Viel Papier für Belarus

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Das belarussische Visa

Da wir uns während dem Reisen in der Zeit nirgends festlegen wollten, müssen wir uns nun das Belarussische Visa „vor Ort“ beschaffen. Hätten wir es schon vorab organisiert, wären wir ja an einen gewissen Zeitraum gebunden gewesen und genau das wollten wir ja nicht. Freiheit ist das Zauberwort!

Wir befinden uns nun in Vilnius, der Hauptstadt von Litauen, unweit zur Grenze von Belarus. Zur Beschaffung des Visa besuchen wir die Agentur „Daigera Travel“, welche sich nur gerade ums Eck zum Konsulat befindet und mit der Beschaffung von solchen Visa vertraut ist. Diesmal soll es jedoch nur ein Touristen-Visa sein und nicht ein Langzeit-Visa wie wir es für Russland haben. Aber auch für Belarus benötigen wir eine Einladung und diese soll uns die Agentur nun beschaffen. Doch schon kurz nach unserer Ankunft werden wir enttäuscht. Die Agentur kann nur Einladungen und Touristen-Visa beschaffen mit einer Aufenthaltsdauer von maximal 7 Tagen, erklären uns die freundlichen Damen im Büro in schlechtem Englisch.

Was nun? 7 Tage sind viel zu wenig um dieses doch recht grosse Land auch auf nur einem kleinen Abschnitt zu bereisen. Schliesslich steht auf der Homepage des Konsulats, dass längere touristische Visa möglich sind. Wir nehmen telefonisch Kontakt zur Spomer GmbH in Deutschland auf, welche uns schon ohne Probleme das Russische Visa besorgt hat. Wir fragen nach einer Einladung für Belarus mit einer längeren Aufenthaltsdauer als die genannten 7 Tage und wie schnell wir diese bekommen könnten. Die Antwort war dann wie Sonnenschein an unserem Himmel.   Klar, dass sei kein Problem und tatsächlich, wir erhalten am nächsten Morgen bereits ein Mail mit den gewünschten Einladungen für 21 Tage Aufenthalt, wovon wir eigentlich mindestens 14 Tage wollen, jedoch auf anraten der Sachbearbeiterin etwas mehr aufgeschrieben haben. Die Kosten belaufen sich auf € 40.00 pro Einladung.
Jetzt hilft uns die örtliche Agentur in Vilnius noch die Formulare korrekt auszufüllen und zum Schluss begleitet uns eine der Damen bis vor Tür des Konsulat und erklärt kurz das Vorgehen dort. Für diese Dienste bezahlen wir am Schluss gesamt € 20.00.

Folgende Unterlagen werden für die Einreichung des Antrages benötigt:

–> Unsere Auslandkrankenversicherung über die Hanse-Merkur funktioniert problemlos für diesen Zweck.
Weitere Infos hierzu findet ihr hier unter Krankenversicherung

Beim Konsulat angekommen müssen wir eine Nummer ziehen und warten, bis auf der Leuchttafel unsere Nummer steht und zu welchem Schalter wir gehen sollen. Erst danach können wir das Gelände überhaupt betreten über ein Drehkreuz. Wir sind zu früh dran, haben aber dafür eine tiefe Nummer.

Nach dem wir endlich aufgerufen wurden, geht es ab ins Konsulat zu Schalter Nr. 13. Zum Glück sind wir ja nicht abergläubisch. Ich reiche der Dame hinter dem Tresen meine Papiere und diese werden akribisch durchgelesen und mit einem Kopfschütteln beantwortet. Ist was nicht gut?

Doch die Papiere sind alle in Ordnung, aber sie könne mir nur 3 maximal 5 Tage geben für ein Touristen Visa. Ansonsten müsste ich ein anderes beantragen. Da bin ich natürlich nicht einverstanden und sage, sie solle bitte mal genau die Einladung lesen. Danach verschwindet die Dame mit den Papieren im Hinterzimmer und wir warten einige Minuten und bangen. Kurz darauf kommt sie zurück und wir werden gebeten an Schalter Nummer 5 zu gehen, um die Sache genauer zu klären. Dort angekommen hält die Dame bereits unsere Papiere in den Händen und kommt mit dem nächsten Angebot. Sie würde uns nun 7 Tage gewähren. Doch damit bin ich noch immer nicht einverstanden und erläutere ihr abermals, dass unsere Einladung für länger gilt und wir dies auch gerne hätten. Auch sie entschwindet danach in ein Hinterzimmer und kommt zurück mit der Frage, wie lange ich denn mindestens bleiben möchte. Meine Antwort war etwa um die 20 Tage. Runter kann ich ja noch immer denke ich mir. Mit dieser Info geht sie erneut weg und kommt nach einigen Minuten wieder. Der Diplomat im Hinterzimmer offeriert mir nun 14 Tage, ob ich mich mit dem Einverstanden geben könne? Langsam kommen in uns wirklich „Basar“ – Gefühle auf und wir zweifeln an echter Bürokratie. Doch eigentlich haben wir nun was wir wollten und so sind wir also einverstanden. Dann geht es schnell. Wir sollen an Schalter Nr. 9 die Visa bezahlen und danach zurück kommen, um die Abhol-Quittung zu erhalten. Wir bezahlen mit Karte je € 60.00 pro Visa und sind 5 min. später auch schon draussen. In 7 (Arbeits-) tagen können wir uns nun hoffentlich unser Visa abholen. Es wäre auch schneller gegangen, doch der doppelte Preis dafür war uns dann doch zuviel. So haben wir uns eben die Zeit genommen und die Gegend um Vilnius erkundet und unter anderem den Mittelpunkt Europas besucht.

