturm zur rechten Seite von uns. Doch uns zog es noch weiter. Wir folgten der Strasse, welche sich langsam zum Meeresufer hinunter senkte. Steil ging es bergab, bis wir nur noch knapp über dem Meeresspiegel waren. Die Strasse bestand nun hauptsächlich noch aus grossen runden Steinen, welche das Meer Tag ein Tag aus in Bewegung hält. Neben uns türmten sich haushohe Klippen, von denen Wasser hinunter rinnt und der Wind die Tropfen in alle Richtungen trägt. Wir können uns an diesem Anblick fast nicht satt sehen und beschliessen kurzerhand, uns in der nächsten Ausstellfläche für die Nacht einzurichten.

Dieser Nachtplatz war für uns wirklich gewaltig und wir erwähnten das noch mehrmals während des ganzen Abends. Später am Abend liessen sich zur Krönung dieses Tages noch einige Wale blicken, welchen wir mit dem Fernglas einige Zeit folgten. Flosse hier und Wasserfontaine da. Schön, diesen gemütlichen Riesen zuzuschauen. Doch irgendwann wurde es auch für unsere Augen zu dunkel und es zog uns ins warme Bett.

 

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