Hi Daddy – Papa on Board Teil 1

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Früh am Morgen machen Diego und ich uns bereit für die Abfahrt. Das Gepäck liegt bereit und es geht zum Flughafen Keflavik. Das Wetter wurde noch immer nicht besser. Es ist trüb, kühl und nass in Island. Der Nebel versperrt einem die weite Sicht und am liebsten würde man im Bett liegen bleiben. Doch der Flug von Diego wartet nicht und mein Vater möchte ich auch ungern länger im Regen stehen lassen. So brechen wir ohne grosses Frühstück auf und fahren zum Abflug. Diego hüpft aus dem Yellow-Flughafenexpress und wir verabschieden uns. Ins Flughafengebäude traue ich mich seit dem Rüffel bei Astrid’s Abschied jedoch nicht mehr. Ich fahre los und stelle mein Grosser auf den nahen Parkplatz an der Zubringer-Strasse zum Flughafen und warte auf das Klingeln meines Handys. Es windet draussen und die Regentropfen prasseln an die Scheibe, Musik läuft und es wird langsam kühl im Führerhaus.

Endlich vibriert mein Handy und gibt Lebenszeichen von sich. Mein Vater hat wohl den Ausgang erreicht und wartet auf mich. Ich drücke auf den runden schwarzen Knopf auf dem Armaturenbrett und der Motor fängt an sich in Bewegung zu setzen.

Ja, da steht mein Vater. Mit Lachen werde ich empfangen. Schnell das Gepäck ins Fahrzeug und ab geht’s auf den Campingplatz. Wir haben knapp etwas nach 8 Uhr in der Früh gemäss isländischer Zeitrechnung. Und so gehen wir als erste Handlung nach der Ankunft auf dem Camp-Ground nahtlos ins Frühstück über.

Der Tag verbringen wir gemütlich mit diversen Dingen. Ich bin mal wieder am Wäsche waschen, damit ich die nächsten Tage wieder saubere Kleider habe und auch mein Vater ein sauberes Bett für die kommende Zeit. Bei der Routenplanung wurden wir uns auch recht schnell einig. Diesmal geht es zuerst auf die Halbinsel beim Snæfellsjökull. Diesen Teil von Island habe ich auch noch nicht gesehen. So übernachten wir voller Freude und hoffen auf besseres Wetter am nächsten Tag.

Vergeblich. Es regnet nach wie vor draussen und alles ist nass und neblig. Wir steuern den nahegelegenen Kronan und Bonus für die Nahrungsmittel-Jagt an und suchen uns da Leckereien aus dem Regal. Bald war auch alles verstaut im Fahrzeug und wir wollten weiter.

Ich drücke den schwarzen Knopf auf meinem Armaturenbrett. Der Starter orgelt aber der Motor gibt keine Lebenszeichen von sich. What? Wir sind doch noch vor keinen 30 min ohne Probleme hier her gefahren. Irgendwann mit Müh und Not gibt er doch ein Lebenszeichen von sich. Wir kommen vom Platz und nun geht’s nach Reykjavik die Tanks füllen für die nächsten Tage. Doch bis wir ankommen geht es noch eine Weile. Irgendwie hat der Grosse einfach kein Saft auf der Maschine. Er läuft nur auf 3-Zylindern. Ich hab irgendwo ein Problem mit dem Zündsystem.

Nach dem die Tanks in Reykjavik gefüllt sind, nehme ich an der Tankstelle alle möglichen Zündungsteile auseinander, finde jedoch an keinem Ort ein Problem. Es wird langsam schon später am Nachmittag und wir sind noch nicht einmal aus der Hauptstadt raus. So machen wir uns vorerst mit 3-Zylindern auf den Weg aus der Stadt und suchen bald einen Platz zum Übernachten und gönnen uns eine ruhige Nacht.

 

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Am nächsten Morgen lief dann der Motor plötzlich wieder einwandfrei. Und auch mir ging endlich ein Licht auf, an was es die ganze Zeit gelegen hat. Es war nur etwas Feuchtigkeit in den Zündverteiler gekommen und hat das ganze System gestört. Nachdem diese mit einem Taschentuch weggewischt wurde, lief wieder alles wie gewohnt und wir nahmen die ausgesuchte Strecke in Angriff. Auf dieser ging es im Sinne „Offroad“ mal richtig zur Sache. Es folgten Passagen auf dem Strässchen, die waren hart am Limit für den Pinzgauer und auch für unsere Nerven. Vor allem die letzten Serpentinen den Berg hinunter mit ihren 180 Grad Kurven und dazu extremen Gefälle. Doch am Schluss wurden wir von einem wunderschönen Regenbogen belohnt.

