Best Friends over the World – Teil 1

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Die Idee geistert schon seit Jahren umher. Dran geglaubt hat wohl Roman selbst schon lange nicht mehr. Seit Jahren spreche ich von einer Reise mit meinem Fahrzeug nach Island und ob er mitkommen möchte. Die Zeit zog ins Land und wir beide wurden erwachsen, also zumindest körperlich 🙂

Und nun ist der Tag gekommen, Roman landet heute in Keflavik mit der Maschine von Easy-Jet, in welcher mein Vater zurück in die Schweiz fliegen wird. Meine letzte Zeit in Island ist angebrochen und der Termin meiner Fährrückfahrt rückt immer näher. Das Wetter wird auf der Insel langsam immer etwas garstiger und Regen mehrt sich fast täglich. So auch heute, als ich Roman vom Flughafen abhole und mit ihm auf den nahegelegenen Campingplatz fahre. Wir vergraben uns ziemlich den ganzen Abend im Fahrzeug, denn draussen ist es einfach nur nass und kalt. Nebenbei warten wir noch auf die trockene Wäsche. Am Morgen wurde mir der Schlüssel für den Waschraum einfach nicht gegeben und ich erhielt ihn erst im Laufe des Nachmittags. Für zwei Maschinen inklusive Trocknen hat das einfach bis zur Bettzeit nicht gereicht. So kann Roman am späteren Abend endlich in der ersten trockenen Bettwäsche schlafen, während ich bis nach Mitternacht auf meine warten muss. Das alles verzögert natürlich den nächsten Morgen.

Doch so spektakulär wird dieser nicht. Ihr ahnt es vielleicht schon, draussen ist es nass und kalt. Es windet stark. Nach über 10‘000km sind meine Bremsen langsam richtig lasch. So beschliesse ich vor der Abfahrt und trotz des Wetters, die Bremsen nachzustellen, damit ich wieder ein sattes Gefühl am Pedal habe. Wir stellen das Auto mit der Seite zum Wind, so kann ich praktisch im Windschatten die Arbeiten erledigen. Doch die Nachstellmuttern lassen sich quasi nicht bewegen. Dreck und Sand haben sie fest werden lassen. Ich wende also ein wenig Gewalt an und zack, kapituliert eine Mutter und ein Nocken bricht ab. Sch…. hört man mich rufen. Doch zum Glück führe ich das entsprechende Teil mit. Im Zuge einer geistigen Höchstleistung habe ich es noch kurz vor der Abreise eingepackt. Glück gehabt 🙂

Nun sind wir endlich on Tour. Einkaufen und dann ab durch Reykjavik Richtung Osten. Roman begleitet mich auf dem Weg zum Fährhafen in Seyðisfjörður. Doch den direkten Weg auf der Ringstrasse nehmen wir natürlich nicht. Zuerst will ich nochmals in das Gebiet von Landmannalaugar über die F210.
Das späte Abfahren am Morgen rächt sich nun. Ganz bis zum Ziel von heute haben wir es nicht geschafft und so bleiben wir im grünen Outback für die Nacht stehen. Totenstille hier draussen. Doch plötzlich werden wir nervös…die ersten scheuen Nordlichter tauchen auf. Wir sitzen im Führerhaus und geniessen den nur kurzen aber intensiven Ausblick, bevor wir bald müde ins Bett fallen.

Am nächsten Tag überfahren wir unseren eigentlichen Nachtplatz und der Weg führt uns Richtung Landmannalaugar. Ja wir wissen, es ist ein Touristenmagnet, doch trotz allem wollen wir auch dort gewesen sein. Mein Gott, wo sonst kann man einen warmem Fluss mit einer Furt durchqueren? 🙂

Natürlich regnet es auch hier ein Grossteil des Abends. Doch in einer Regenpause machen wir uns auf den Weg in den warmen Fluss. Während Roman irgendwann mal genug hat, bleibe ich im Wasser liegen bis tief in die Nacht. Irgendwann will sogar ein Mitarbeiter der Hütte meine Kleider mitnehmen, weil er dachte es hätte sie jemand vergessen. Mit etwas Glück hatte ich es in meinem vor mich her träumen bemerkt und konnte ihn gerade noch von meiner Anwesenheit überzeugen 🙂

Irgendwann kam dann Roman mit der Taschenlampe und wollte nachsehen ob ich noch lebe, was natürlich der Fall war. Sonst wären diese Zeilen wohl nie entstanden.

