Tagesaufgaben – Reisen statt Urlaub

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Wenn man so lange unterwegs ist, könnte man meinen, es wird einem irgendwann langweilig weil man ja alle Zeit der Welt hat. In der Tat, die Landschaft um einem herum verändert sich oft nur ganz langsam, man sieht also nicht jeden Tag gerade extrem viel Neues, wenn man nicht an einen Touristenort heran oder in eine Stadt fährt. Doch das braucht es auch gar nicht immer, denn auf der gesamten Reise erlebt man schon genug, da ist man manchmal richtig froh um so einen langweiligen Tag. Denn an diesen Tagen hat man Zeit, all die Erfahrungen und Erlebnisse nochmals Revue passieren zu lassen, weitere Erkenntnisse zu erlangen oder das ganze Abenteuer auch einfach sacken zu lassen. In diesen Minuten und Stunden kommt der Körper und Geist zur Ruhe und wir können neue Energie tanken. Den Reisen ist nicht mit Urlaub zu verwechseln. Reisen ist ganz anders.

Auch wenn wir an vielen Tagen nicht speziell etwas geplant haben, so haben wir doch immer etwas zu tun. Denn neben dem „Seele baumeln lassen“ führen wir auch auf Reisen einen „rollenden“ Haushalt und der soll gepflegt sein. So müssen täglich viele Kleinigkeiten erledigt werden. Wir sollten jeden Morgen unser Bett machen, aufräumen, abwaschen, Tee kochen und viele weitere kleine Handgriffe die schon längst zur täglichen Routine gehören.

Alle drei bis fünf Tage steht bei uns ein Grosseinkauf an. Da wir beide sehr gerne kochen und uns nicht gerne nur von Dosenfutter ernähren, wird das Einkaufen immer zu einer Tagesaufgabe. Wir wollen richtig Essen! Was wollen wir also als nächstes kochen? Dazu haben wir vier Kochbücher dabei und eine über 450-seitiges PDF Dokument mit Rezepten von Zuhause, aus denen wir unsere Menüs zusammen stellen können. Denn wir können nicht einfach uns vom Internet oder Facebook zu jederzeit fürs nächste Menü inspirieren lassen.

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Dann geht es auf die Suche nach einem geeigneten Einkaufsladen oder örtlichen Markt und dort fängt der Spass – oder manchmal auch eher der Stress – erst richtig an. Denn die Läden sind meist völlig anders aufgebaut als bei uns in der Schweiz. Zwar ist alles beschriftet, aber natürlich immer in der jeweiligen Landessprache. Wir reisen durch so viele Länder, all deren Landessprachen können wir nicht mächtig sein. Also wo ist nun der Rahm, der Essig, die Hefe oder welches Fleisch liegt hier vor uns?

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Oft gibt es manche Produkte einfach auch gar nicht und bei anderen hingegen ist die Auswahl um ein vielfaches grösser als bei uns. Welche Milch will ich nun? 0,5% Fett, 1,5%, 2,5%, 3,2% oder doch die 3,6%? Ist der Rahm nun frisch zu gebrauchen oder doch UHT? Warum finden wir den Essig bei der Tomatensauce am anderen Ende des Ladens und nicht beim Öl? Warum ist die Trockenhefe über der Tiefkühlpizza? Haben wir nun Butter vor uns oder doch nur Kochfett? Da hilft auch „Google Translate“ manchmal nicht mehr weiter. Zum Glück können wir oft anhand der Bilder auf der Verpackung, Haltbarkeit und dem Aussehen der Produkte gut abschätzen, was es ist und ob es das ist was wir suchen.

Oft kommt es auch vor, dass es gewisse Produkte gar nicht gibt und wir aufgrund dessen eines oder mehrere Menüs von unserer Liste spontan mit den Zutaten anpassen müssen, welche eben erhältlich sind.

