Graz – Heilige Stadt

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Unser Weg führt uns von Innsbruck durch das „Pinzgau“ Tal. Von hier stammt die Typenbezeichnung „Pinzgauer“ von unserem YellowOne. Als stählerne Pferde der Rasse „Haflinger“ wurde das gleichnamige kleine Geländefahrzeug früher der Österreichischen Armee schmackhaft gemacht, mit ebenso viel Kraft wie die Pferde, aber mit weniger Aufwand bei Nichtgebrauch. Es frisst dann eben kein Heu und keine Stallungen müssen gemacht werden. Der Hersteller bzw. die Firma Steyr-Puch setzte danach bei der Entwicklung des grossen Bruders des Haflingers die Tradition fort und benannte diesen nach einer weiteren Österreichischen Pfederasse. Dem Pinzgauer-Pferd, welches seinen Ursprung im Pinzgau hat.

Später fahren wir zu Florian, einem Kollegen von mir, der im Gasteiner Tal wohnt. Auch ihn kenne ich nur vom Telefon- und Emailverkehr und wenn uns der Weg schon da vorbei führt, besuchen wir ihn doch auch 🙂 Während ich mich stundenlang mit ihm über das Fahrzeug und alles drum und dran unterhalten kann, wärmt sich Astrid bei Florians Eltern in der warmen Stube auf, bevor wir später noch essen gehen im Hotel, wo Florian sonst arbeitet. Es ist momentan noch Nebensaison, was wir auf unserer Fahrt hier her schon längst bemerkt haben. In den Skigebieten, die wir durchfahren haben, war es wie ausgestorben, ganze Dörfer wirkten verlassen und leer. Für die Nacht dürfen wir uns in einem Industriegebiet neben die See-Container von Florian stellen. Hier stört uns sicher keiner, da morgen sowieso Sonntag ist. Endlich wieder einmal schönes Wetter, in der Sonne wird es sogar richtig heiss. So nutze ich die Gunst der Stunde, um bei schönstem Wetter und genügen Material für mein Gerüst das lecke Fenster erneut abzudichten. Wir hatten dies zwar schon in Island gemacht – Eis und Regen –jedoch war der Dichtungs-Kit, den wir dort im Baumarkt erwischt hatten, der Ausdehnung des Containers bei heissem Wetter nicht gewappnet. In Island haben wir das natürlich nicht bemerkt, aber nun nach den ersten heissen Tagen in Österreich schon. Es haben sich Risse gebildet, was wir kürzlich mit einem erneuten Rinnsal bei der Küche bemerkt hatten. Doch diesmal sind wir gewappnet und haben Sikaflex 521UV aus der Schweiz mit. Dieser hält garantiert.

 

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So kommen wir erst spät am Nachmittag los und schaffen unglaubliche 30km bis zu unserem nächsten Nachtplatz. Hier treffen wir auf Jugendliche aus dem Ort, die uns verwundert fragen, ob wir „Wolfstouristen“ sind. Anscheinend treibt sich hier in der Gegend ein Wolf herum, der bereits einige Schafe gerissen hat. Uns stört das nicht, sind wir doch die Feuer-Herrscher und geniessen den Abend bei schönen zünglenden Flammen.

 

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Einige Tage später führt der Weg uns nach Graz zu Oliver, welcher mit mir 10 Tage in Island war. Das Navi lotst uns direkt in die Stadt hinein, bis wir dann vor dem offenen Tor bereits von Jan und Elena, Olivers Kinder erwartet werden. Es ist schön, meinen neu gewonnenen Freund seit Island nach gut einem halben Jahr wieder zu sehen. Der Tag beginnt bei ihnen mit einem leckeren Frühstück im Garten. Hier fühlt man sich wie auf dem Land, kaum zu glauben dass sich rund herum die belebte Stadt befindet. Und sofort werden die nächsten Tage geplant. Es ist Auffahrt, darum hat die ganze Familie vier Tage frei. Also werden wir gleich in die Ausflugspläne integriert, oder besser gesagt, die Ausflugspläne werden nach unseren Wünschen geplant. Da steht allerhand an; der Schlossberg, das Schloss Eggenberg, die Bärenschützklamm, die Innenstadt die nur wenige wenige Gehminuten entfernt ist und zu guter Letzt natürlich die Heilige Halle „P“ ( Für Pinzgauer ) des ehemaligen Steyr-Puch Werks mit dem integrierten Johann Puch-Museum.

Olivers Mutter war früher Stadtführerin in Graz und wie es schien, ist einiges davon bei Oliver hängen geblieben. So wird der Ausflug zum Schlossberg mit interessanten Details garniert, wie auch der Gang durch die Innenstadt. Wir bewundern den Uhrturm und die Lisl, welche die Grazer Bevölkerung damals von Napoleon abgekauft hatten, damit sie als Wahrzeichen der Stadt erhalten bleiben, bevor der Rest durch die Französischen Truppen gesprengt wurde.