Am nächsten Tag fuhren wir über die F208 von diesem schönen Fleck Erde davon. Wir fuhren durch Landschaften, die wundervoller nicht hätten sein können. Hügel gezeichnet von jahrelanger Erosion aus tief schwarzem Lavagestein, übersäht mit Moos in einem giftig grünen Farbton. Dieser Anblick war ein wahrlicher Augenorgasmus.

 

 

Stundenlang tragen uns die Reifen von meinem grossen Gelben durch diesen Traum auf Erden. Einzig das Wetter bzw. die Windaussichten für die Region um Vik verschlechtern sich zunehmend. So beschliessen wir, nochmals einen Umweg über die F261 einzulegen und so etwas Zeit zu gewinnen, bis wir auf die Ringstrasse Richtung Osten müssen.

 

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Der Tag auf dem wir auf die Ringstrasse auffahren ist gekommen. Wir sind auf der geteerten Strasse und fahren mit knapper Lichtgeschwindigkeit um die 75km/h nach Osten. Der Zähler auf dem Tachometer wälzt sich von Zahl zu Zahl und die Kilometer addieren sich unweigerlich. Die restliche Dauer von meinem Abenteuer in Island lässt sich jetzt noch an wenigen Fingern abzählen.

Wir halten auf unserem Weg bei der Diamond Beach neben dem Jökulsárlón an und gehen an den Strand. Dort bin ich mit Astrid nicht gewesen und nun hat es auch etliche Touristen weniger. Die Eisbrocken vom Gletscher fliessen hier ins Meer und werden durch die Wellen sogleich wieder an den Strand getragen. Wir machen Fotos und sind fasziniert vom Anblick, wie viele andere Menschen um uns herum auch. So fasziniert, dass ich eine Welle nichts bemerke und mir natürlich einen „Schuh“ voll hole. Rings um mich höre ich leises Kichern der asiatischen Touristen und ich mache mich auf den Weg zurück zum Fahrzeug.

 

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Wir haben heute noch etwas Strecke vor uns bis zu unserem Nachtplatz und unsere Wassertanks oder besser gesagt der einzige Wassertank der noch ganz ist, ist leer. Der andere 35L Tank hat leider mit einem Leck den Dienst vor etwa zwei Wochen eingestellt.

Auf den nächsten Tag freue ich mich besonders. Auf dem Rückweg plane ich mit Roman nochmals einen Stopp in Djúpivogur ein, um Peter und Daniela zu besuchen. Astrid und ich hatten sie ja am Anfang von unserer Reise in Island besucht. Doch davor gönnen wir uns in Höfn noch ein vorzügliches Mittagessen, bevor wir im Hotpot bei Djúpivogur unsere müden Knochen im warmen Nass baden.

 

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Nach dem Besuch bei Daniela und Peter machen wir uns auf den Weg nach Egilsstaðir. Die einzige grössere Stadt im Osten von Island und auch der Ausgangspunkt für die Passüberfahrt zum Fährhafen im Fjord. Wir haben jedoch noch etwas Zeit bevor Roman dann den Inlandflug nach Reykjavik nehmen muss. Wir fahren durch Egilsstaðir und biegen kurz danach links ab auf das andere Ende der F910. Kurz vor einer Hütte entdecken wir noch ein Fahrzeug im Wasser neben der Strasse. Alles liegt noch im Fahrzeug und das Licht brennt noch. Lange kann der also noch nicht hier liegen. Ich bin schon dabei die 118 zu wählen, als sich uns eine Polizei-Streife näherte und uns sagte, es sei alles in Ordnung und wir sollten das Fahrzeug nicht beachten.

 

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Mit einigen Runzeln und Fragezeichen auf der Stirn fuhren wir also weiter, bis wir die Schlucht beim Kárahnjúkar-Kraftwerk erreichten. Den Spaziergang planten wir jedoch erst am nächsten Tag, denn heute wollten wir noch zum Wasserfall.

Dieser Wasserfall ist etwas spezieller. Er ist klein und vor allem warm. So gönnten wir uns vor dem Nachtessen ein wunderbares Bad im Becken unter dem Wasserfall und liessen uns das Wasser über die Schultern prasseln. Ist das hier das Paradies? Für uns in dem Moment effektiv.

 

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