 

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Grenzeübertritt Litauen – Belarus

Eine Woche später können wir dann tatsächlich unsere Pässe mit dem gewünschten Visa abholen. Da dieses genau ab heute Tag gilt, machen wir uns sogleich auf den Weg zur Grenze. Tagesziel heute ist der Grenzübertritt nach Belarus. Wie schon bei Kaliningrad wählen wir eher einen kleineren Grenzübergang etwas südlich von Vilnius, in der Hoffnung, dass dort nicht so viel los ist.

Wie erwartet ist nicht viel los dort, innerhalb einer halben Stunde konnten wir alle Formalitäten erledigen und nach Weissrussland einreisen. Wir waren überrascht, wie schnell alles ging. Die Grenzbeamten waren sehr freundlich, korrekt, hilfsbereit und neugierig. Unser Auto wurde vielfach bestaunt und die üblichen Fragen nach Benzin, Modell etc. wurden in schlechtem Englisch gestellt. Die Zollformulare für das Fahrzeug sind dieselben wie in Russland und so war das für uns nach der Erfahrung bei Kaliningrad auch kein Problem. Wir haben damals ein Foto gemacht und wussten so genau, was wir ausfüllen müssen.

Da unsere Schweizer Fahrzeug-Versicherung Belarus nicht abdeckt, war auch dies noch ein offener Punkt für uns. Doch die Beamten waren sehr behilflich und zeigten uns das Büro in einem Container direkt auf der Grenzanlage, wo wir die Versicherung fürs Fahrzeug abschliessen konnten, was uns rund 17 Euro kostete. Entgegen unseren Vorstellungen bekamen wir keine Migrationskarten, sondern nur die Zolldokumente fürs Auto. Als wir uns danach bei den Beamten bedankten, gab uns einer noch einige Reisetipps mit auf den Weg, bevor die Schranke geöffnet wurde 🙂

 

Beltoll – Maut in Belarus

Kurz nach der Grenze in der Nähe einer Tankstelle befindet sich eines von vielen Beltoll Büros. Denn einige grossen Strassen sind für ausländische Fahrzeuge Mautpflichtig. Dies betrifft gerade viele Strassen rund um Minsk. Für mich scheint es hier zu riskant zu sein, ohne dem Gerät herum zu fahren. Denn ich nehme an, dass ich in der Region Minsk garantiert auf eine solche Strasse gelange, wenn auch nicht gewollt. Und so möchten wir uns gerne im System anmelden und organisierten uns das Gerät für die Mautstrassen.

 

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Im Büro wird mein Pass und Fahrzeugausweis verlangt und danach alles schön ruhig im Computer eingegeben. Danach spuckt der Drucker gefühlte 100 Blätter aus. Ich musste geschlagene 12 Unterschriften auf all die Dokumente setzen und habe dabei vermutlich mein halbes Leben verkauft. Zwar ist alles in Englisch, aber die Flut von Informationen macht es unmöglich, dies auch nur annähernd zu lesen. Dann endlich erhalte ich das kleine „Pieps-Gerät“. Mir wird sogar noch geholfen, dieses an der richtigen Stelle im Fahrzeug zu positionieren. Das Gerät ist jedoch nur ausgeliehen, für das man ein Depot von € 20.00 bezahlt, welches man bei Rückgabe zurück erhält. Gleichzeitig muss ein Guthaben geladen werden, im Minimum € 25.00. Ja, ich schreibe richtig: Euros. Hier werden wohl Devisen benötigt. Alles wird in Euro eingezogen und eine Zahlung mit Rubel ist nicht möglich. Das Gerät wird oben an der Windschutzscheibe angebracht und rechnet automatisch ab, wenn man eine elektronische Kontrollstelle passiert. Dieser Vorgang wird mit einem Pipsen angezeigt, was bei uns auch anstandslos funktionierte. Wenn das Gerät mehr als einmal Pips, ist etwas nicht in Ordnung und man soll das nächste Beltoll Büro anfahren. Dann kann es sein, dass der Akku leer ist, oder fast kein Guthaben mehr vorhanden. So, das Gerät ist installiert, nun sind wir bereit, das Land zu erkunden 🙂

Im Übrigen habe ich dann nach der Rückgabe auf der Abrechnung gesehen, dass wir tatsächlich € 4.40 an Maut bezahlt haben 🙂 Das Restguthaben, sowie das Pfand wurde ein paar Tage später nach der Ausreise anstandslos auf unsere Kreditkarte zurück überwiesen.

 

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  1. Bruns Martin

    Hallöchen
    ja diese Grenzübertritte dort sind recht „unbürokratisch „ . Habe es damals auch so ähnlich erlebt in Richtung Polen,Ungarn und Tscheslowakei.
    Wenn man Zeit hat ist dann noch machbar, bei einen 3Wochen Turn nicht mehr.
    Gute Weiterreise wünsche ich Euch.

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