Diego der Spanier

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Wie vor Monaten besprochen kam nach Oliver nun Diego für die nächsten 14 Tage zu mir auf die Insel. Diego, ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, konnte sich trotz seines spanischen Blutes begeistern lassen, mit dem Pinzgauer im kühlen Island unterwegs zu sein. Wichtig war für ihn einfach, dass die nächsten Tage möglichst wenig Leute sichtbar sind. Weg von den Menschen und rein in die Natur. Und von dieser hat Island wahrlich genügend zu bieten.

Nach dem Abholen am Flughafen ging es aber zuerst wieder zurück auf den Camping, auf dem ich schon mit Astrid und Oliver war. Es muss ja noch die Wäsche gewaschen werden, so dass mein Gast auch ein sauberes Bett hat und ich wieder genügend Unterwäsche für die nächsten Tage. Wir verbrachten einen schönen Tag auf dem Platz mit einem kühlen Bier und leider etwas viel Wind. Zum Nachtessen bereitete ich Wurstsalat zu. Schweizerisch für den spanischen Gast. Wir besprachen später  am Abend noch unsere ungefähre Route, welche diesmal nach Nordosten der Insel führen sollte. In diesem Teil war ich bis jetzt selbst noch nicht unterwegs gewesen. So stand also nach kurzer Zeit schon unser Plan für die nächsten Tage. Wir genossen noch den Abend bei weiterem Bier und Gesprächen und irgendwann ging es dann auch ins Bett.

Am nächsten Morgen wurden wir vom Wecker aus unserem Schlaf gerissen. Ich stellte ihn kurzerhand ab und legte mich nochmals hin. Draussen windete es noch immer ziemlich stark und das förderte nun auch nicht unbedingt unsere Motivation. Doch irgendwann wollten wir ja auch los und so bereitete ich dann mal das Frühstück zu. Nach allen Dingen die halt jeden Morgen zu erledigen waren, haben wir uns aufgemacht zum nahegelegenen Kronan und Bonus Supermarkt, um für die nächsten Tage einzukaufen. Wir wollen ja weit weg von Menschen und dafür sollte auch genügend Essbares an Bord sein. In den nächsten Tagen gibt es nun einen bunten Mix; von Spaghetti Carbonara bis hin zu spanischer Tortillia. Der kulinarische YellowOne ist wieder auf Tour 🙂

Unsere erste Etappe führte uns Richtung F35 bzw. der Kjölur Route, welche Quer durch Island reicht. Auf dem Weg dorthin passierten wir den für mich mittlerweile fast schon obligaten Geysir und Gullfoss.Wenigstens das erste mal mit Sonne.  Beim Geysir hielten wir nochmals kurz an. Beim Gullfoss dagegen fuhren wir spassend an den vielen Touristen vorbei. Kurz nach diesem fuhren wir auf die F35 auf. Ab da nur noch Wellblech und Schlaglöcher für die nächsten Kilometer. Durch das späte Aufstehen und die nötigen Erledigungen war nun der Tag auch schon fortgeschritten. Wir überlegten uns bereits, wo wir die erste Nacht verbringen wollten. Diego fand eine Seitenstrasse zur F35, welche zu einem See führte. In diesen mündet an zwei Stellen der zweit grösste Gletscher Islands, der Langjökull. Eine wunderbare Aussicht bot sich uns und wir beschlossen zu bleiben. Es windete nach wie vor stark, so dass heute drinnen gekocht wurde.

 

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Am nächsten Tag wollten wir weiter der F35 folgen bis zur Hütte Svartábotnar, um das thermische Gebiet zur besichtigen. Doch davor kommt noch die Abzweigung zur 4×4 Strecke vor dem Hofsjökull Gletscher. Diese wollten wir eigentlich später nehmen als Verbindung zur F756 und F26. Dort angekommen las ich allerdings das Schild „Bitte fahren Sie nicht alleine…..Treibsand und starke Strömungen“. Die Isländer schreiben das garantiert nicht einfach so zum Spass. Während des Besuchs des thermischen Gebietes beschloss ich, dass wir dort nicht durchfahren und stattdessen einen U-Bogen unten herum über die F734 und eine weitere No-Name 4×4 Piste machen. Doch zuerst erkundeten wir das Thermalgebiet und gingen noch in den Hotpot bei der Hütte. Diego gönnte sich danach eine vorzügliche Fischsuppe als Vorspeise für das später folgende Nachtessen.

