Rollendes Schiff

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Michel plante für uns einen besonderen Ausflug. Dafür fuhren wir nach Elblag auf den Campingplatz, welcher sich direkt am Oberländer Kanal befindet. Hier wollen wir eine Tagesausflug mit dem Schiff machen. Kurz noch werden die Tickets übers Internet gebucht und wir freuen uns auf den nächsten Tag.

Morgens um 8 Uhr ging es dann los zum Anlegesteg, wo das kleine Schiff schon auf uns und einige andere Touristen wartete. Mit diesem fuhren wir den Kanal entlang ins Landesinnere. Die ganze Fahrt umfasst knapp 30km. Während die Infos über Lautsprecher zum Teil nur schwer verständlich waren, war die Landschaft um uns herum umso schöner. Weite Felder wurden nach einiger Zeit von einem riesigen See abgelöst. Hier niesten besonders viele Vögel, manche davon sind geschützte Arten, die es nur hier gibt. Während sich die meisten Touristen nach gut einer Stunde aus langweile ins Innere des Schiffes verzogen und einen Kaffee aus dem Bistro tranken, genossen wir die Ruhe und die Aussicht auf dem Deck bei strahlender Sonne

Um 11 Uhr kam dann das erste Highlight der Fahrt. Schwubs und alle Touristen waren wieder an Deck. Der erste Rollberg ist in Sicht! Das ist das Besondere und weltweit einzigartige an diesem Kanal. Er verfügt insgesamt über 5 Rollberge, durch die die Schiffe starke Höhenunterschiede überwinden können. Wären statt Rollberge Schleusen gebaut worden, bräuchte es über 100 Stück um diese Distanz zu überwinden. Die Rollberge sind so konzipiert, dass das Schiff auf einen im versenkten Wagen auf fährt. Wenn das Schiff vertaut ist, setzt sich der Wagen langsam in Bewegung. Er wird wie eine Standseilbahn langsam aus dem Wasser über den Berg gezogen, während nebenan ein leerer Wagen herunter fährt. Auf der anderen Seite wird der Wagen wieder in Wasser eintauchen. Dort kann das Schiff dann gemütlich seinen Weg fortsetzten.

 

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Fasziniert von der seit über 150 Jahren unveränderten uralten Technik schauen wir über die Reling, beobachten die Matrosen beim Vertäuen des Schiffes und winken den Besuchern an Land zu. Die Überfahrt dauert etwa 5 Minuten und das ganze Spektakel ist dann auch schon wieder vorbei bis zum nächsten Berg.

Obwohl alles mit Kameras überwacht wird, müssen die Matrosen noch immer dem Mitarbeiter auf dem Rollberg mit einem lauten Gong ein Zeichen geben, dass sie bereit sind. In der Mitte, am höchsten Punkt des Rollberges, befindet sich jeweils ein kleines Hüttchen, wo ein Mitarbeiter nach dem Gong über einen Seilzug ins Maschinenhaus das Signal gibt, die Technik in Gang zu setzen. Dort sitzt ein weiterer Mitarbeiter der dann die Wasserzufuhr für das Schaufelrad öffnet und so die Maschinerie in gang setzt. Insgesamt arbeiten je drei Leute bei einem Rollberg. Einer hilft den Matrosen beim Vertäuen des Schiffs, einer sitzt auf dem Rollberg und leitet das Signal weiter und der letzte sitzt im Maschinenraum und bedient die Maschine.

 

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Wir fahren mit dem Schiff über 5 Rollberge und schauen bei jedem aus verschiedenen Winkeln herab. Faszinierend !

Am nächsten Tag beschliessen wir, unseren Pinzgauer beim zweiten Rollberg zu parkieren und dort auch zu übernachten. Wir wollen das ganze auch noch von aussen sehen und vor allem auch einen Blick ins Maschinenhaus werfen. Vom Techniker im Maschinengebäude werden wir zu unserem Erstaunen freundlich herein gebeten und können uns während des Betriebs alles aus der Nähe anschauen. Die ganze Technik ist schon über 150 Jahre alt. Bis auf ganz wenige Modifikationen wurde nichts verändert. Museumstechnik also im täglichen Betrieb!

 

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Die Standseilbahn für die Schiffe wir seit jeher mit Wasserkraft angetrieben. Im Maschinenraum befinden sich mehrere Zahnräder, die von einem riesigen Wasserrad angetrieben werden und so die dicken Drahtseile mal in die eine oder andere Richtung ziehen. Der Mitarbeiter öffnet für uns sogar extra die Türe zum Wasserrad, als ein Schiff sich dem Rollberg nähert. So haben wir einen direkten Blick auf die Unmengen von Wasser, die hier durch strömen und die ganze Technik ohne Elektronik in Gang setzt. Eine unglaubliche Erfindung!

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Michel kommt aus dem Staunen kaum heraus, macht gefühlte tausend Fotos und filmt das Ganze mit unserer Kamera. Doch irgendwann ist auch hier Schluss und wir steuern unser nächstes Ziel an. Viele alter Beton im Wald warten auf uns. Wir fahren zur Wolfsschanze, dem ehemaligen Führerhauptquartier der Nazis.

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