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Spätestens alle zwei Wochen müssen wir auch unsere Kleidung waschen, denn sonst haben wir nichts frisches mehr anzuziehen. Und wer will schon gerne stinkend und schmutzig durch die Gegend laufen? Was würde das für einen schlechten Eindruck von uns Schweizern in der Welt hinterlassen? Deshalb suchen wir uns z.B. gelegentlich einen Campingplatz, wo wir die Wäsche in eine Maschine geben können. Danach  hängen wir sie meistens zum Trocknen auf, bei der aktuellen Sommerhitze ist sie so innert kürzester Zeit trocken. Zu unseren Kleidern in die Maschine wandern dann auch alle Handtücher, Waschlappen und manchmal zusätzlich die Bettwäsche. Man muss die Möglichkeiten dann nutzen, wenn sie bestehen. Man weiss nie, wann man das nächste Mal das so bequem erledigen kann.

Oft putzen wir am gleichen Tag auch unseren YellowOne. Auch wenn wir jeden Tag aufräumen und den Boden fegen, sammelt sich doch in allen möglichen Winkeln viel Staub und Dreck an. Meistens widmet sich Michel der Führerkabine, während ich mich im Container austobe. Dann werden alle Schränke geöffnet, die Matratzen angehoben und der Kühlschrank auf Vordermann gebracht. Michel nimmt die Sitze und Fussbleche heraus und der Dreck wird heraus gewischt und danach alles mit einem feuchten Lappen gereinigt. Eine gründliche Reinigung dauert bei uns immer mehrere Stunden. Schliesslich wollen wir ein sauberes Heim. Michel nutzt dann die Zeit gleich auch noch, um den Pinzgauer unten durch kurz zu kontrollieren und anfallende kleinere Reparaturen zu erledigen. Schliesslich ist unser Pinzgauer mit 36 Jahren nicht mehr der Jüngste. Irgendwo gibt es immer was zu tun.

Die Dusche nach so einem Tag ist dann richtig wohltuend, quasi die Belohnung für die ganze Arbeit.

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Auch tanken bedeutet bei uns nicht einfach an die nächste Station und voll füllen. Den wir legen ein besonderes Augenmerk auf die Benzinpreise. Da kann der Benzinpreis schon mal um mehr als 1 Euro pro Liter nach einer Landesgrenze schwanken. Auch mehr als 15 Cent/L in einem einzigen Land ist nicht unüblich.  Benzin ist der Lebenssaft unseres YellowOne und auch von unserer Bordküche und Heizung. Michel hat den Pingauer so umgerüstet, dass er insgesamt 245 Liter Benzin mitführen kann (2 x 20 Liter Reserve-Kanister inbegriffen). Auf die Menge spielt der Preis plötzlich eine wichtigere Rolle. Wenn das Tanken dann ansteht, so nach gut 1000 Km, wissen wir meistens schon was günstig und was teure Preise sind und können gezielt nach einer Tankstelle Ausschau halten. Das Tanken ist dann nicht nur für uns ein Highlight und ein negativ Rutsch in der Geldbörse, sondern oft auch für die Tankwarte, die neugierig um unser Fahrzeug herum schleichen. Das Lachen der Tankwarte lässt uns manchmal denken, jetzt macht der bestimmt gerade das Geschäft seines Lebens 🙂