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Gegen Abend fuhren wir bei der Hütte los und folgten weiter der F35 bis rechts unsere Abzweigung auf die F734 kam. Dort blieben wir an einem schönen Abschnitt stehen. Unser Nachtlager befand sich ca. 1km vor der Blanda. Dieser Fluss ist auch auf der von mir gemiedenen 4×4 Strecke zu durchqueren. Die Blanda ist ein Gletscherfluss, den ich gerne am nächsten Morgen sehr früh überqueren wollte. Denn dieser ist nicht zu unterschätzen. Ich rechnete fast fix damit, dass ich dort nicht durchfahren kann. Ich machte deshalb Diego an diesem Abend klar, dass wenn wir hier nicht durchkommen, noch ein weiterer Umweg bevorsteht und ich nicht ein unnötiges Risiko eingehen würde.

An diesem Abend gab es Fast-Food. Burger standen auf dem Programm. Doch die Tomaten liessen sich mit dem Küchenmesser fast nicht schneiden. Als Junge, der auf dem Bauernhof aufgewachsen ist, zeigte mir Diego wie man das Messer mit einem Stein schleifen kann. Etwas skeptisch willigte ich ein. Überrascht stellte ich dann jedoch fest, dass nun das Messer wirklich wieder schnitt. Stein und Wasser ist das Geheimnis 🙂

Wir beschlossen für den nächsten Morgen früh die Furt zu durchqueren und uns erst danach das Frühstück mit den tollen Aufbackbrötchen zu gönnen. Quasi als Belohnung für den Nervenkitzel. So stand ich kurz vor 8 Uhr am Flusslauf der Blanda. Sie führte jetzt im Herbst wirklich wenig Wasser. Der ganze Flusslauf war doch gute 40-50 m breit. Und mir schwebte noch immer das gesehene Youtube Video vor Augen, vom abgetriebenen Geländewagen hier an dieser Stelle. Doch momentan führte sie nur in einer Schneise von knapp 20 m Wasser. Vorsichtig wagte ich mich mit der Vorderachse in das trübe Wasser. Kurz vor meiner No-Go Tiefe erreichte ich mit den Rädern den Grund und traute mich hindurch. Schwubs war ich auf der anderen Seite ohne weitere Probleme. Puh, alles gut gegangen und halb so schlimm wie gedacht. Es ging zügig weiter auf der Piste, bis wir dann beschlossen noch gemütlich zu Frühstücken. Wir folgten nach unserem Frühstück weiter der F734 bis zur Abzweigung unserer No-Name 4×4 Piste. Diese sollte unsere neue Verbindung zur F756sein, welche wir ursprünglich über die Strecke vor dem Hofsjökull erreichen wollten. Es zeigte sich vor uns eine wundervolle Traverse ab. Besonders Diego hatte diese Strecke enorm gefallen. Total Menschenleer und wunderschön. Hier ist die Welt noch leer und die Freiheit fast grenzenlos. Auf der F756 angekommen, fanden wir an einem See einen schönen Platz für die nächste Nacht.

 

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Am nächsten Morgen wachte ich auf und öffnete den Fensterladen. Es blitzte mir eine aalglatte Seeoberfläche entgegen. Totale Windstille. Fast eine Seltenheit hier in Island. Wir konnten sogar unser Frühstück draussen an der Sonne geniessen. Wunderbar! I like this life.

Wir fuhren weiter auf der F756 zur Laugafell-Hütte und bogen dort ab auf die F821. Diese führte direkt nach Akureyri, der zweit grössten Stadt hier in Island. Es sollte nämlich mal wieder etwas Benzin in den Tank fliessen, bevor wir den Campingplatz nähe Husavik ansteuern. Diesen hatte ich zuletzt mit Astrid besucht und ich freute mich auf eine heisse Dusche. Sind doch echt witzig die Unterschiede zu uns. Wir sprechen hier in der Schweiz alle von Wasser und Energie sparen. Auf diesem Campingplatz wird in der Dusche einem ganz schlicht empfohlen „Is the shower not warm at the moment so turn on one or more other“. So einfach kann es sein, wenn man quasi auf der Energie sitzt wie hier auf der Insel aus Feuer und Eis. Heute bereitete Diego unser Nachtessen zu. Spanische Tortillia gabt es und dazu ein saftiges Steak.

