Hi Daddy – Papa on Board Teil 2

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Nach ordentlichem Einkauf und mit vollem Tank übernachten wir auf dem örtlichen Camping, bevor es dann am nächsten Tag etwas auf der Ringstrasse zurück geht.

Heute regnet es wieder einmal in Strömen. Es macht überhaupt keine Freude so unterwegs zu sein. Wir fahren auf der Ringstrasse bis wir zur Abzweigung der F26 kommen wo wir uns auf der „Sprengisandur-Route“ genannten Piste wieder Richtung Norden arbeiten wollen. Bevor es jedoch wirklich ins Hochland geht, machen wir Schluss und übernachten beim Wasserfall „Aldeyjarfoss“. Der Parkplatz ist wunderbar gerade und erst noch mit einer Toilette ausgerüstet. Doch am nächsten Tag haben wir Glück, es ist trocken und klart etwas auf. Los, wir können ins Hochland. Wir folgen der Piste entlang dem steinigen Hochland von Island. Kurz vor der Hütte bei Nýidalur zweigen wir auf eine parallele Piste ab, welche grundsätzlich seitlich versetzt der F26 folgt. Wir fahren kilometerweise durchs Niemandsland. Wir sind keine 5 km neben der offiziellen F26 mit vielen Touristen und doch so weit weg. Kein Fahrzeug begegnet uns und teilweise ist die Piste kaum mehr erkennbar.  Wir übernachten nochmals komplett einsam im Hochland. Heute ist die erste richtig kalte Nacht. Langsam wird klar, dass es bereits gegen Mitte September zugeht. Die Temperaturen fallen gegen den Gefrierpunkt und wir sind froh um unsere Heizung im Fahrzeug. Kuschlig warm geniessen wir den Abend und witzeln etwas hin und her und nutzen das PinziWifi für den Kontakt mit unseren Lieben zuhause. Schon lange ist es her, dass Astrid Anfang August mit dem Flugzeug zurück in die Schweiz geflogen ist. Ja, ich vermisse dich halt schon <3

 

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Der nächste Tag zeigt sich wieder freundlich und wir folgen der Piste weiter. Viele einsame Kilometer entlang grosser Wasserstauanlagen zur Stromerzeugung. Kurz bevor wir wieder auf den unteren Teil der F26 auffahren wollten, kamen noch zwei grosse Furten mit einer Insel in der Mitte. Keine starke Strömung aber trotzdem viel Wasser. Doch souverän trägt uns der YellowOne über die Fluten. Eindeutig, mit der Zeit wird man mutiger. Am Anfang hätte ich hier noch Angst gehabt, doch nun geht es ohne grössere Probleme rüber. Wir schlagen die neue Richtung ein über eine bergige Verbindungsstrasse, um den Gullfoss und Geysir zu erreichen. Klar, mein Vater möchte diese Touristen-Attraktionen natürlich auch noch sehen. Auf der Strecke kommen wir noch zum „Haifoss“ Wasserfall. Wir steigen aus und machen natürlich Fotos. So einen wunderschönen Wasserfall habe ich hier auf Island bis jetzt noch nicht gesehen. Die Farben sind kräftig Grün. Saftiges Gras wächst und dazwischen kohlenschwarzes Gestein mit vulkanischem Ursprung. Wunderschön, dieser Anblick 🙂

 

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Kurz darauf begegnen wir noch einem Unimog, welchen ich schon öfters hier in Island gesehen habe. Es fährt mit einem Deutschen Kennzeichen und heute traue ich mich die Leute anzusprechen. Wir bleiben bei ihnen stehen und nach unserem Nachtessen geht es noch auf tolle Gespräche hinüber in ihre „warme Stube“. Eine deutlich grössere Kabine ist auf ihrem Unimog montiert und so fallen wir als zusätzliche Gäste nicht gross ins Gewicht. An ihrem letzen Standort, so erzählen sie uns, hatten sie neulich sogar etwas Schnee. Eindeutig, der isländische Sommer ist vorbei und der Winter rückt näher.