Auch Wasser auffüllen gestaltet sich oft als Tagesaufgaben. Wo bekommt man in einem fremden Land mal schnell 75 L Trinkwasser her, wenn wir unsere Kanister nicht gerade auf einem Campingplatz auffüllen können? Zwar könnten wir mit unserer Wasserpumpe und dem Filter von jedem Tümpel Wasser ansaugen und es zu Trinkwasser aufbereiten, doch bisher haben wir dies noch nicht gemacht. Denn die Länder, die wir bisher durchreist haben, waren so flach gewesen, dass es viele stehende Gewässer gab, die jedoch dunkelbraun und extrem schmutzig wirkten. Dass wollten wir unserem Filter dann doch nicht antun so lange es noch „fast“ Trinkwasser aus dem öffentlichen System gibt. Also müssen wir alle vier bis fünf Tage auf die Suche nach Wasserquelle gehen, die uns nicht gleich mit ihrem blossen Aussehen abschrecken. Neben Campingplätze sind das dann Tankstellen, freie Wasserhähnen oder saubere Quellen, an denen die Einheimischen schon mit ihren grossen Kanistern Schlange stehen. Der Filter gibt uns dann immer noch die letzte Sicherheit, dass wir sauberes Trinkwasser konsumieren.

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Wie ihr seht, gibt es immer etwas zu tun auf Reisen. Aus kleinen Problemen von Zuhause werden auf Reisen schnell mal ganze Tagesaufgaben. Aber ist nicht gerade diese täglich Herausforderung und das Bier bei Sonnenuntergang danach das spannende am Reisen und entdecken? 🙂

Denn Reisen ist nicht Urlaub – Reisen ist entdecken, erfahren, geniessen, sich neu kennen lernen, sich täglich neuen Herausforderungen stellen und vor allem wachsen!

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4 Responses

  1. Martin

    Hallo,

    Reisen / Urlaub ist ein großer Unterschied ( Den Reisen ist nicht mit…… ) bitte verbessern 😉

    Essen: Wenn man grundsätzlich alles ißt (also kein Vegetarier oder Veganer) geht das noch. Ich habe das mal im
    Osten erlebt. Eine Tochter Vegetarier – da kommt dann Stress auf – vor über 30 Jahren – heute vlt. nicht mhr so.

    Also bricht bei Euch der Putzfimmel aus. Ja, so kleine Räume werden sehr schnell schmuddelig. Kenne ich von damals mit dem Wohnwagen und drei Kindern.

    …Und wer will schon gerne stinkend und schmutzig durch die Gegend laufen? …. Das hat bei der Schlange an der Kasse Vorteile … 🙂

    Das mit dem Tanken kenne ich auch. Der erste Tankstopp nach über 1200 km in Ungarn – können wir mit DM West bezahlen? Es herrschte eigentlich Zwangsumtausch. Aber klar doch. Knapp 300l der Tankwart lag fast unter dem Auto 🙂

    Frischwasser hatte ich mir oft von Friedhöfen geholt, da auch ich über über 100l Frischwassertank verfügte.

    Heute, mit dem Radeln ist das auch ähnlich, nur die Mengen sind geringer 😉 und oft, gerade in Island, mußte man auch noch die Entfernungen berücksichtigen und die Straßenverhältnisse. Aber es hat alles geklappt.

    Und bei Euch auch mit Sicherheit, denn ihr seid ein eingespieltes Team, das lese ich ja da immer wieder raus. Jeder hat sein Part.
    Freue mich schon auf den nächsten Bericht.

    Liebe Grüße

    Martin

    • Astrid

      Hallo Martin

      Für mich ist es immer wieder erfrischend, deine Kommentare zu lesen 🙂

      Du scheinst ja all diese Erfahrungen bereits gemacht zu haben. Wir stecken da doch noch in den Kinderschuhen. Aber es ist beruhigen zu lesen, dass sich in all den Jahre doch nicht so viel verändert hat, wie man es sich immer denkt. Besonders in den Ost-Ländern scheint der Fortschritt und die Uhr etwas langsamer zu laufen, was wir natürlich besonders genossen haben.

      Wir wünschen dir ein ganz gutes neues Jahr!
      Liebe Grüsse
      Astrid & Michel

    • Astrid

      Hallo Georg

      Wir wünschen dir auch ein ganz gutes neues Jahr.

      Vielen dank für deine Rückmeldung, Wir freuen uns, dass dir der Bericht gefallen hat.

      Liebe Grüsse
      Astrid & Michel

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