10 Tage Oliver – Teil 2

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Oliver wollte unbedingt noch den Dynjandi oder Fjallfoss anschauen. So machten wir uns nach dem üblichen Morgenritual auf den Weg dorthin. Ich habe diesen riesigen Wasserfall mit dem Abfluss eines grösseren Dorfbaches schon mit Astrid besichtigt. Doch war es auch dieses Mal spannend die Leute dort zu beobachten, wie sie alle zielstrebig den höchsten Punkt erklommen und mit ihrem üppigen Kamerasortiment alle möglichen Winkel ablichteten. Amüsiert verging die Zeit im Flug und schon sassen wir wieder im Pinzgauer, mit dem nächsten Ziel in der Nähe von Flókulandur einen Hotpot aufzusuchen. Doch wir wollten nicht den bereits mir bekannten aufsuchen, sondern einen völlig anderen. Ausgerüstet mit GPS-Koordinaten und einem Foto machten wir uns auf die Suche. Doch die Koordinaten waren komplett falsch und auch die Suche nach dem Blickwinkel wie auf dem Foto führte nicht zum gewünschten Erfolg. Etwas enttäuscht, das warme Nass nicht gefunden zu haben, beschlossen wir kurzerhand auf die Gláma-Piste hochzufahren. Diese Piste, welche sich entlang einer Stromleitung über das Gláma Gebirge schlängelt, habe ich mit Astrid schon mal befahren. Doch an der Abzweigung im Gebirge ging es für dieses Mal rechts und nicht wie damals links. Der Weg ging noch einige Zeit in akzeptabler Qualität weiter. Es zogen moosbedeckte Steine an uns vorüber und es erstreckten sich immer wieder wunderschöne Blicke auf das entfernte Meer. Wir näherten uns dem höchsten Punkt der Überfahrt. Das Gefühl sagte uns, dass wir hier ebenfalls bleiben sollten und so stellten wir unseren YellowOne fix für die Nacht ab. Die Sonne schien wunderbar auf unser Fahrzeug und es war wie selten in Island mal etwas windfrei. So taten wir, was man wohl als guter Mann in dieser Situation tun muss. Wir setzen uns mit einem kühlen Bier an die Sonne und genossen die Zeit.

 

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Als die Sonne sich tief in den Horizont neigte, wurde es langsam kühler und wie verzogen uns ins Fahrzeug. Dort wartete der nächste Höhepunkt des Tages auf uns: Raclette mit diverse Beilagen. Für Oliver war das komplett neu. Er hatte schon oft von dieser Schweizer Spezialität gehört, jedoch aber noch nie davon kosten können. Nun eben mit Island-Käse, doch es gelang vorzüglich und Oliver war begeistert 🙂

Für den folgenden Tag nahmen wir uns vor, eine grössere Strecke zurück zu legen, damit wir noch etwas Freiraum haben zur Besichtigung der Lavahöhlen an der F578. So ging es am Morgen an die Abfahrt vom Gebirge und kurz danach Bogen wieder auf die nächste F-Strasse ab. An dieser bin ich mindestens schon drei Mal vorbei gefahren und nun wollte ich auch endlich mal drauf. Die F66 in den Westfjorden ist die einzige Verbindungsstrecke quer über das Gebirge von Norden nach Süden. Ansonsten bleibt einem nur der Weg über alle Fjorde entlang der Küstenlinie.

Die F66 war eine angenehme Piste mit wenigen Hindernissen. Sobald es eine F-Strasse wird, sind diese meist in gutem Zustand. Unzählige kleine Furten querten unseren Weg. Mit der Zeit machten wir uns einen Spass daraus und fingen an diese zu zählen und zu bewerten. Ist das nun eine ganze Furt? Oder nur eine halbe? Oliver legte das Mindestkriterium fest, dass das Wasser fliessend über den Weg strömen muss. Während unseren Zählungen tickte der Zeiger auf der Uhr und die Kilometer auf dem Tacho summierten sich. Schon bald bogen wir von der F66 ab auf die normale Teerstrasse und es ging wieder flott voran. Knapp 10 Stunden nach unserer Abfahrt schlugen wir unser Lager an der Küste gegenüber von Hvammstangi auf. Dieser Nachtplatz war mir bereits bekannt, hatten doch Astrid und ich hier mal eine gemütliche Nachmittagspause eingelegt.

 