 

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Von hier oben zeigt sich eine traumhafte Sicht über die ganze Stadt, mit ihren vielen alten aber auch modernen Gebäuden.

 

In der Innenstadt besuchen wir die Stiegenkirche, eine kleine schlichte Kirche, die nur durch das Treppenhaus eines Wohnhauses erreichbar ist. Dadurch hat sie auch ihren Namen erhalten. Zuvor ging es aber noch zum Stiegenturm, wobei uns halb schwindelig wurde. Die zwei steinernen Treppen schlängeln sich in engen Umdrehungen gegeneinander und kommen in der Mitte immer wieder zusammen. Ein einzigartiger, wenn auch Schwindel erregender Anblick.

 

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Im Landeszeughaus bewundern wir die riesige Sammlung an alten Waffen und Rüstungen, kaum zu glauben, dass man mit solchen Utensilien Krieg führen konnte. Oliver erklärt uns, dass früher nur bei schlechtem und kaltem Wetter Schlachten ausgetragen wurden, da die Rüstungen so schwer waren und man darin extrem schwitzte. Ich will mir das gar nicht so genau vorstellen, wie die Soldaten sich darin gefühlt haben und schon gar nicht die Pferde.

 

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Im Schloss Eggenberg nehmen wir an einer Führung durch die „Prunkräume“ teil. Das Schloss ist mit vielen Zahlen verbunden, so besitzt es zum Beispiel vier Türme für die Jahreszeiten und 365 Fenster auf der Aussenseite für die Tage im Jahr. Im grossen Saal sind riesige Gemälde an die Wände gemalt, sie stehen für die Sternzeichen, die Wochentage, die Monate usw. Der Rundgang führt zuerst durch die Tagsäle, wo der Kaiser oder dessen Stadthalter früher seine Gäste empfing. Jeder Saal war mit verschiedenen Gemälden ausgestattet, die dem Betrachter aufzeigen sollten, wie sie zu leben hatten. Je nach Rang des Gastes durfte er einen oder mehrere Säle durchschreiten, bis er empfangen wurde. In den Nachtsälen befanden sich dann das Spielzimmer, Schlafzimmer und weitere Räume für die Mitglieder der Kaiserfamilie oder dessen Vertreter. Nach all diesen Informationen gönnen wir uns eine Jause (zu schweizerdeutsch: Zvieri) im Park. Hier laufen prächtige Pfaue frei herum und geniessen die Weite des wunderschönen Schlossparkes.

 

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Heute zeigt sich das Wetter wieder von der schönen Seite – zumindestens am Anfang. Für die Bärenschützklamm nehmen wir uns einen ganzen Tag Zeit. Der Weg dorthin führt etwa 40km aus der Stadt heraus nach Mixnitz. Vom Parkplatz laufen wir dann gut eine Stunde bergauf durch den Wald. Es ist super Wetter und wir sind gespannt auf die Klamm. Der Weg durch die Klamm führt dann über 164 Stiegen hinauf bis man am Ende etwa 700 Höhenmeter weiter oben wieder raus kommt. Frohen Mutes nehmen wir uns dieser Herausforderung an. Im Zickzack geht es immer wieder über den Bach, der hier durch die Klamm fliesst und sich immer tiefer ins Gestein hinein frisst. Mal geht es gerade aus und kurz darauf wieder steil hinauf. Nichts für schwache Nerven oder müde Knochen!

 

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Oben angekommen, gönnen wir uns einen Dessert im Restaurant und machen uns dann auf den Rückweg. Jetzt jedoch über den Waldweg, ganz gemütlich. Auch ein kurzer, heftiger Regenschauer, welcher Astrid und mich bis auf die letzte Schicht durchnässt mag, unsere Stimmung nicht zu trüben. Unten wartet ja der warme YellowOne mit trockenen Kleidern auf uns. Dazwischen erleben wir wunderschöne Momente im Wald. Die kräftigen Sonnenstrahlen dringen durch die lichten Bäume während das Wasser von den Blättern tropft und durch das Sonnelicht zum glitzern gebracht wird.

Am Sonntag besuchen wir noch das Johan Puch-Museum in der ehemaligen Werkhalle „P“ des Steyr-Puch Werks. Doch dazu bald ausführlich mehr.
Die neue Woche beginnt für uns derweilen ruhig, während Oliver und seine Familie wieder an die Arbeit, bzw. zur Schule müssen, warten wir noch auf ein Paket mit Ersatzteilen aus der Schweiz. Die Bremsen vorne ziehen immer noch nicht ganz richtig und das wollen wir noch vor unserer Weiterreise hier beheben. Nachdem das Paket dann endlich mit einem Tag Verspätung ankommt, können wir die Teile recht fix ersetzen und auch die Tests verlaufen zufriedenstellend.

So und jetzt geht es weiter in die Kaiserstadt. Nächstes Ziel : Wien.

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