Der Gullfoss zeigt sich heute bei schönem Wetter und wir treten unsere kleinere Wanderung an. Wir haben beschlossen, das Gewässer von der anderen Seite zu besichtigen. Hier braucht es doch einen gut 15 minütigen Marsch bis an die Schlucht. Doch belohnt wird man mit Einsamkeit. Die ganzen Touristenmassen bewegen sich nur auf der gegenüberliegenden Seite. Wir sind auf dieser Seite ganz alleine und können die Fluten für uns geniessen. Doch ewig bleiben wir nicht hier. Wir wollen noch Richtung Geysir. Nach der Besichtigung von diesem bleiben wir auf einem nahegelegenen Campingplatz über Nacht. Grundsätzlich hat dieser bereits seit einigen Tagen geschlossen, doch hier in Island ist es nicht verboten auf geschlossenen Plätzen zu übernachten. Und so verbleiben wir in der nächsten ziemlich kalten Nacht bei grandiosem Sternenhimmel. Die Nacht ist wolkenfrei und der Himmel übersät mit Sternen. So viele Sterne wie in dieser Nacht habe ich noch selten gesehen. Der Himmel fasziniert mich solange, bis ich wirklich kalt bekomme und ins Fahrzeug muss, bevor ich ernsthaft anfange zu frieren. An solch einen Anblick könnte ich mich echt gewöhnen.

Doch das nächste Highlight steht uns schon am darauf folgenden Tag bevor. Wir wollen in die Region von Landmannalaugar. Dies ist ziemlich die farbenprächtigste Region hier in Island. Schwarzer Sand trifft auf giftgrünes Gras mit darin gemischter Brauner Erde. Dazwischen Dampft es überall, da diese Region mit dem aktiven Vulkan Katla sehr thermisch ist. Hier bewahrheitet sich das Sprichwort „Island, die Insel aus Feuer und Eis“. Das Eis und der Schnee sind hier nur wenige Meter von kochend heissen Quellen entfernt. Dieser Abend hier ist der nächste Höhepunkt. Blauer Himmel und eine abendliche Sonne zum verlieben. Sie wirft wunderbar ihre Strahlen über das ganze rauchende Gelände und es gelingen mir fast die besten Fotos meines ganzen Urlaubs auf Island. Wir übernachten hier oben erneut in Einsamkeit und hoffen noch auf Nordlichter. Doch heute will sich absolut nichts am Himmel blicken lassen, obwohl unsere App auf dem Handy eine sehr hohe Aktivität voraussagt. Doch die Natur ist eben eigenwillig.

 

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So geniessen wir am nächsten Morgen einen einmaligen Ausblick während der Fahrt über sanfte Hügel. Der Fels unter unseren Reifen ist praktisch komplett verschwunden. Wir fahren auf sandigem Untergrund durch die eindrückliche Landschaft mit ihren vielen Farben. Doch plötzlich kommt der Vortrieb zum erliegen. Schafe, soweit das Auge reicht. Wir begegnen dem isländischen „ Alp-Abtrieb“. Unzählige Schafe vor uns. Auf der Strasse, neben der Strasse und überhaupt. Daneben Isländer und ihre Pferde, welche die ganze Herde treiben. Im Schritttempo geht es Richtung Ringstrasse, welche uns später zurück nach Reykjavik führt, wo wir noch etwas durch die Gassen schlendern und ich mir in einem der vielen Touristen-Shops noch ein Souvenir kaufe. Im Eiltempo und doch so langsam gingen die zwei Wochen vorbei, in denen mein Vater bei mir war. Wir haben so viel erlebt und gesehen. Am letzten Abend lassen wir uns nochmals alles etwas durch den Kopf gehen. Die vielen Regentage der vergangenen Zeit, die heissen Hotpots, wo ich einsam in die Nacht hinaus schauen konnte. Den Schuh, welchen wir für meinen Vater wieder aus dem Treibsand im Fluss ausgraben mussten oder der Regen der wie wild an unser Fahrzeug peitsche. Viele Erinnerungen nehme ich von dieser Zeit mit.

 

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Es ist wieder einmal mehr trüb und nass am letzten Morgen bei der Abreise. Ich biege ein in die Einfahrt am Flughafen. Mein Vater steigt aus und ich wünsche ihm einen guten Rückflug. Für mich geht es zurück zum kleinen Parkplatz mit Blick auf die Piste. Doch heute habe ich keine Chance, den EasyJet mit Roman, meinem besten Freund zu sehen. Es ist neblig. Ich höre Radio und frage mich, ob sich mein Vater und Roman wohl im Gate noch sehen? Das Telefon klingelt. Ich freue mich auf Roman. Die letzten Tage auf der Insel mit meinem besten Freund beginnen jetzt!

 

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  1. Martin

    Frohe Ostern gehabt zu haben.
    Da waren ja Pisten dabei, die ich auch zum Teil befahren habe.
    Na, dann warte ich jetzt mal auf den wohl erstmal letzten Bericht.

    Gruß
    aus Wildeshausen

    Martin

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