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Die nachfolgende Zeit war dann wirklich unspektakulär. Wir waren beide Müde und so gab’s auch nur noch Suppe und Würste aus der Bordküche und das Bett rief uns mit lauter Stimme zu sich. Doch der Nachtplatz war ideal gelegen. Direkt an der Einfahrt zur F578, auf welche wir am nächsten Tag wollten. Diese führt als längere, oft staubige und etwas steinige Piste in Richtung Lavahölen nach Süden. Ein paar Kilometer vor den Höhlen kam dann noch Olivers erste „richtige“ Furt. Kein Bächlein, kein Rinnsall, nein, ein wirkliches Wasser und eine nennenswerte Furt. Langsam fuhr ich mit dem Pinzgauer hinein und bemerkte, dass sich viele grosse Steine darin befanden. So ging es im Schritttempo durch das kalte Nass und das Wasser stand dem Pinzgauer schon bis zur Oberkante der Reifen. Passt, noch genügen Luft und unser YellowOne steckt das problemlos weg. Dann ging es wieder flott weiter. Der Parkplatz der Höhlen rückte in Sichtweite, obwohl diese in dem Moment doch arg beschränkt war. Nach wunderschönen Tagen in den Westfjorden, knauserte das Wetter an diesem Tag nicht mit Regen und Nebel. So machte ich nach der Ankunft erst mal Brotteig und der Pinzgauer wurde mit der Standheizung etwas auf Wohlfühltemperatur gebracht. Nach dem der Teig bereit war fürs gehen lassen, machten wir uns bereit und gingen ebenfalls. Wir stampften durch den Regen zum Höhleneingang und versanken in der schönen Dunkelheit. Raben schwarz präsentierte sich die Höhle. Angeschmorter Stein, wie wenn jemand mit dem Bunsenbrenner nur mal schnell Zucker karamellisieren wollte. Es tropfte teilweise von den Decken und man hörte es hier und mal da „Blubb“ machen. Der Ausgang des ersten Höhlensystems dieses Tages war wunderbar mit Moos bewachsen. Die Farben von tiefstem Schwarz und grünem Moos beeindruckten uns doch sehr, da es komplette Kontraste waren. Einst lebensbedrohlich heiss und heute Lebensraum für eine spärliche aber genügsame Pflanzenwelt.

 

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Das letzte Mal, als Astrid und ich hier mit Bernd unterwegs waren, hatte er uns eine weitere Höhle gezeigt. Ebenso frei zugänglich, doch viel weiter hinten und die meisten der Touristen sehen diese nicht einmal. So begaben auch wir uns zum nächsten Eingang und tauchten erneut ab. Doch diese Höhle ist viel ursprünglicher wie die anderen. Erdbeben und ähnliches haben noch nicht zum Niederfallen von Steinen an der Decke geführt. So sieht man hier noch die erstarrten Lavatropfen von der Decke hängen. Tiefe schwarze Kavernen liegen vor uns und der Strahl der Taschenlampe wird förmlich von den Wänden verschluckt. Oliver packt sofort fasziniert seine Kamera aus und versucht diese unglaubliche Ansicht digital festzuhalten. Keine Ahnung, wie lange wir dort unten verbrachten, als wir wieder hoch kamen, sahen wir blauen Himmel und der Teig war bereit fürs Backen. Also ab in den Omnia Backofen und den Teig zu Brot werden lassen. Als Abschied von der schönen Landschaft gibt es für Oliver und mich heute nochmals Isländisches Lamm. Welch ein Gaumenschmaus vor dem letzten kompletten Tag.

Eine kurze Nacht später steht die Abreise von Oliver schon kurz bevor, ich starte den Pinzgauer und wir fahren auf der Hauptstrasse Richtung Reykjavik. Gegen Mittag sollten wir dann auch in der isländischen Hauptstadt sein. Die gewählte Route führt der gegenüberliegenden Seite des Fjordes von Reykjavik entlang, bis wir von einem Untersee-Tunnel überrascht werden. Die Entscheidung für den Tunnel mit einer Maut von rund 1000 ISK (knapp 8 Euro) gegen 60 km weiteren Weg viel uns nicht schwer. Und so ging es Vollgas weiter Richtung Hauptstadt. Oliver möchte hier noch etwas durch die Gassen schlendern und das eine oder andere Souvenir erwerben, für seine Jüngsten und Liebsten Zuhause. Nach kurzer Parkplatzsuche finden wir uns auch schon bald in den von Touristen überfüllten Gassen wieder. Wir nehmen uns also gut zwei Stunden Zeit und schlendern ein wenig durch Reykjavik.

Als wir unseren Kurzbesuch in der nördlichsten Hauptstadt Europas beendet haben, fahren wir mit dem YellowOne zur nächsten N1 Tankstelle und waschen ihn erst mal gründlich. Siehe da, es kommt doch wieder Gelb zum Vorschein.
Wir machen uns nun mit einem gelben Pinzgauer auf die vorerst letzte Etappe für Oliver, nach Sandgerði auf dem Campingplatz, wo uns noch das Putzen bevorsteht und danach den letzen gemütlichen Abend. Es gibt Chilli con Carne mit Reis und schönes Wetter mit blauem Himmel. Ich nehme mir gemütlich Zeit diese Zeilen zu schreiben und Oliver liegt auf dem Bett und schreibt gemütlich mit dem Bleistift seine Reise-Erlebnisse in sein Buch. Es wird spät am Abend, obwohl wir doch früh aufstehen müssen.

Früh morgens bringe ich Oliver an den Flughafen Keflavík und verabschiede mich von einem Menschen, der als Unbekannter kam und nun als Freund geht. Es war eine tolle Zeit und eine super Erfahrung mit einem mir nahezu unbekannten Menschen. 10 Tage waren wir gemeinsam auf Reisen durch das wilde Island. Jeden Tag lernten wir uns besser kennen und hatten Spass zusammen =) 10 Tage sind vorbei. Nun heisst es „Tschüss Oliver“ und „Hallo Diego“.  Wer ist das? Das erfahrt ihr bald im nächsten Beitrag. See you soon @ Pinzgauer-Reisen.ch

 

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2 Responses

  1. Martin

    Hallöchen,
    ich schon wieder. 🙂
    Wieder schön geschrieben. Bin nun gespannt auf Diego.

    Bis denne

    Martin

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