So ging es weiter auf die Halbinsel bei Snæfellsjökull. Es war draussen die längste Zeit nur nass und neblig und die Sicht ist nicht wirklich berauschend, während wir auf der Hauptstrasse unsere Kilometer fahren. Und an einer Tankstelle erleben wir mal einen wirklich arroganten Touristen. Klassisch wird beim Tanken der Stutzen vergessen und er fährt einfach davon. „Zack“ der Schlauch reisst an der Säule aus. Die Sicherung greift und zum Glück läuft kein Benzin aus. Doch anstatt den dummen Fehler im Roadhaus nebenan zu melden, legt der Tourist die Zapf-Pistole fein säuberlich wieder in die Halterung und fährt davon. Arroganz pur. Ich nerve mich tierisch und gehe es also mit Kennzeichen selbst melden.

Danach fahren wir weiter bis wir auf einen kleinen Campingplatz bei Ólafsvik kommen. Wir können uns so vor das Gebäude stellen, dass wir sauberen Internetempfang haben. Diesen Abend werden wir den wohl auch brauchen. Das Wetter verschlechtert sich markant. Starker Wind und sintflutartige Regenfälle beginnen und halten ziemlich ihre Stärke durch die ganze Nacht. Der Wind reisst am Fahrzeug und der Regen peitscht an die Seitenwand. Wir sind froh, haben wir es hier drin warm und trocken und befinden uns nicht gerade in der Haut des Kassierers, welcher gerade eisern die Gebühr für diese Nacht eintreibt. Auch mit allen in einem Zelt fühlen wir direkt mit. Wir hoffen also auf bessers Wetter die nächsten Tage.

Neuer Tag  – neues Glück. Wir fahren wieder Richtig Hochland und wollen eigentlich von Westen her über die Stórisandur Route Richtung F35 und dann schauen wir weiter. Die Piste fängt malerisch an und wir besichtigen für den Anfang einen restaurierten Unterstand und verewigen uns noch im Hüttenbuch. Die Route schlängelt sich durch eine hauptsächlich steinige Landschaft, welche aber nicht minder interessant ist. Immer wieder treffen wir auf Zeitzeugen aus vergangen Tagen. Doch trotz der totalen Abgelegenheit stehen oft neue Schilder inklusive deutsche Erklärung daneben. Wir sind etwas verwundert, fahren wir doch weit weg von jeglicher touristischen Route. Bei einem Objekt finden wir den idealen Nachtplatz und geniessen die totale Ruhe um uns. Nur wir und der Wind.

 

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Am nächsten Tag erreichen wir die Hütte um Hveravellir an der Route F35. Doch dies mussten wir uns richtig erkämpfen. Das letzte Teilstück der Piste wurde richtig arg steinig und es liegen auch richtige Brocken direkt auf der Piste. Im Schritttempo kurven wir über und um die Steine. Das Fahrzeug schaukelt und ich spüre die Anstrengung in den Armen. Bei der Hütte angekommen, beschliessen wir eine Pause einzulegen und im natürlichen Hotpot ein wohltuendes Bad zu nehmen für unsere ermüdeten Knochen. Auf dem Rückweg zum YellowONE fällt mir der blaue Mercedes 310D neben dem Pinzgauer auf. Auch mit schweizer Kennzeichen. Ich muss leicht Lachen, als ich bemerke, dass dies Dominic und Debbi (www.halloabenteuer.com) mit ihren Freunden sind, welche schon mit uns geschrieben haben. Doch wir dachten, wir würden uns von der Route her komplett verpassen. Aber lobe den Tag nicht vor dem Abend. Die Welt ist eben doch ein Dorf.
Wir beschliessen also spontan den Abend gemeinsam hier zu verbringen und stellen unserer Fahrzeuge zu einer Wagen-Burg auf. Später am Abend sitzen wir alle noch gemütlich in den Hotpot und zu unserer riesen Überraschung sehen wir sogar noch Nordlichter. An diesem magischen Abend kann ich mich von dieser Situation quasi nicht mehr lösen und schaffe es wortwörtlich erst in den frühen Morgenstunden unter die Decke. Bilder hierzu gab es leider keine. Ich war von der Situation so angetan, dass ich alles um mich herum vergass. Stellt euch die Situation vor: ihr liegt hier in heissem Wasser und blickt auf dem Rücken liegend in den Himmel und seht das Licht tanzen.