 

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Am folgenden Tag führte uns die Strecke mehrheitlich auf „normalen Strassen“ weiter. Obwohl das hier in Island ein weiter Begriff ist. Ist doch meistens fast jede Strasse neben der Ring-Road eine Schlaglochpiste. Wir fuhren Richtung Krafla Vulkan Gebiet. Wahnsinnig, wie das dortige Themal-Kraftwerk noch immer Energie ablassen muss. In Sekunden geht dort Energie verloren, was vermutlich ein ganzes Einfamilienhaus in einem Jahr nicht braucht. Keine Kunst, hier liegt doch etwa die Magma Kammer dieses Vulkanes nur ca. 3-7 km tief unter der Erde. Geologisch gesehen also fast nichts. Wir unternahmen ein Spaziergang auf dem dampfenden Lavafeld und genossen bei schönstem Wetter die Aussicht auf die Umgebung.

 

 

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Unsere weitere Route sollte direkt hinter dem Krafla beginnen. Doch diese Strasse war abgesperrt. So mussten wir eben einen Umweg in Kauf nehmen, um in das Gebiet hinter dem Krafla zu kommen. Wir fuhren nochmals in Richtung Husavik und bogen dann aber vorher rechts ab, bis wir das Krafla Gebiet von hinten sahen. Wir folgten zuerst fast endlosen Pisten aus Sand. Nur langsam wechselte die Landschaft zu Lavagestein und Moos. Unser Nachtplatz fanden wir mitten im Lavafeld auf einer Felsplatte. Dort konnten wir unseren YellowOne parkieren, ohne dass wir die Natur zerstörten.

 

Tags darauf fuhren wir die eingeschlagene Route weiter. Nun mehrheitlich auf „normalen“ Strassen. Kontinuierlich ging es in Richtung Nordosten. Unser Nachtplatz schlugen wir diesmal am Ufer des Meeres auf. Diego beschloss sofort ein Lagerfeuer für den Abend zu errichten. Denn Holz ist hier an der Nordostküste reichlich vorhanden. So genossen wir nach dem Nachtessen den Abend draussen am Feuer, welches uns von aussen wärmte. Der Coniac wärmte uns indessen von innen.

 

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Am folgenden Tag fuhren wir weiterhin der Strasse entlang. Es zogen viele Sumpf-ähnliche Gebiete an uns vorüber. Eine komplett andere Landschaft als das Island ,wie ich es vom Hochland her kenne. Keine grossen Spuren von Vulkan und Feuer, sondern feucht und nass überall. Unser Tagesziel war Porshöfn und der dortige Campingplatz. Er bildete für uns den Ausgangspunkt für den kommenden Tag. Wir wollten zum Leuchtturm am Ende der Landspitze. Eine Strasse führte dahin, doch in welchem Zustand sie ist, wissen wir nicht und so rechneten wir mindestens einen ganzen Tag ein.

Auf dem Weg begegneten wir dem zweiten mir bekannten Flugzeug, welches einfach so im Nichts lagt. In Vik im südlichen Island liegt ebenfalls eine DC3. Doch jenes ist komplett überfüllt mit Touristen, seit Justin Bieber dort ein Musik Video gedreht hatte. Hier jedoch lag ebenfalls ein baugleiches Flugzeug neben der alten Piste. Doch nebst Pferden, die gemütlich weideten, fanden wir niemand anderen hier. Gemütlich ging ich das Flugzeug anschauen und war verwundert über die Platte, die drinnen angebracht ist. Diese beschreibt in kurzen Worten, wer hier abgestürzt ist. Demnach ist solch eine Platte wohl günstiger als das Frack zu entsorgen, dachte ich mir und machte noch ein paar Fotos.

Wir fuhren zurück auf die Piste und schlangen uns kontinuierlich Richtung Leuchtturm, vorbei an grossen Klippen und endlosem grünem Weideland. Schwemmholz im Überfluss säumte die Strände. Es war schönstes Wetter mit strahlendem Sonnenschein. Irgendwann erblickten wir in der Ferne unser Tagesziel; den Leuchtturm. Einsam und alleine steht er ganz vorne an der Spitze der Landzunge. So schön war es hier, wir blieben sogleich für die kommende Nacht und genossen einfach das Sein. Das Leben ist so schön. Solch ein Nachtplatz wünschte ich mir seit Jahren. Endlich wurde ich fündig. Einsame Klippen, Schafe und einen Leuchtturm. Ein kleiner Traum ging in Erfüllung. Doch nebst dem Traum rief auch noch die Pflicht. Brotteig musste ich noch zubereiten, sonst gibt es kein Frühstück morgen.

Doch ich genoss es einfach in der Wiese zu sitzen und aufs Meer zu schauen. Stundenlang könnte ich das tun. Hinter mir das eine oder andere Schaf gemütlich am Gras fressen. Diego streunte in dieser Zeit auch etwas hin und her und suchte auf den Klippen nach etwas brennbarem. Er wollte nochmals ein Lagerfeuer entzünden. Ich stellte mir das jetzt schon toll vor. Lagerfeuer auf einer einsamen Landzunge. Yes, i like.

 

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Der nächste Tag war leider nicht mehr so wunderschön. Regenwolken hingen am Himmel. Nur noch eine Frage der Zeit bis der gespeicherte Regen auch fällt. Zurück in Porshöfn gönnten wir uns zu Mittag einen Besuch im Restaurant. Ich nahm das Tagesmenü mit Fisch und Diego kostete einen Wal. Verwundert wurden wir gefragt, was wir hier in der Gegend tun, normalerweise kommen die Gäste nicht für längere Zeit hierher. Doch wir waren die zwei Tage davor schon hier auf einen Kaffee gewesen und wurden ein weiteres Mal herzlich begrüsst.

Nach unserer Abreise im Restaurant begann es langsam zu regnen und hörte bis spät in den Abend nicht mehr auf. Wir fuhren nun Richtung Dettifoss, welchen ich gerne noch besichtigen wollte. Doch wir verschoben dies auf den folgenden Tag und lissen uns für die Nacht bei einem Guesthouse auf dem Campground nieder. Der nächste Tag wurde dann wie im Wetter-App versprochen etwas besser. Es regnete nicht. Wir fuhren wie geplant zum Wasserfall und hatten diesen besichtigt. Wahnsinn, wie die Leute auf der gegenüberliegenden Seite sich in Gefahr brachten und quasi am Abgrund standen. Eine Windböe und sie würden den direkten Weg nach unten nehmen.

Nun traten wir langsam wirklich den Rückweg an Richtung Reykjavik. Diesmal ohne grosses Hochland, ziemlich auf direktem Weg auf der Ringstrasse. Einzig die F586 nahmen wir noch um noch einen tollen natürlichen Hotpot zu erreichen. Ich nannte ihn den „Tümpel“, denn das war es auch wortwörtlich. Ein Weiher voller Wasser irgendwo. Alles was drum herum fliesst ist kalt, nur dieser Tümpel ist warm. Wir genossen eine abschliessende einsame Nacht dort, bevor es am nächsten Tag endgültig nach Reykjavik ging.

 

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Wie erwähnt ging es nun über die schnellen Strassen nach Reykjavik. Wir wollten in dieser Stadt noch eine Nacht verbringen und sie etwas besichtigen. Auch die eine oder andere Bar sollte noch von innen inspiziert werden. Nightlife in Reyklavik.

Nun bald folgt auch schon wieder der Abschied von Diego dem Spanier. Wir fahren auf den Campingplatz nähe des Flughafens. Am folgenden Morgen in der Früh werde ich Diego an den Flughafen bringen. Dann heisst es „Adios Amigo“ und „Hi Daddy“ 🙂 Genau. Der nächste Gast für zwei Wochen ist mein Vater. Ich freue mich sehr auf ihn.

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4 Responses

    • Astrid

      Hallo Martin
      Schön, dass du unser Blog so aktiv mitverfolgst!
      Ich bin auch ganz schön gespannt auf den Papa und was ich alles verpasst habe, während Michel noch länger Island geniessen durfte und ich schon wieder zu Hause am schuften war 😉
      Liebe Grüsse
      Astrid

    • Astrid

      Hallo Diego
      Ihr scheint ganz schön viel erlebt zu haben. Ich freue mich, dass es dir so gut gefallen hat mit Michel unterwegs zu sein!
      Liebe Grüsse
      Astrid

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