 

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Doch auch das alles hört irgendwann auf und der nächste Tag ist angebrochen. Ich mache den Vorschlag die Piste zu nehmen, welche vor dem Gletscher Hofsjökull durchgeht. Das ist die Piste, wo noch extra dazu geschrieben steht „bitte fahren Sie nicht alleine, Treibsand und starke Strömungen“. Da habe ich ja das letzte Mal mit Diego gewendet. Doch jetzt wären noch die Freunde mit ihren Landrovern dabei und das wäre doch ein tolles Gespann. Nach kurzem Gespräch kann ich die Truppe überzeugen, dass wir diese Verbindungsroute zwischen F35 und F26 nehmen. Nach kurzem Frühstück geht es los. Wir fahren ein Stück der F35 entlang bis zur Abzweigung. Links von uns zeigt sich bereits der erste Strom. Die Blanda, ein grosser Gletscherfluss, welcher ich weiter unten schon mit Diegeo gekreuzt habe. Doch wie sind die Bedingungen heute hier oben? Der erste Landrover spielt mit einer Leine an meinem Fahrzeug das Versuchskaninchen und bleibt prompt im schwammigen Sand stecken. Doch Aufgeben wollen wir nicht schon am Anfang. Wir haben schliesslich nicht umsonst hochgeländegängige Fahrzeuge. Im zweiten Anlauf kommen wir dann Sachte durch. So tief wie es ausgesehen hat war das Wasser gar nicht. Es folgt eine lange Strecke, welche immer stark am Gletscherende folgt. Gross befahren sieht es hier wirklich nicht aus. Die Piste schlängelt sich durch einsames Hochland ohne grosse menschliche Dinge. Kein Stall, kein Zaun nichts. Tundra-artig könnte man es hier beschreiben. Wir fahren durch unendliche Wasserläufe, welche erahnen lassen, was hier für eine Menge Wasser fliessen muss, wenn der Frühling in vollen Gängen ist. Kein Wunder liest man im Internet über diese Strecke auch von weggeschwommenen Fahrzeugen. Wir fahren über einen grossen steinigen Teil Hochland. Fein gelegtes Kies kilometerweit, wie wenn gleich Platten gelegt werden sollen. Die Landschaft hat augenscheinlich in kürzester Zeit komplett gewechselt. Plötzlich taucht noch auf den letzten Kilometern ein heftiges Stück Fluss auf. Starke Strömung und tiefes Wasser bringen unsere Gefährten nochmals arg in Bedrängnis. Doch mit Seil und Leinen gesichert schaffen wir es. 80 cm Wasser mit starker Strömung hat doch ordentlich am Pinzgauer gerissen. Doch kaum drin waren wir auch schon wieder auf dem Trockenen. Nichts kaputt und eine wunderbare Hochlandquerung. Toll war es. It’s Time to say Goodbye. Hier trennen sich unsere Wege. Unsere neuen Freunde wollen Richtung Westfjorde fahren und wir müssen Richtung Akureyri, da unsere Benzinvorräte doch arg am Ende sind. Wir haben noch 20 Liter in einem Kanister und dann sind wir ausgeschossen. So ändern wir unseren Plan und fahren erstmal in die zweitgrösste Stadt auf der Insel zur nächsten Orkan X und füllen unsere Vorräte an flüssigem Gold.

 

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2 Responses

  1. Martin

    Hallöchen,

    Ja, die alten Motoren mit dem Verteiler. Da kroch schon gerne mal Feuchtigkeit rein. Das war bei solch einem Wetter früher immer der erste Punkt dort nachzusehen. In verschiedenen Kursen gelernt. (Heute ist das Handy das wichtigste Werkzeug eines Autoschraubers bei neuen Autos – von wegen der Hotline)

    …. nur einen arroganten Touristen? Von denen habe ich genug gesehen und die Schnauze voll gehabt. Ich sag nur: Gehirnamputiert. So wie auch viele Fahrer der „Adventurefahrzeuge“. Sehr oft Machos mit fest angwachsener Sonnenbrille – oder braucht man die bei Regen auch?

    Aber die schönen, einsamen Strecken entschädigen dann wieder. Pausen machen und einfach die Natur und die absulute Ruhe genießen. Schade das man immer wieder Vorräte nachfüllen muss. Das müßte doch mit einer guten Drohne zu erledigen sein. 😉 Wer weiß.

    Freue mich schon auf den nächsten Teil.

    • Michel

      Hallo Martin

      Ja die böse Feuchtigkeit. Hab jetzt den ZV mal auf der Werkbank liegen um den etwas zu überarbeiten, so dass wenn ich bald wieder losziehe das Problem hoffentlich nicht so schnell wieder habe. Bald ändert sich nämlich der Blog wieder auf Aktuelles. Noch ein Beitrag von Island und dann sind wir wieder Aktuell. In den nächsten 2-3 Wochen geht es für uns nämlich dieses Jahr wieder los.

      Grüsse Michel & Astrid

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